XVII - Der Stern

Venus, Neptun

Bedeutung beim Wahrsagen: Glaube, Hoffnung, Einsicht, Optimismus, Harmonie - ein Glück, das aus rechter Orientierung (an seinem Stern bzw. den Sternen) resultiert. - "Wer immer strebend sich bemüht..." Die Karte verspricht Erfüllung und Belohnung unserer Anstrengungen, Zufriedenheit und Vergnügen (insbesondere, wenn etwa ein Projekt zum Abschluß gebracht wird), Charme und Arbeit wirken dabei zusammen. Sie bezeichnet vor allem eine segensreiche Offenheit für höhere Einflüsse, Inspiration, Intuition - sie mahnt uns, Hilfe, die uns geboten wird, auch anzunehmen!

Umgekehrt: Unerfüllte Hoffnungen, Enttäuschungen, besonders in Beziehungen zu Menschen, aber auch in Geschäften, innere und äußere Unausgeglichenheit. Die durch die umgekehrte Karte bezeichnete Person folgt mehr ihrem Verstand (seinen Vorstellungen und den gesellschaftlichen Konventionen) als ihrem Gefühl; scheut fruchtbare Risiken und lässt sich dadurch Chancen entgehen.

Der Stern Sterne weisen Wege

Sterne stehen fest, man kann sich auf sie und ihre scheinbare Bewegung am Nachthimmel im Jahreslauf verlassen. Nächsten Sommer wird er hier wieder eben genau dort stehen, genau so klar und hell und rein. Die Menschen haben sich das schon früh zunutze gemacht, um die Zeit zu messen und sich im Raum zu orientieren, und entsprechend diesem Symbolgehalt geht es bei dieser Karte (und auch bei den beiden folgenden, dem Mond und der Sonne) um die Orientierung - unbezweifelbar nach dem Zusammenbruch der Gebäude der Vorstellung und des Eigensinns auch die dringlichste Frage.

Sie sind oben, wir sind unten, und man sagt nichts Falsches, wenn man behauptet, wir seien auf sie hin ausgerichtet. Wir teilen ja mit den Pflanzen die senkrechte Haltung - natürlich wachsen die Bäume in den Himmel (wohin denn sonst?), und auch bei uns stimmt die Richtung, bis wir hinlänglich geduckt werden oder die Kraft uns verlässt.

Wir haben diese Grundeigenschaft des Menschen so mit moralischen Vorstellungen verbunden, dass man schon gar nicht mehr vom 'aufrechten Gang', der 'absoluten Geste' des Menschen sprechen mag, und doch nimmt ihr das nichts von ihrer Bedeutung, sei es ganz praktisch, was die Kreisläufe der Körperenergieen betrifft, sei es spirituell. Es gibt für uns grundsätzlich die Linie senkrecht nach oben, und durch die Offenbarungen ist sie für uns nur immer stärker und bewusster geworden. Sie ist auch ein Aspekt dessen, was man sonst als Gottesebenbildlichkeit des Menschen bezeichnet.

So vergegenwärtigen die Sterne uns - jedem Einzelnen - Ziele, Richtungen, Möglichkeiten, immer aber gleichzeitig ihre Beschränktheit und ihren Verlust. Sie sind weit weg, vollkommen unerreichbar. Wir mögen zu ihnen streben, aber dennoch bleiben wir solchen Idealen gegenüber immer zurück, sie sind für uns nicht verfügbar - in dieser Weise sind so auch der Ausgangspunkt des philosophischen Dualismus. Was von ihnen kommt, ist schwach, ein kleiner, wenn auch eigentümlicher und unverkennbarer Fluß von Energien.

So sehen wir es auf der Karte dargestellt - eine Frau mit zwei Krügen wie beim Arkanum 14, der Mäßigkeit. Doch diesmal gießt sie Wasser aus den Krügen in einen See oder in das Meer. Halten wir fest, dass dieses Wenige viel bewirken kann - spirituell viel mehr als physisch (es hat ja auch schon in den letzten Jahren ein Homöopath der Nordsee Brechweinstein verabfolgt, natürlich hätte man ihm mehr Erfolg gewünscht). Wenn nichts anderes, so erhält dieser geringe Zufluß doch die Hoffnung aufrecht.

Wir verstehen es sonst, wenn jemand mit Krügen Wasser holt... - der umgekehrte Ablauf erinnert uns auch daran, dass alle unsere Geschäfte wieder enden, oft genug in der Form eines Kreislaufs dort, wo sie begonnen haben. Was uns Mühe und Arbeit gemacht hat, zerfällt auch wieder, nutzt sich ab oder wird schlicht aufgegessen. Fließt ins Ungeformte zurück...

Doch fragen wir weiter danach, wie die Sterne sich äußern - entsprechend ihrem Anblick am Himmel ist es ein Funke, ein Blick, ein undeutlicher Impuls, mehr nicht. Es ist nicht der verwirrende Reichtum der Vorstellungen des Mondes, es ist auch nicht die durchdringende intuitive Gewissheit der Sonne. Wie sollte es auch: dennoch können diese Einflüsse und verändern, unser Leben prägen, wenn wir uns erlauben, ihnen zu folgen.

Dafür, wie die Sterne orientieren, haben wir ein unübertreffliches Beispiel an der Geschichte von den heiligen drei Königen, die zur Geburt Jesu kommen. Sie haben einen Stern gesehen, und sie sind offen genug dafür, dass sie sich auf die Reise machen - das ist nicht eben selbstverständlich, sie hätten sicher ebenso wie wir auch noch etwas anders zu tun. Sie lassen sich davon und von den Einreden ihres Verstandes jedoch nicht zurückhalten. Sie spüren: da ist ein ganz einmaliges Ereignis, das, durch das alle Trennungen aufgehoben werden sollen, durch das der Himmel auf die Erde kommt.

Die drei Könige wissen jedoch nicht genau, wo es geschehen soll, und so machen sie einen kleinen Fehler, der dann fürchterliche Folgen hat: Sie fragen die Herrschenden danach - den König Herodes und seine Lakaien. Die sind, was die Zukunft und das Geschick der Menschheit angeht, nicht nur ahnungslos, sie scheuen auch vor nichts zurück, um sie zu verhindern. Wegen dieser Nachfrage werden sie später alle kleinen Jungen in Bethlehem abschlachten.

Daran hat sich bis heute nichts geändert, weder an der Ignoranz noch an der Skrupellosigkeit, nur die Umstände und Mittel mögen anders geworden sein. Immer noch ist die einzige zulässige Zukunft die, die gerade so aussieht wie die Gegenwart, mit ein paar Zugeständnissen an Mode und Design. Die Utopie der Herrschaft heißt Fortschreibung. Nur ihr systematisch einseitiges Nicht-wissen-wollen, das sie Wissenschaft nennen, kann uns schützen (nicht dass wir deshalb besondere Dankbarkeit empfinden könnten), indem wir nach diesen Maßstäben sowieso nicht ernstzunehmen sind. Wir vertrauen selbst solcher Wissenschaft auf eigenen Gefahr, so wie es mehr als genug Patienten gibt, die ihr Vertrauen zur Medizin mit einer im Kern unnötigen Operation bezahlt haben, und mit bleibendem Schaden.

Vielleicht sollte man hier dann daran erinnern, dass die wirklichen Sterne (im Gegensatz zu ihren menschlichen Imitationen auf Fahnen aller Art) ja nur nachts zu sehen sind, nicht im Licht des Tages. Die Impulse, die sie uns geben, wollen in uns und in der Stille keimen, reifen - und zur rechten Zeit werden sich auch die Früchte zeigen.

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