VII - Die Liebenden - Waites Interpretation

Die Sonne strahlt im Zenit, unterhalb befindet sich eine große, geflügelte Gestalt mit ausgebreiteten Armen, die ihre Einflüsse verströmt. Im Vordergrund sind zwei menschliche Gestalten, männlich und weiblich, die sich unverhüllt gegenüberstehen wie Adam und Eva, die zum erstenmal im Paradies des irdischen Körpers verweilen. Hinter dem Mann ist der Baum des Lebens, der zwölf Früchte trägt, zu sehen, hinter der Frau befindet sich der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse, um den sich eine Schlange windet. Die Gestalten weisen auf die Jugend, Jungfräulichkeit, Unschuld und Liebe hin, vor der Befleckung durch grobstoffliche, materielle Begierden. Diese Karte stellt in aller Einfachheit die menschliche Liebe dar, hier als ein Teil des Weges, der Wahrheit und des Lebens vorgestellt. Wenn man von den Urprinzipien ausgeht, ersetzt sie die alte Karte der Ehe, wie ich sie im ersten Kapitel beschrieben habe, und damit auch die späteren Narrheiten, die den Mann zwischen Laster und Tugend abbilden. Auf einer sehr hohen Betrachtungsebene repräsentiert die Karte das Mysterium des Bundes Gottes mit dem Menschen und den geheiligten Sonn- und Ruhetag.

Hinsichtlich der Frau soll angedeutet werden, dass sie die Anziehung zum sinnlichen Leben repräsentiert, die in sich die Idee des menschlichen Falls trägt, sie ist jedoch eher die Wirkung des geheimen Gesetzes der Vorsehung als eine willentliche und bewusste Verführerin. Denn durch den ihr zur Last gelegten Fehltritt wird der Mensch letztendlich auferstehen, und nur durch sie kann er sich selbst vervollkommnen. Aus diesem Grunde ist die Karte auf ihre Art eine weitere Anspielung auf das große Mysterium der Frau. Die alten Bedeutungen sowie die damit verbundenen alten Karten lösen sich in dürftige Bruchstücke auf, doch selbst die sie betreffenden Auslegungen ergehen sich in Gemeinplätzen oder sind symbolisch falsch.

XV - Der Teufel - Waites Interpretation

... Die rechte Hand ist erhoben und ausgestreckt und stellt die Umkehrung der Segnung dar, die der Hierophant auf der fünften Karte ausführt. In der linken Hand hält er eine flammende Fackel die zur Erde gerichtet ist. Auf seiner Stirn befindet sich ein umgekehrtes Pentagramm. Von einem an der Vorderseite des Altars befestigten Ring gehen zwei Ketten aus, die zum Hals von zwei Gestalten, männlich und weiblich, führen. Diese haben eine Verwandtschaft mit jenen der sechsten Karte, und deuten auf Adam und Eva nach dem Sündenfall hin. Damit wird die Fessel und das Verhängnis des materiellen Lebens deutlich gemacht.

Die Gestalten sind mit einem Schwanz versehen [detailbewusst in den Farben von Mars und Venus], um die tierische Natur anzudeuten, aber menschliche Intelligenz leuchtet in ihren Gesichtern, und der über ihnen Thronende wird nicht für immer ihr Meister sein. Selbst jetzt ist er auch ein Sklave, genährt und aufrechterhalten durch das in ihm befindliche Böse und Blind gegenüber der Freiheit des Dienens. ... In Wahrheit symbolisiert er den Hüter der Schwelle außerhalb des mystischen Gartens, wenn diejenigen, die von der verbotenen Frucht gekostet haben, aus diesem vertrieben werden.

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