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Ein Wort voraus:
In der heutigen esoterischen Szene ist kein Mangel an 'freischwebenden Geistern', an Leuten, die ihre Verankerung in einer Tradition und in ihrer konkreten Lebenswirklichkeit verloren haben. Wir verdanken ihnen jede Menge leeres Gerede und können uns auch nur schwer vorstellen, daß sie so irgendwie zu ihrem Glück und Heil beitragen. |
Wenn man sich jedoch näher mit dem Tarot beschäftigen möchte, Für diese Site habe ich die Bilder des Tarot de Marseille verwendet - es ist relativ alt (und hält dadurch Abstand zu unseren routinierten Sehgewohnheiten), es reduziert die Kartenbilder auf die Kernsymbole, und schließlich hat Scriptorium dieses Kartenbild mit hoher Sorgfalt zu einem True-Type-Font verarbeitet. |
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Das gegenwärtig beliebteste und wahrscheinlich am weitesten verbreitete Kartenbild ist das sogenannte Rider-Waite-Kartenbild; die Firma Rider hat's verlegt, Arthur Edward Waite (ein sehr vielseitig tätiger englischer Okkultist um die Wende zum 20. Jahrhundert) hat es entworfen, und wer hat's denn nun eigentlich gezeichnet? Eine Frau namens Pamela Coleman Smith ... (das fängt ja gut an, könnte man sagen - für viele heutige Liebhaber dieses Blattes sind die Bilder der verschwiegenen Frau Smith der eigentliche Reiz). Waite hatte die Vorstellung einer vielfältigen Vernetzung und Übersetzbarkeit verschiedener Symbolsysteme, daher finden sich auf diesen Karten dann auch zahlreiche Hinweise vor allem auf die Kabbala, aber auch auf andere Systeme. Man mag das als Stärke empfinden, manche Zuordnungen sind jedoch etwas schwierig nachzuvollziehen. - Wenn man verschiedene Typen von Tarots unterscheiden will, dann könnte man dieses als ein 'put-in'-Tarot bezeichnen. Modernere Tarots versuchen seitdem vielfältig, aktuelle oder modische Inhalte in den Rahmen des Tarots hineinzuziehen, was häufig in einer noch stärkeren Überfrachtung resultiert, bei der die traditionellen Bedeutungen kaum noch sichtbar werden. |
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Die gegensätzliche Tendenz besteht in einer Reduktion der Bildinhalte auf das, was dem jeweiligen Künstler wesentlich erscheint, führt also sozusagen zu 'take-out'-Tarots. Das Internet gibt einem vielfältige Möglichkeiten, Tarotspiele kennenzulernen. Eine erfreuliche Überraschung für mich war das Blatt, das der römische Hotelier Marco Benedetti entworfen hat. Manche dieser Bilder muten recht ungewohnt an, auf den zweiten Blick zeugen sie jedoch allesamt von einer intensiven Beschäftigung mit dem Tarot und bleiben enger an den Hauptlinien der Tradition als viele andere moderne Blätter. Von ihnen geht trotz des Goldgrundes eine gewisse Kühle und Klarheit aus, die man sonst an zeitgenössischen Bildern leicht vermißt. |
Natürlich sagt man zu manchen seiner Bilder auch spontan "NEIN!" - nur ein Beispiel: soll das der Narr sein? Aber warum genau lehne ich diese Karte ab? Nur wegen dem erotischen Touch? Oder könnte sich Benedetti hier nicht auch etwas Richtiges gedacht haben, was mir entgangen ist oder einfach zu fern lag? Möglich... - und genau derartige Überlegungen sind es, durch die die Bilder lehren. |
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Schließlich gibt es Blätter, die einfach nur schön sind (oder sein wollen) und nur äußerlich noch mit dem Tarot zu tun haben. Auch dafür ein Beispiel, eine Karte aus dem Tarot der japanischen Manga-Zeichnerin Rieko Mitsumi. Ja, natürlich, das bin ich, ganz und gar (die Flügel natürlich abgerechnet, eine merkwürdige Idee, den Hofkarten welche zu verpassen), ich habe ja auch Sonne und 5 Planeten im Jungfrau-Haus 6... - Nun ja, aber mehr als eine flüchtige Identifikation findet man an solchen Bildern nicht. Die traditionellen Bilder sind Produkte einer relativ langen Evolution, in der sie vielfältig verändert und verfeinert wurden - demgegenüber ist jeder moderne Künstler zunächst im Nachteil. |
Eine gute Balance zwischen traditioneller Symbolik und ästhetischem Reiz bietet das schweizer 1JJ-Blatt, das man eigentlich als das 'typische' Einsteigerblatt bezeichnen würde (und wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, steigt man auch nicht so schnell um - es enthält um so mehr, je länger man sich damit beschäftigt). Man muß sich mit den Bildern ein wenig anfreunden, und man wird lernen, sie in ihren komplexen Bezügen zu sehen - so imaginiert das 19. Jahrhundert eine 'Vorzeit' (ach, Novalis: "Doch einsam steht und hochbetrübt, wer still und ernst die Vorzeit liebt"), die doch sehr anders ausgesehen hat, so wie auch unsere Zeit die Gehalte der Karten in ganz anderer Gestalt zeigt. |
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Für das Wahrsagen mit den Tarotkarten
Es gibt Online-Kurse - besonders gut gefallen hat mir der von Joan Bunning (englisch) - er ist darauf angelegt, daß man ihn sich in drei handlichen Zip-Dateien herunterlädt und ihn dann offline benutzt. Es gibt Software - laden Sie ein kleines (ZIP 173 kB) Sharewareprogram herunter... |
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Zur spirituellen Bedeutung
Ein weiteres recht verbreitetes Lehrbuch ist das folgende, das jedoch ausschließlich in Verbindung mit dem Rider-Waite-Blatt sinnvoll verwendet werden kann:
Im Vergleich dazu sind die Meditationen über das Tarot von Valentin Tomberg (ursprünglich 1967 anonym französisch veröffentlicht) ein ausgesprochener Glücksfall.
In diesen je nach Sprache 700 bis 900 Seiten (die das Buch leider auch relativ teuer machen) steckt eine zusammenhängende Interpretation der großen Arkana, die sie detailliert einordnet in die Tradition der christlichen Hermetik. Es ist nicht gerade eine einfache Lektüre, doch die Mühe lohnt sich - gerade auch an den Stellen, an denen man sich mit dem Autor gerne streiten würde. (Man sollte vielleicht hinzufügen, daß Tomberg gelegentlich etwas überschwänglich katholisch argumentiert - nun ja, wo das Herz sitzt... Man kann es ignorieren, man kann sich aber auch einmal mehr hinweisen lassen auf die grundlegenden Fragen, die eigentlich unsere Glaubensspaltung aufgerissen haben, und auf die wir als Christen unvermeidlich in irgendeiner Form jede/r für sich eine Antwort zu geben gehalten sind.) |
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