Aufruf zur Wahl in Berlin - PDS wählen,

...denn »einen Baum der fallen will, den soll man stoßen.« (Nietzsche)

Die PDS hat schon lange keine ideologische Orientierung mehr; stattdessen kultiviert sie alle die Tugenden, die hierzulande "Politikfähigkeit" ausmachen, allen voran den windelweichen Opportunismus und die Unterdrückung innerparteilicher Auseinandersetzung.

Sie ist in ihrem Wesen eine sozialdemokratische Partei genau nach dem Schröder/Blair'schen Muster von "New Labour" - an nichts anderem interessiert, als selbst in politische Ämter zu kommen, die sie nur noch als begleitende Verwaltung des Unvermeidlichen ansieht.

Nicht schön. Aber.

Nachdem die Vetternwirtschaft von Klaus Landowsky und der CDU den Landeshaushalt ruiniert hat, steht der jetzt zu wählende Senat vor der netten Aufgabe, überall durch gravierende Einsparungen den Lebensstandard der Menschen in der Stadt auf einen neuen Tiefpunkt abzusenken. Wer mich kennt, weiß, dass ich der Sozialdemokratie - die schon immer in der deutschen Geschichte fortschrittliche Entwicklungen gebremst, verfälscht und verhindert hat - diese undankbare Aufgabe von Herzen gönne.

Die PDS - aufmerksam, hilfsbereit, ich bin dabei - möchte mit von der Partie sein, Teil des Systems. Prima, sie sollen sich mit ihm blamieren und verhasst machen.

Außerdem freue ich mich auf die Windungen und Wendungen und auf das ganze Geschrei, das einer Regierungsbildung aus SPD und PDS vorhergehen wird. Sollen sie schwitzen, sollen sie winseln. Gibt gute Unterhaltung.

Je schneller sie ihre Ohnmacht vom Roten Rathaus her unter Beweis stellen, um so schneller werden die Berliner (und vielleicht noch ein paar Leute mehr) über wirkliche Alternativen nachdenken.


Hat ja dann auch gute Unterhaltung gegeben, auch schon im Vorfeld - "nein", sagte der Kanzler, und der Landesvorstand der SPD gedachte seiner Erpressbarkeit - und auch für die nächsten Jahre ist viel Frohsinn zu erwarten.

Und was machen wir zur Bundestagswahl nächstes Jahr? Den Aufruf recyclen, die Begründung anpassen, aber jedenfalls gegen den Konsens stimmen, man darf ja auch wieder Establishment sagen. Was ich da rechts sehe, lässt mich an viel zu vielen Dingen zweifeln - also, was denn sonst. - Und jetzt bitte keine Hinweise, Gregor G. sei doch irgendwann in alten Zeiten gar nicht nett gewesen - das interessiert mich ganz unabhängig von der Sachlage einen feuchten Kehricht. Wir wählen nicht als Belohnung für gute Taten und nachweislichen Charakter, sondern mit politischen Absichten. Und Josef Fischer muss in den Ruhestand geschickt werden, Helmut K. und Oskar L. brauchen noch einen dritten Mann zum Skat.

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