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Oi, oi, oi, der Oiro. Jetzt ist er also eingeführt, ohne weitere Reibungen (hat ja auch genug Arbeit und Kosten mit sich gebracht). Der Euro also, denen ihr Geld. Und wohin fliehen? USD? Nee, nicht mehr, vielleicht später wieder. Gold? Vielleicht hat Welteke deshalb kürzlich mal eine Stinkbombe in dieser Richtung abgelassen. Eher schon Ölfutures, mit Winterpreisen durch den Sommer, das ist jetzt aber noch nicht die Klimakatastrophe, sondern bloß die ganz normale politische Katastrophe. Aber man muss ja vorwärts schauen, also Vorhang auf - |
Gabriele Hoffmann, die bekannte und bewährte Berliner Hellseherin, erklärte 1999 in einem Interview:
Das Dritte, was ich in den 70er Jahren gesehen habe, war, daß zwischen den Jahren 2007 und 2011 durch eine neue Währung, mit der alle Länder Europas zu tun haben - mit Ausnahme der Schweiz -, eine Verzettelung entstehen wird. Aufgrund meiner Schauungen wird damit eine Geldentwertung und Inflation verbunden sein, von der alle europäischen Länder mehr oder weniger betroffen sein werden. Es ist wohl zu vermuten, daß diese Währung der Euro ist. |
Was tun mit einer solchen Vorhersage? Natürlich stellt man sich zunächst ein paar Fragen -
Wenn man sich die Voraussage unter diesen Fragen betrachtet, verliert sie viel von ihrem Charme. Kann sein, kann nicht sein, sagt man vielleicht - aber was sagt Frau Hoffmann denn genau vorher?
Versuchen wir, die Vorhersage nachzukonstruieren.
Normalerweise entsteht eine Inflation aus einer Fiskalpolitik, die sich nicht mehr anders zu helfen weiß. Man hat seine Wirtschaftskrise erst und kann den laufenden Betrieb nur noch mit verzweifelten Maßnahmen aufrecht erhalten. Solche Maßnahmen würden auf der Ebene der Europäischen Gemeinschaften einen erheblichen Kraftakt politischer Willensbildung voraussetzen - welches genau das ist, was man von ihnen nicht zu gewärtigen hat. Die EZB bleibt also unabhängig, versucht gegenzusteuern, es nützt aber nichts. - Um sich das realistisch vorstellen zu können, hätte man es also auch mit einem Auseinanderbrechen der EG und einer wirtschaftspolitischen Re-Nationalisierung zu tun.
Big stuff, viele Fragen. Passiert es plötzlich? Oder langsam? (In diesem Fall, warum nimmt man die Entwicklung nicht ernst?) Gibt es Zeichen? Wie sehen sie aus? "Prefractal turbulences?" Wie vor einem Gewitter die Böen?
Nun gut, man wird die Vorhersage im Hinterkopf und die Augen offen behalten. Der Rest ist ein literarisches Problem: Wie fügt es sich zur Geschichte?
(1) langweiliger Ansatz: Systemische Destabilisierung, knock-on effects usw. - Solche Effekte sind bekannt, wenn auch nicht ultimativ beherrschbar; dennoch gibt es Maßnahmen usw. Ohne Interventionen der Zentralbanken hätten wir allein in den 90er Jahren mehrere schöne Wirtschaftskrisen erleben können.
Der wirtschaftliche Strukturwandel wird sich fortsetzen und eher noch beschleunigen - dabei ist nicht gesagt, dass er in seinen Konsequenzen so relativ sozial verträglich und beherrschbar bleibt. Japan wäre da als Modell sehr interessant. Man könnte auch an spezielle Auslöser denken: Mehrere große Pleiten etwa, bei denen der Staat entscheidet, diese Firmen seien "too big to fail" - oder er entscheidet anders (es ist ja eine Zwickmühle) und egal geht das Geschäftsklima für lange Zeit den Bach herunter.
Die entstehenden sozialen und politischen Probleme erzwingen irgendwo Versuche eines nationalen Krisenmanagements, was gesamteuropäisch die Situation nur schlimmer macht - usw. Vorläufig vielleicht müßig, darüber zu spekulieren, wo und wie das geschieht. Natürlich wird man zuerst an Berlusconistan denken, aber warum nicht Deutschland mit seiner besonderen Exportabhängigkeit, warum denn nicht?
(2) spannender Ansatz: Man muss die Krise machen, sonst taugt sie nichts - als den Triumph des bösen Hirten, möglichst mit einer paranoischen Wendung.
Eine Inflation entwertet Geld, nicht Kapital: Sie stellt damit eine direkte Enteignung von Kleinbesitz dar. Eine wunderbare Möglichkeit, klar zu stellen, wo denn nun oben und unten ist. Es gibt Leute, die könnten das mal wieder für an der Zeit halten, auch wenn die bisherigen Strategien der Verwischung solcher Grenzen ja klare Vorteile hatten. So etwas könnte sich auch wieder einmal lohnen (wenn man informiert ist und Geduld haben kann), warum denn nicht. Gewiss ist es ideologisch, nach Tätern zu fragen und auf ihre subjektiven Absichten zu spekulieren - etwa nach dem Motto: wirtschaftliche Macht ist langweilig, so lange sie sich nicht in persönliche Herrschaft ummünzen lässt. Aber es gibt mächtige Subjekte, es gibt an den Märkten und zu Teilen sicher auch sonst Gestaltungsmöglichkeiten für sie, niemand kann sagen, das sei unmöglich. Und menschliche Täter haben jedenfalls den Vorzug ihrer Greifbarkeit - und was kann es Schöneres geben, als am Ende die Köpfe von Volksfeinden von der Rathausfassade heruntergrinsen zu sehen, bei Regen, Sonne, Wind und Schnee. Denen draußen zur Warnung, denen drinnen zur Tarnung - denn die Geschichte hört ja nicht auf.
Zusatz: Die Krise kommt durch die Ausbreitung elektronischer Zahlungssysteme - und durch die Verchippung der Menschen.
Seit vielen (über 20!) Jahren haben wir einen populären Diskurs über Maßnahmen, die totale Kontrolle der Menschen herbeiführen sollen. Strichcodes waren schon sehr interessant, in den Körper einpflanzbare Chips geben natürlich noch zusätzliche Möglichkeiten. Der Diskurs wird je nach Verfügbarkeit der Technik von Zeit zu Zeit upgedatet; sein Template hat er natürlich an der Offenbarung des Johannes, an der Voraussage, keiner werde mehr irgendwelchen Handel treiben können, er habe denn das Zeichen von Tier. Also wer es nicht hat, Pech gehabt; und wer es hat, dem geht es am Ende (wo sich das Unterste nach oben kehrt) noch viel schlechter ...
Die Chips - so die aktuelle Variante - werden in den Körper geschossen, nahezu schmerzlos (wie Grippeschutzimpfung; vielleicht ja auch in Verbindung mit einer Impfung, ein Grund mehr, so etwas zu verweigern und zu unterlassen); sie haben aber Widerhaken und sind nur schwierig und unter großen Risiken zu entfernen (wie die Unfruchtbarkeits-Implantate). Da es hier also nicht mehr auf eine bewusste Entscheidung für oder gegen ankommt, sondern man jederzeit überlistet werden kann, bedarf es permanenter Wachsamkeit und quasi des vorbeugenden Rückzugs, des Auszugs aus den Verhältnissen - sympathische Grundhaltungen, durchaus.
Keinen Handel ohne, das ist natürlich in modernen Gesellschaften für die Betroffenen recht unpraktisch (deshalb sollte man irgendwo einen Garten haben, usw.) - man kann dann noch nicht mal mehr sinnvoll betteln: Mitleidige Menschen werfen einem rasch ein Radieschen in den Hut, das man mit seinen verbliebenen Zahnstummeln (nix Knete nix Zahnarzt) kaum noch kauen kann.
Amüsant, wie allergisch immer wieder auf diesen Diskurs reagiert wird - auch und gerade in der Science Fiction-Branche - tja, Schmutzkonkurrenz, quasi aus dem Labor ausgebrochen. Dito wollen die Autoren sich ja in der Regel etwas Schönes ausdenken, anstatt nur an den gängigen Alpträumen teilzuhaben. Tatsächlich gibt es jedoch kaum einen Grund, sich beim Nachdenken über Szenarien nicht ins dergestalt gemachte Bett zu legen. - Nur in die Comics ist dieser Diskurs inzwischen eingesickert, bereichert um Details wie den Zentralcomputer "The Beast" in Brüssel (natürlich, wo sonst; dort befindet sich ja auch schon ein Rechenzentrum des SWIFT-Überweisungsystems).
Übrigens hätte die Verchippung ja auch viel für sich - Endlösung des Kriminalitätsproblems, viele Eigentumsdelikte einfach unmöglich - einschließlich der Probleme mit den Kriminellen, sprach ich nicht von Radieschen. Auch die Sache mit der Alterssicherung klärt sich so (dieser Schlenker ist sowieso der schwächste Teil an Frau Hoffmanns Prophezeihung). Auch Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung sind abgeschafft - man kann ja bestenfalls noch für Kost und Logis schwarzarbeiten (das Unternahmen wandelt sich zum Stall), nicht mehr für ein Wertäquivalent. Also die Initiative in Deutschland, die ginge natürlich von der SPD aus ... wenn nicht die Grünen dafür gekämpft haben werden.
Es drängen sich natürlich unendliche Komplexitäten auf, Einzelschicksale zucken vorbei, gute Enden, schlechte Fortsetzungen - unendliche Möglichkeiten des Erzählens. Wer hat wann gut lachen? Wer sind die Finsteren? Müssen sie schnell handeln und warum? Weil etwas Rettendes aufwächst? Was denn?
Schriftsteller, so hat man einmal schön gesagt, seien Ingenieure der menschlichen Seele. Also raus mit dem Schraubenschlüssel, rein in die Rumpelkammer des kollektiven Bewussten, ans Licht mit den Monstermaschinen!
Jedes mir eingesandte zensurgerechte Szenario, jede Geschichte (rational, irrational, scheißegal) wird hier veröffentlicht und wird mit einer Flasche echt oiropäischem Wein honoriert. Einsendeschluß ist der 31.12.2002 - so Gott will und wir noch leben.
Der Gewinner oder die Gewinnerin wird dann auf okkulte Weise ermittelt (Rechtswege sind ausgeschlossen) und muss entweder einen Frosch küssen oder eine Kröte schlucken.
Update September 2003: Das wollte anscheinend doch keiner riskieren. Der fragliche Wein - 1990er Devise de Lilian St. Estèphe - wurde mit Freunden ausgetrunken und hat geschmeckt.
Und dann steigen die Schweine in ihre fliegenden Untertassen und fliegen zur WTC, der verheißenen World to Come. Unterwegs schmeißen sie uns noch mit Wermut, der die Brunnen und Flüsse vergiftet ... |
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