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Jetzt haben wir es also hinter uns: das wochenlange Gerede, zu dem man sich in Treptow in der Arena unter einem merkwürdig stilisierten Zeichen versammelte. |
Indiskrete Kleinode, so so, und was haben sie wohl zu sagen? Ehe man neugierig wird: Nur an einer Stelle erhalten sie das Wort, "wenn meine Vagina reden könnte, was würde sie dann sagen?" Nichts Besonderes. "Hoppla" und "Du schon wieder?" und "Haben Sie reserviert?" Also klar, wussten wir doch, dass es sich um ein wirtschaftlich erhebliches Objekt handelt, "ein Herz wie ein Hotel", wie die Redensart geht, und da unten ist dann wohl die Rezeption.
Mehr haben sie nicht zu sagen. Nun gut, das überrascht nicht wirklich, aber da es sich um eine Frauengeschichte handelt, wird natürlich doch viel gesprochen. Man hört, dass es sich um einen Standpunkt handelt, von dem aus man natürlich die ganze Welt neu ordnen und neue Landkarten zeichnen kann ("Also Graz ist ganz toll für Vaginas"), dass es ein unbekanntes, unsichtbares Wesen ist, mit dem man seinen Körper teilt, und mit dem man sich nur schwer anfreunden kann, das einen auch manchmal überrascht. (Sagt da jemand Partialisierung? Parzellierung? - Gerade auch unter dem Gesichtspunkt von Tätowierungen liegt ja sowieso auch der Gedanke an Kataster und Einheitswerte nahe; natürlich ist eine Schulter eine ganz andere Lage als eine Pobacke usw. - Oder ist daran gedacht, die Partialisierung andersherum aufzuheben, "mein Geschlecht, das bin ich"? (In der unfreundlichen Version Otto Weiningers: "der Mann hat den Penis, aber die Vagina hat die Frau".) Da könnte man gleich zu einer Reform der immer wieder anstößigen Anredeformen kommen, statt Frau und Frollein hätten wir es dann mit Möschen Müller und Votze Schmidt zu tun. Vagina wäre ja zweifellos auch als wohlklingender Vorname geeignet, unbeschränkt bindestrichfähig, wie etwa in Anna-Vagina Krach.)
Auch die Sache mit dem Wasser bleibt nicht aus, da erzählt uns eine, wie sie zum ersten Mal mit einem Jungen im Auto gesessen hat und sie haben sich gebissen und geknutscht und und, und es war ganz, ganz schön, aber plötzlich war alles so nass und es hat gerochen und der Freund hat "pfui" gesagt und sie schleunigst nach Hause gebracht, weil sein Auto (also es war ja gar kein besonders tolles Auto, kein Lamborghini oder Ferrari oder auch bloß Mercedes, aber trotzdem), jedenfalls hat sie es schmutzig gemacht und sie hat sich so geschämt. Und nun heute träumt sie davon, dass sie mit einem tollen Mann (na klar, wem wohl) in einem Restaurant sitzt und plötzlich kommt da ganz viel Wasser aus ihr raus, die Tische schwimmen davon und alle die blöden Freunde von dem Mann werden fortgespült. Hm, schon gut, kennt man ja irgendwoher, diese Phantasie.
Es gab auch die bekannten Mythen der Unsichtbarkeit, die bei normalen Körperformen und normaler Beweglichkeit einfach Quatsch sind - worum es dabei wirklich geht, ist die Frage des Blickwinkels, nämlich den eines Anderen einnehmen zu können, so wie er oder sie in einer bestimmten Situation einen im Blick haben könnte. Ansonsten verdankt dieser Mythos viel dem Mangel an Kriterien; was man da allenfalls zusammentragen könnte, Länge, Breite, Tiefe, Form, Farbe, Behaarung, Geruch, das ist ja alles letztlich nebensächlich, verblasst gegenüber der Liste dessen, was sich dieses Körperteil alles gefräßig einverleiben kann, Fleisch, Obst, Gemüse, Haushaltswaren, Küchengeräte, und symbolisch natürlich auch Fahrzeuge, Immobilien, Wertpapiere - nun ja, Geld sowieso. Man sieht den Körperteil, und alles Interessante an ihm ist dem Normalmenschen (im Gegensatz zur Frauenärztin vielleicht) schlicht unsichtbar. Man muss ihn schon essen oder sonstwie in Tätigkeit setzen, damit etwas passiert und wahrzunehmen ist.
Was noch? Wie ich gelernt habe, meine Schurri-Murri zu lieben, nämlich in unserer Nachbarschaft war so eine Frau und die war unglaublich schön und die war Sekretärin, deshalb bin ich das auch geworden, und einmal habe ich bei ihr übernachtet, meine Mutter hat noch angerufen, ob auch bestimmt kein Junge dabei ist, es war ja auch kein Junge dabei, und dann, ah, wie so glitschig ... und überhaupt, wie schön es ist, eine Frau durch sinnvolle Reizung jenes Teils zum Schreien zu bringen ... stimmt, befriedigen ist Macht, und Lesben kriegen das vielleicht ein wenig deutlicher und schneller mit als andere Frauen.
Die fünf Schauspielerinnen gaben sich redliche Mühe mit ihrer undankbaren Aufgabe zu erzählen und zu erzählen und kaum etwas sonst zu tun, das Publikum gab anständigen Beifall von sich, nun gut. Nicht ganz 35 Mark wert, aber schließlich wird ja alles teurer. (Warum ich da war? Weil jemand Liebes wollte halt nicht allein gehen - Grund genug?)
Was hat es zu bedeuten? So ein bisschen obszön ist natürlich immer noch für zwei lauwarme Abendstunden gut, aber selbst hier ist die Begeisterung raus. Das muss mal anders gewesen sein. Anja Meulenbelt (in Het Schaamte Vorbij, 1977) erzählt, wie sie eigens einen Film mit Close-ups von etwa einem Dutzend Mösen gedreht und dann zu aufklärerischem Zweck und großem Interesse auf Bewegungsabenden vorgeführt haben. Und eine Frau kriegte sich bei der Aufnahme vor Kichern nicht mehr ein und machte als lachende kut Bewegungsgeschichte. Erinnerlich auch noch die Welle der Selbstuntersuchung samt den begleitenden Geschichten, nämlich der böse Händler Sowieso hat der neugierigen Frau Sowienoch kein Speculum verkaufen wollen, so ein Skandal. Die findet man stattdessen heute öfters mal auf Flohmärkten rumliegen, irgendjemand will sich ja immer spreizen. Eine Exkollegin names Petra hat irgendwann vor 20 Jahren auch mal eine Allegorie zur Feier des Glitschens verfaßt, war sie mächtig stolz drauf und so übel war die Geschichte gar nicht (trotz der Beschwerde, dass es bei Männern immer bloß so einen vernachlässigbar kleinen Tropfen gebe), sonst hätte sie nicht in meinem Kopf überwintert. An den aktuellen Abend werde ich in zwanzig Jahren hoffentlich nicht mehr denken.
Gut, vorbei. Man hat sich mit seinem Teilchen abgefunden, obwohl es, wie ich kürzlich in Marie-Claire las, "riecht wie ein Gemüsedschungel" [vulgo Biomülltonne]. Interessante Beschreibung aus erster Hand, sozusagen direkt vom Stinkefinger - nun ja, kommt halt immer darauf an, was man hineinsteckt. Würde ein Mann wahrscheinlich nie sagen. Weil irrelevant. Dito les ich doch neulich bei Weiniger, das weibliche Geschlechtsteil sei nun mal einfach häßlich. So, meint er - ich stutze: wie lange kenne ich diese Teilchen schon? Bisschen länger, aber auf ihre Ästhetik habe ich nie, wirklich nie einen Gedanken gewendet. So einen Unterschied muss man erstmal machen ... dabei mag ich ja niemandem im Weg stehen. Macht doch, ich pass derweil auf eure Muschis auf, versprochen.
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