Nein, diese Suppe ess ich nicht ...

Konsumentenboykotts sind nutzlos, das wissen wir doch? Es sei denn, sie würden in den Medien breitgetreten und propagiert wie seinerzeit der Boykott gegen Shell wg. Versenkung einer Bohrinsel.

Umberto Eco ruft zu "Anti-Mediaset-Boykott" auf

ROM - Der italienische Schriftsteller Umberto Eco hat die Italiener zu einem Boykott gegen die TV-Sender des Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi aufgerufen.
In einem von der römischen Tageszeitung "La Repubblica" veröffentlichten Kommentar rief der Autor des weltberühmten Romans "Der Name der Rose" seine Leser auf, keine Produkte mehr zu kaufen, für die Berlusconis Sender werben. Dies sei ein effektiver Protest gegen "die freiheitsbedrohende TV-Politik" Berlusconis.
Ecos Appell löste wütende Reaktion in Regierungskreisen aus. "Die Linke, von der Eco ein Sprecher ist, will das freie Fernsehen zerstören. Ihr Ziel ist die Auflösung eines gesunden Unternehmens wie Berlusconis Medienunternehmen Mediaset, das ein nationales Erbe ist", betonte der Parlamentarier der Berlusconi-Partei Forza Italia, Sandro Bondi.
Staatschef Carlo Azeglio Ciampi hatte Freitag in Rom für "grösste Autonomie und Pluralismus" im italienischen Fernsehen plädiert. "Autonomie und Pluralismus in der öffentlich-rechtlichen TV-Anstalt sind für das Leben einer modernen Demokratie ausschlaggebend", betonte Ciampi bei der Verleihung eines Preises an einigen bekannten Journalisten.
Die Worte des Präsidenten gelten als Mahnung an Berlusconi. Dieser hatte öfters dieser Tage vor dem "kriminellen Gebrauch", den Vertreter der Linken bisher des italienischen Fernsehens gemacht haben, um ihre politische Zwecke zu verfolgen.

[BAZ-Newsticker, 21.4.2002, 18.05]

Getroffen, versenkt, möchte man sagen - Eco hat sich geäußert, Bondi hat ihn ernst genommen und hat wütend protestiert - soweit ein voller Erfolg. Glückwunsch an Eco, auch wenn man es mit einem wunderlichen Schattenboxen zu tun hat.

Ob es sich freilich wirklich um einen effektiven Protest handelt - gesetzt, die Italiener folgten Ecos Aufruf - da könnte man durchaus Zweifel haben. Ich habe ja keinen Fernseher (und so glücklicherweise auch keinerlei Ahnung von Fernsehwerbung, und überhaupt, was geht mich Italien an), aber da ich glaube, dass es beinahe alles zu meinem Leben Notwendige bei ALDI gibt (manche Waren allerdings anderswo noch billiger) ... entsprechend unbetroffen wäre ich.

Nur hat das Zeugs natürlich auch jemand hergestellt und verdient daran. Dito weiß man nicht, aus welchem Land es kommt. Man kann natürlich einzelne Hersteller quälen - ich habe das mit dem Hersteller meines Lieblingsfruchtsafts getan, einfach mal freundlich angefragt, wo denn das Ernteland liege, in dem der Saft frisch gepresst werde - nach einer Weile kriegte ich auch Antwort: Es ist ein richtiger, sympathischer Schurkenstaat. Me gusta mucho. Gefällt vielleicht nicht jedem so gut, deshalb erspare ich mir Details. - Ungläubige Frage einer Freundin: Stimmt das denn? Weiß nicht ... ist mir auch relativ egal. Dass jemand fünf Minuten drüber nachgedacht hat, ist 90% vom Effekt.

Der einfache Boykott ist schließlich vieldeutig. Zum Beispiel verkneife ich mir die neue Generation von Adobe-Updates - aber boykottiere ich damit US-amerikanische Produkte oder die Firmenpolitik des Herstellers, über die ich ja Stunden um Stunden randalieren könnte? Gar nicht erst von MSFT zu reden. Oder denken wir an Scientology und ihre Förderer von UPS. Oi, viele einfache Gründe, darauf zu verzichten ...

Bleibt also tatsächlich nur ein Krieg der Symbole? Na ja, aber dann wollen wir den auch führen, wenn es sich nebenher und kostengünstig machen lässt ...


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