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Nein, Sie sollen Sie nicht mit nach Hause nehmen ...gucken Sie nochmal hin: die Anzeigen ist nicht vom Tierheim. Das Mädel braucht kein neues Zuhause, weil etwa ihre bisherigen Besitzer in Urlaub fahren wollen oder allergisch gegen sie geworden sind, sondern sie soll belegen, dass in Deutschland Jugenliche entmutigt werden. Auch so richtig niedliche wie sie oder vielleicht die erst recht. So? Wirklich? Kann ja schon mal vorkommen, mag man gar nicht ausschließen. Trotzdem, ich habe ja öfters mal mit Lehrern zu tun und gelegentlich auch als solcher gearbeitet: Also die trauen sich immer noch ganz schön viel, die Jugendlichen. Im Schnitt mindestens 10% mehr, als gut für sie ist. (Und wers nicht glaubt, der braucht bloß Zeitung lesen.) Muss man also verbessern: In Deutschland werden Jugenliche längst nicht genug entmutigt? |
Außerdem fragt man sich, was der Verein mit dem schönen Namen eigentlich vorhat mit ihr. Wozu möchte er sie ermutigen? Dazu, die Schule zu schwänzen (bringt ja eh nix)? Dazu, ihre Hausaufgaben zu vergessen (wenn ihr das alle macht, dann kriegt ihr bald auch gar keine mehr auf)? Dazu, auf der Basis von 6 Mark die Stunde schwarz zu arbeiten (besser als gar nicht, und lernt einen auch was)? Dazu, sich zu nehmen, was jemand anderem gehört? Dazu, den süßen Jungen von nebenan doch mal einfach mal richtig überzeugend anzufassen, anstatt bloß zu träumen oder ihn und seine Eltern mit Telefonanrufen zu terrorisieren? Oder dazu, das Kind wegmachen zu lassen, das gerade in ihr angefangen hat zu wachsen? - Nein, ich hab schlichterdings keine Ahnung, ich bin nichts als verwirrt. Mir fallen schon ein paar Sachen ein, bei denen sie vielleicht Hilfe brauchen könnte, aber mit Mut haben die alle nicht sehr viel zu tun.
Verwirrt bin ich nicht zuletzt, weil es ja in direkter ideologischer Nachbarschaft der Caritas eine große religiöse Vereinigung gibt, die sich traditionell immer sehr gut auf das Einfürchten von Kindern und Jugendlichen verstand -
Das Kind lügt einen Agenblick
Schutzengel tritt zurück ein Stück -
na ja, und dann kommt eben der Lastwagen, Hallo, Ketchup! Pech gehabt! - Also jetzt nicht mehr ent-, sondern er-mutigen. Richtig was zumuten. Weil, weil, weil ... es will mir nicht einfallen warum, muss aber wohl was mit der Demographie zu tun haben.
Natürlich gibt es ganz ernsthaft eine Konkurrenz zwischen den Generationen, und den Kleinen erzählt man immer erstmal, wie schlimm alles ist und dass sie bloß gut aufpassen sollen. Sonst setzts was. Also so die Kids mit der 4 als erster Ziffer im Jahrgang waren da sehr tüchtig, extrem tüchtig sogar*, wir mit der 5 waren schon viel lascher, und die mit der 6 dann - Neuer Sozialisationstyp, Narzissmus, orale Schleimer (alles Kosenamen, die ihnen die inzwischen zu Sozialwissenschaftlern arrivierten 4er-Typen angehängt haben) - kennt man ja, gar nix mehr los damit. Diverse politische Interessen haben sich da auch mit Vergnügen eingeklinkt, ob mit viel Wirksamkeit, das sei erst noch dahingestellt. Das Mädel oben ist wohl grade in einem etwas komplizierten Alter, nun ja, war so, is so. Immerhin: Nie war jung sein so chic wie heute. Und zweifellos kommen immer weniger nach. Also ob ich in ihrer Haut stecken möchte, entmutigt oder ja? Doch, eigentlich schon. Nix für ungut.
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* Klaus Theweleit ist ein gescheiter Mann, und ich kann seinen Überlegungen nicht nur öfters zustimmen, sondern lese sie auch freiwillig und meist mit einem gewissen Vergnügen. Doch seit ich in Ghosts seine Ausführungen über Generationen in Deutschland und vor allem sein selbstschulterklopferisches "wir von Jahrgang 42" gelesen habe, empfinde ich eine sozusagen abstrakte Mordlust ihm und seinen Altersgenossen gegenüber. Nix für ungut, ihr habt die Rosinen vom Kuchen gehabt, nun dürftet ihr auch langsam alle tot umfallen. |
Hätten sie doch so ein Bild genommen ... kann man ja auch von Fall zu Fall was dagegen haben ... | |
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