Eure Beziehung warten...

Draußen, allein, hegt man unvermeidlich den Glauben an glückliche Enden - wham-bang, and happy ever after. Das ist natürlich vollkommen falsch gesehen, und nebenher eine Methode, unser Unglück als Alleinstehender zu optimieren. Nicht mehr allein sein, wir hatten es schon davon, heißt nur: auf andere Art unglücklich. Nein, in vielen Beziehungen kriselt es, driften die Standpunkte und Selbstbilder der Partner auseinander, macht man sich bewusst oder unbewusst fit zum Absprung. Wir sollten es von uns selbst und aus unserem Bekanntenkreis eigentlich gründlich kennen.

Nicht umsonst gibt es zig Beziehungsratgeberbücher, und ich werde mich hüten, ihnen mehr als nötig hinzuzufügen. Nicht umsonst auch boomt das Familientherapiegewerbe - mit keinem anderen Thema füttern sich die Psychos so gut durch (nun gut, Arbeit mit Kindern und Jugendlichen - wenn man das nicht letztlich dazurechnen will). Beziehungskonflikte und -krisen dominieren dermaßig das gebildete Bewusstsein, dass die Einsamen draußen, vor der Tür der Beziehungsumtriebe, oft gar nicht erst in den Blick kommen. Und natürlich: Die habens ja so gewollt, und sie werden sicher auch gar nichts Besseres verdient haben.

Kommen wir also letztlich nur vom Regen in die Traufe? Wäre es nicht wirklich besser, Schäfer in Mecklenburg-Vorpommern zu werden und seine Freude an der Landschaft und den Tieren zu haben? Oder Totengräber (jawohl, sie bauen die festesten Häuser) in irgendeiner Stadt wie Schwaan, Laage, Tessin oder Gnoien, sein Gärtchen zu hegen und überschüssigen Verstand mit Bier zu kurieren?

Natürlich ist es nicht nur die literarische Assoziation, auch nicht nur die unbezweifelbare Nützlichkeit ihrer Arbeit und ihre offensichtliche Erdverbundenheit - es lohnt sich, über diesen ehrwürdigen Beruf näher nachzudenken (und dazu rezitiere ich hier die volkskundlichen Topoi, wer mag, darf sie nachlesen). - Zunächst nämlich ist er gar nicht ehrwürdig, Totengräber sind ziemlich unehrliche Leute, nicht gar so wie die Henker, aber immerhin kein ordentlicher Umgang. Sie arbeiten normalerweise wenig (wenn nicht gerade die Pest wütet), leben ärmlich, trinken zu viel, gelten als roh. Der Hr. Pfarrer (der immer auf der sicheren Seite steht) verabscheut sie eigentlich, aber was täte er ohne sie. Sie erzählen "abergläubische" Geschichten von Gespenstererscheinungen (von denen sie, am Gottesacker wohnend, wohl auch das Meiste wissen müssen), beanspruchen dito das zweite Gesicht (und vielleicht wissen sie ja, wann man ihr Kunde, oder vielmehr Arbeitsgegenstand wird?), man weiß aber nicht, ist es dem Suff geschuldet, der Unbildung, erzählen sie es gar nur, damit die neugierigen Menschen ihnen zuverlässig einen ausgeben? Sie sind vollkommen unzuverlässig als Subjekte, vollkommen und unzuverlässig. - So ist ja auch ihr Geschäft beschaffen: wie die Katzen es so gern tun, sitzen sie an der (absoluten) Grenze, sie sind schon fast, aber doch noch nicht. - Sie verschwinden so in einer berufsmäßig typisierten Indifferenz (die sich ja gegen jede Verbindung sofort zur Differenz wendet: gehört nicht zu den Lebenden, gehört nicht zu den Toten), im absoluten weder-noch. - Daran gibt es viel zu wünschen. "Dying is nothing. You have to know how to disappear." (Baudrillard 1990, 24) - Die Typisierung des Vertreters in der heutigen Gesellschaft liefert einen ganz schwachen Nachgeschmack davon.

Nun, abgesehen von den dürftigen Verwirklichungschancen wäre auch das bestenfalls geeignet, uns ruhig zu stellen, nicht uns glücklich zu machen. Wir werden sehen, wie wir mit der Beziehung leben können, die wir nun einmal abbekommen haben, auch wenn es nie Sicherheit geben wird für uns, genauso wenig wie die Fülle dessen, was in Beziehungen wirklich möglich sein kann. Man hätte sich jung zusammentun müssen und dann an jeder Entscheidung gemeinsam wachsen können, man hätte ein hilfreiches soziales Netzwerk finden sollen, es pflegen und ausbauen (und die Abstriche machen, die es verlangt), man hätte - aber man hat eben nicht, und es rächt sich, man kann wirklich nichts ungeschehen machen, noch nicht einmal wirklich das, was man nur als persönliche Voraussetzungen ererbt hat. Gott wird uns an Seinem Tage braten dafür.

Man kann nur noch auf eine akzeptable (und angesichts der Möglichkeiten optimale) Weise unglücklich werden. Nun ja, is so: Wir wissen das, und damit haben wir allen den Naivlingen, die noch an die große Liebe glauben, eine Menge voraus.

  • Wir haben unsere Glückserwartungen auf ein realistisches Maß abgesenkt, ebenso unsere Ansprüche an eine Partnerin.
  • Wir sind aus Erfahrung misstrauisch gegen uns selbst und die Partnerin geworden - das heißt auch: wir überfordern uns und sie nicht länger.
  • Wir haben uns auf das Wesentliche geeicht, auf die Ziele und Werte unserer Vorfahren - sich nähren, sich fortpflanzen, ein Erbe aufbauen.
  • Wir wissen, wie teuer unsere Sehnsüchte sind, wie tief wir fallen können, und dass es auch immer noch tiefer geht. Das macht ausdauernd und gibt Geduld über kleinere Schwierigkeiten hinweg.
  • Sobald wir uns fortgepflanzt haben, bekommt unser Leben einen neuen Mittelpunkt, von dem aus alltägliche "Probleme" doch sehr relativieren. Immer mehr, spätestens wenn die Enkel kommen, werden wir das Leben zu genießen lernen, und uns auch mit dem Tod anfreunden.

Der Schlüssel zu einer guten Beziehung liegt im Verzicht auf Intimität: Man muss es ertragen, allein zu sein, mitten in der drängendsten Nähe. Das haben wir gelernt. Daher fällt es uns nicht schwer, den verleimenden Service in rationaler Weise rüberzuschieben - Zeit, Geld, gute Worte, Aufmerksamkeit, ausreichend Beischlaf, Reparaturen im Haushalt, Blumen zu Jahrestagen, Steuererklärungen, Sinninjektionen, was halt so anfällt. Für Intimität sind die Kinder da - und wenn wir uns nicht zu arschig benehmen, dann können Kinder wirklich nie genug von ihrem Vater bekommen.

"Zu blutleer, zu gefühlskalt, zu rationalistisch..." - zu kaum einem anderen Punkt habe ich so viel Kritik zu hören bekommen. Natürlich wendet sich eine Beziehung, die selbständige Menschen nebeneinanderherleben lässt, mit eingeschränkter Kommunikation, tiefergelegten Ansprüchen und letztlich auch beschränkter Verbindlichkeit frontal gegen alle Vorstellungen, "wie es sein soll", gegen alle unsere Flausen der Liebeskonzeption. Es ist ja vielleicht nicht optimal so, nicht wie im Film, es ist bloß so, wie es immer war, und wie es immer noch ist, beständig gerade auch im sozialen Wandel... - Die Soziologen Burkhart und Kohli haben 1989 aufgrund von Interviews eine Art Trendreport für die alte BRD und ihre Familienformen veröffentlich - da finden sie dann neben älteren Formen -

  • eine "moderne Partnerschaft" (auf die Partner und ihre Lebensführung orientiert, städtisch) - "Ihre deutlichste Erscheinungsform hat das Modell der modernen Partnerschaft jedoch im Milieu der technischen Angestellten in München-"Waldberg", wo eine vergleichsweise instrumentelle Lebensorientierung dafür sorgt, dass eine einmal eingangene Beziehung, mit der man zufrieden sein kann, nicht unnötig gefährdet wird - sei es durch egoistische Bedürfnisse, erotische Abenteuer oder die übermäßige Konzentration auf die berufliche Karriere. Der Lebenspartner ist für das eigene Wohlergehen wichtig, und diese Einsicht genügt, um der alltäglichen Organisation der Beziehung und damit dem Lebenspartner hinreichende Aufmerksamkeit zu schenken."
  • und eine "individualisierte Partnerschaft" (schon längere Bindung, aber Verwirklichung der Partner vorrangig) - "Im Extremfall - und besonders dann, wenn die Paarbeziehung ohnehin labil ist - steht in der biographischen Perspektive der Frauen das Wohl des Kindes und die Sicherung der eigenen Berufskarriere so sehr im Vordergrund, dass die Partnerschaft aufgegeben wird."
  • und unvermeidlich auch noch Liebespaare auf Zeit - "Als biographische Perspektive entwickelt sich ein Phasenmodell von aufeinander folgenden Liebesbeziehungen, die durch Übergangsphasen des Alleinseins verbunden sind. Eine davon führt unter Umständen zur Elternschaft, und zwar jene, in der man sich gerade "zufällig" befindet, wenn man das Alter erreicht hat, in dem ein Kind biographisch "tragbar" wird - d.h. in dem sich Kinderwunsch und Berufsorientierung am besten vereinbaren lassen - oder in dem der Kinderwunsch nicht mehr weiter hinausgeschoben werden kann." (Burkhart und Kohli, 1989, 418-419)

In Summa also: wems schon in der "modernen Partnerschaft" nicht passt, der kanns auch noch schlechter haben... - und fragen wir jetzt bloß nicht, wie modern sie wirklich ist. Darauf kommt es nicht an, sondern darauf, dass sie läuft und läuft und läuft, unseren Bedürfnissen hinterher.

Dass Beziehungen zerbrechlich sind, und zwar eben proportional zum Grad der "Modernisierung" der Lebensverhältnisse der Betroffenen, das hat ja wirklich nichts mit bösem Willen zu tun (eher könnte man schon Illusionen und Dummheit mit verantwortlich machen). Es ist eine unmittelbare Folge der gesellschaftlichen Entwicklung, die Gestalten von Subjektivität erfordert und damit hervorruft, die für (oder für die) traditionelle Gestalten von "Beziehung" nicht mehr geeignet sind.

Stellen wir uns den Prozess der gesellschaftlichen "Modernisierung" wie eine Kerze vor: am Rand ist das Wachs noch fest, dann macht die Wärme es weich (ha, Emanzipation!), nach und nach fließt es zum Docht hin, und da werden wir dann verheizt. Licht und Glanz und Wärme, lauter schöne Dinge... - je mehr man darüber nachdenkt, desto verrückter erscheint einem die allgegenwärtige Annahme, "dass alles irgendwie so weitergehen wird", dass es so etwas wie Reproduktion (Wiederherstellung) wirklich gibt, usw. Es handelt sich dabei ja auch nicht um eine Überzeugung, dass es keine zuverlässige Prognose geben könne und man die Ereignisse an sich herankommen lassen müsse (die wäre recht ernsthaft zu diskutieren und hätte manches für sich, nicht zuletzt die Erfahrung von so-und-so vielen Fehlstarts in ein Neues Zeitalter), sondern um ein illusionäres Vertrauen in eine angebliche Stabilität, das doch schon durch die einfachsten Fakten des Geschichtsunterrichts widerlegt sein sollte. Stabilität in dem hier angenommenen Sinn gab es nie. Das hat zu tun mit der wahrgenommenen Verflechtung von Lebensgeschichte und Weltgeschichte (die Generationen, die die Weltkriege bewusst miterlebt haben, waren da etwas wacher als wir), es ist eine Verweigerung, über kollektive Enden nachzudenken, genauso wie wir normalerweise den Gedanken an unseren individuellen Tod scheuen.

Jeder und jede hat sein / ihr Selbstinteresse und das will realisiert sein, Potz Blitz und Widerspruch; doch wer sichs verkneift, der ist in wichtigen Teilen auch nur gekniffen (es gibt ja keine "moralische" Lösung dazu, kein "tugendhaftes" Überlisten der Wirklichkeit).

In unsere Vorstellungen über "wie Beziehungen sein sollten / zu sein haben" gehen verbreitet optimistische Grundannahmen über die Verhandelbarkeit von Lebenszielen und Anspruchsniveaus ein, über Kompromissfähigkeit usw. - wie man denn so sagt: "unter erwachsenen Menschen", da dürfe allerlei kein Problem sein... - und da ist doch bitte Skepsis angebracht? Sehen wir nicht genug Unfug geschehen, alles von solchen "erwachsenen Menschen" verursacht? - Nun gut, es muss ja mit der Liebe auch nicht ewig halten; und rein empirisch gesehen kriegen es viele Leute lange genug hin (i.e. um sich fortzupflanzen) - und das muss dann reichen.

Damit nun eine Beziehung zwischenein doch läuft, und möglichst lange auch noch, dazu muss man sie warten... - genau, Autos müssen schließlich auch in regelmäßigen Abständen gewartet werden. - Am Anfang gilt es, dem Wandel der Gefühle Rechnung tragen; langsamer oder schneller - sagen wir: innert 3 bis 36 Monaten - legt sich Verliebtheit, unter deren Schutz man sich zusammen so großartig fühlen konnte. Man ist wieder im Alltag, seine Beschwerden sind wieder ungedämpft fühlbar, auch von der Beziehung stellt man fest, dass sie Arbeit macht und lästig sein kann. Für Frauen ist das manchmal schon ein Grund, auf ihre Ansprüche zu pochen und sich in ein neues Abenteuer zu stürzen - du wirst also in der Zeit, wo du selber eher zum Nörgeln aufgelegt bist, besondere Anstrengungen unternehmen müssen, dich besonders als lieb und nützlich erweisen müssen - klar, das geht an die Kräfte. Kurzschlüssig lässt man sich vielleicht anstecken, denkt einmal mehr: Hab ichs denn nötig? - Jawohl, hast du - du weißt ja noch, wie teuer das sein kann, wieder ohne zu sein.

Hier ein paar typische Probleme und Enttäuschungen, die mit der Ausnüchterung einer Beziehung verbunden sind:

  • Überanpassung: das Neue ist so verlockend, dass man sich ganz in es hineinbegeben möchte; hinzu kommt die Illusion, alles teilen zu können. Das kann im Einzelnen ganz erfreulich sein, sicher gibt es auch viel Neues zu entdecken, aber es reicht in der Regel ja doch nicht aus, um auf seiner Grundlage ein "Neues Leben" zu begründen. Hinzu kommt, dass du ja als Mann derjenige bist, der den guten Lebensstil haben soll, an den sie sich anschließt (so weit sie mag, und nicht ohne absehbare Vorwürfe). Wenn beide sich aus ihren Gewohnheiten und Verankerungen lösen, dann erzeugt das eine Taumel, der nur in einem Zusammenbruch enden kann.
  • Ein besonderer Fall davon ist das das "Abbrechen aller Brücken", das Paar isoliert sich gegenüber den bisherigen Freundschaften und Beziehungen - praktisch heißt das aber vor allem: der Mann vernachlässigt seine Freunde, hat keine mehr, wenn er ihren Rückhalt braucht. (Stattdessen eher die Konfrontation mit den Herkunftsfamilien und der Verwandschaft, die in der Regel Probleme bereitet, allerdings auch als unproblematisch und befriedigend erlebt werden kann.)
  • Abhängigkeiten - und seien sie in so milder Form wie "ohne dich schlafe ich schlecht" - sind heikel und sollten vermieden werden. Es ging doch früher auch immer!
  • Idealisierung: Es spart unvermeidliche Enttäuschungen, wenn man von einem möglichst frühen Zeitpunkt an Schwächen und Fehler der Partnerin wahrnimmt und sich klar macht, was man so alles in Kauf nimmt. Da ist doch gar nichts? Geh, wir alle sind doch ein bisschen bescheuert, und außerdem gibt es nun einmal Interessenkonflikte.
  • Eine Variante dazu heißt: Was nicht ist, wird noch werden... - Hoffnungen auf Änderung der Partnerin (ich sagte es oben bereits) sind doch in aller Regel vergebens. Sie ist auch (und allemal) ausgewachsen, sie bleibt in den Grundzügen so (bis zu den Wechseljahren, auf jeden Fall, irgendwann lassen wir ja alle nach).
  • Verliebte gehen großzügig und verzeihend miteinander um - d.h. schlampig, und sie sparen sich so Stoff für spätere Konflikte auf. Am Anfang duldet sie, dass du zu spät kommst, grämt sich nicht zu deutlich über einen abgesagten Konzertbesuch, eine missratene Reise, schlingt sie auch noch angebrannten Eintopf heißhungrig in sich... - aber nicht für immer, auch nicht für lange. Korrektheit und Kontinuität im Service können ihr später das Nörgeln erschweren, obwohl sich natürlich immer etwas findet.

Zusammenkommen ist schön und schwer genug, über kritische Entwicklungsschwellen hinweg zusammenbleiben ist noch schöner, und schon gar nicht einfach. Ein (mehr oder weniger heimliches, eng mit der Forderung nach Intimität verbundenes) script fordert, dass man Lern- und Reifungsprozesse, erst recht die Übergänge zwischen Lebensphasen, als Paar miteinander teilen soll. Das ist schwierig, wenn es geschieht, es ist schwieriger, wenn es nicht geschehen kann. Für einen "erwachsenen", sich "ausgelernt" fühlenden älteren Mann gibt es hier Probleme, ebenso mag die (jüngere) Frau fühlen, dass sie einen Teil ihrer Jugend versäumt (Besserwisserei, etc. - es muss ja auch gar nicht alles so stimmen, was man zu wissen glaubt...) - Was tun?

  • sich der eigenen Jugend erinnern, auf dieser Grundlage sich in ihre Situation und Gedanken nach Möglichkeit hineinfinden
  • möglichst wenig Ratschläge geben, Vorschriften machen usw.
  • in der Gegenwart möglichst viele Erfahrungen teilen
  • nach Möglichkeit immer die Wendung zur Zukunft präsentieren: was wir alles noch zusammen tun werden, und das wird auch mich "mitnehmen" (schließlich: ein Mann, der nicht auch Vater ist, hat noch nicht ausgelernt...)

Vorausgesetzt, ihr wollt so ungefähr das Gleiche, nämlich mindestens eine verbindliche, unbefristete Beziehung, dann wird deine Zielstrebigkeit und deine Flexibilität in der Verfolgung deiner Ziele zum Erfolg führen. Man kann nicht wissen, in was für Situationen ihr noch kommen werdet, und wie stark die Strömungen sein werden, die euch wieder auseinander driften lassen wollen. Dir können aber einige strategische Grundsätze helfen:

  • Gib ihr vernünftige Gründe, bei dir zu bleiben! Sie muss einen Vorteil von dir haben! Das betrifft schlicht immer wieder euren materiellen und psychologischen Lebensstandard, und du musst dafür sorgen.
  • Mach es befriedigend für sie, mit dir zusammen zu sein! Das heißt noch einmal und als Wichtigstes: Gib ihr genug guten Sex - ohne das läuft auf längere Sicht gar nichts, auch wenn Leute das gelegentlich genierlich leugnen, es "nicht so wichtig" finden mögen.

Die Texte hier sind zu unterschiedlichen Zeiten niedergeschrieben und überarbeitet worden; unvermeidlich spiegeln sie auch mein Bemühen wider, mich in der nicht gerade übersichtlichen Thematik mit ihren mannigfachen interessegeleiteten Behauptungen und Vorspiegelungen zurecht zu finden. Ich bin ein friedfertiger und nachgiebiger Mensch, der Konflikte hasst und alles tut, um sie zu vermeiden. Irgendwann allerdings - und in den letzten fünf Jahren war das bei mir aufgrund der verschiedensten Ereignisse der Fall - reißt auch so einem der Geduldsfaden.

Eine Beziehung ist nun einmal ein Gewaltverhältnis - ein Verhältnis von zwei Menschen, deren Interessen keineswegs spontan übereinstimmen oder auch nur regelmäßig vereinbar wären (natürlich sollte man versuchen, das hinzukriegen, klar, aber hundertprozentig wird es nie klappen, und ein Interesse von beiden muss sich eben durchsetzen - man kann soundsoviele Dinge einfach nicht lassen, sie nicht ausklammern, beliebig verschieben usw.) - ein Verhältnis überdies, das unter vielfältigen historischen, generationsmäßigen und ideologischen Belastungen steht. Man kann Respekt (welcher die Grundlage und Voraussetzung aller Übereinkünfte ist) darin nicht voraussetzen, sich auch angesichts der vielfältigen kleinen Details, "Intimitäten", die ihr von einander kennt, nicht darauf verlassen, dass er bleibt - außer als ein zwar unerfreulicher, aber tatsächlich allgegenwärtiger Bodensatz von Einschüchterung - mit dem eine Frau in der Regel rechnet, ihn gelegentlich testet und unzureichende Reaktionen als Schlappschwänzigkeit ahndet.

Wenn du versuchst, den Gewaltcharakter dieses Verhältnisses zu leugnen, dann hast du zwei Dinge zu gewärtigen:

  • 1. eine Überschwemmung mit Ansprüchen (einfach als Test, wie weit sie gehen kann und dich kirre kriegt)
  • 2. den Regress zu immer abstruseren Klagen, dass du eben doch immerfort versuchst, sie zu dominieren - und wenn es um den Gebrauch von Eierbechern geht.

Also solltest du stattdessen von Anfang an in den Kernbereichen vernünftige und konsensfähige Bestimmungen treffen und darauf bestehen, dass es auch so gemacht wird. Das fängt bei der Verteilung der Hausarbeit an und hört im Prinzip nirgendwo auf.

Damit stellt sich dann allerdings die Frage der Machtbasen - d.h. wir reden vordringlich vom Sex. Wenn es etwas gibt, was eine Frau veranlasst, ruhig bei dir zu bleiben und nicht ständig nach besseren Angeboten (die es ja real oder virtuell, zum Träumen, immer gibt) Ausschau zu halten, dann ist es der Umstand, dass du sie oft befriedigend bearbeitest und dass sie nach dir riecht. (In esoterischen Traditionen hat man hier relativ differenzierte Modelle, die mit Begriffen von Körperenergien operieren - es stimmt aber auch, wenn man es einfach so stumpf ausdrückt.) Du kannst ja auch an dir selbst beobachten, wie dich die Befriedigung zärtlich und anhänglich stimmt, und für Frauen gilt dies in gleichem, wenn nicht stärkerem Maße. (Abhängig vom Alter, natürlich, junge Menschen kann man immer noch stärker überraschen und tiefer beeindrucken als ältere, die alles schon drei Mal erlebt und durchgemacht haben.)

Sex ist Macht: Für die Frau der Sex, den sie dir verweigert und vorenthält, für den Mann der Sex, bei dem er die Frau zum Zappeln und Schreien bringt. (Anders ist es ja eh nix; - "Einmal raus, einmal rein, und dann schlafen sie schon ein // Einmal rein, einmal raus und schon ruhen sie sich aus ..." - die Jelinekschen Mänadenchöre beklagen sich ja zurecht.)

Wohlgemerkt: Sex ist keine Strafe, auch wenn Frauen das gelegentlich so sehen. Sex ist ein Bonbon vom lieben Gott, damit die Menschen auch ein bisschen Spaß in ihrer Mühe haben. "Sie ging auf ihr Zimmer und erwartete ihre übliche Bestrafung" - solche Formulierungen sind sogar in den Frauenromanen selten geworden. - Das ganze Konzept "Strafe" geht auch in eine völlig falsche Richtung, auch (sobald sie alt genug sind, ihr Handeln zu begreifen) in der Kindererziehung. Strafe fokussiert auf die Gewalt eines souveränen Machthabers (dem man dann auch böse sein kann, weil alles ja nur an seiner unbegreiflichen Willkür hängt - so wie man sich das als Kind vom Herrgott vorstellt). Nein: es gibt einfach Konsequenzen - wenn ich am Samstag arbeiten muss und du keine Lust hast zum Einkaufen, dann gibt es eben am Sonntag Kochbeutelreis mit einer Dose Hering in Tomatensoße. (Du hast vielleicht gedacht, wir gehen essen? Tja, was man alles so denkt ...)

Ganz klare Konsequenz: Eine Frau, die du nicht wenigstens beim zweiten Mal und dann leidlich regelmäßig zum Orgasmus bringen kannst, solltest du aufgeben, umgehend. Wenn sie vernünftig ist, wird sie dir das auch nicht schwer machen - vielleicht ist ja jemand anders besser gebaut, geschickter, kräftiger oder hat einfach den richtigen Geruch. Und sie will schließlich auch etwas vom Leben haben. Tja, Pech, wenn ihr sonst nett miteinander ausgekommen seid - ihr könnt ja immer noch Freunde oder wenigstens weitläufige Bekannte bleiben.

Was ist denn die Alternative dazu? Du denkst, es wird sich noch geben ... falsch ... du denkst: vielleicht, nachdem ein Kind da ist ... grundsätzlich kein dummer Gedanke, aber sie wird mit allen Mittel bis zur Abtreibung dafür sorgen, dass es nicht so weit kommt. - Sie denkt: Wenn ich ihn jeden zweiten Sonntag zwischen neun und neun Uhr dreißig drauflasse, dann wird er bei mir bleiben und ist er mir was schuldig, nämlich erstens und zweitens und drittens ... schließlich bin ich ja nicht schlechter als so ein Mäuschen vom Strich, im Gegenteil, ich bin eine anständige Frau, ich kann mehr verlangen.

Es gibt nun einmal eine relevante Minderheit von Frauen, die machen sich nichts aus Sex (siehe oben) - aber einen Mann haben ist ja ab und zu praktisch (und sei es, um das anderen Frauen unter die Nase reiben zu können). Die werden dir dann erzählen, es sei doch alles nicht so wichtig und vielleicht würde sich noch etwas ändern ... hör einfach nicht drauf. So etwas ist nicht wie ein durchgerosteter Auspuff, der psychotherapeutisch in drei Nachmittagen zu flicken wäre, so etwas ist eine gesamthafte Lebenshaltung - und sofern sie überhaupt etwas daran als Problem empfindet, wird es nicht leicht sein, etwas daran zu ändern. Wünsch ihr Glück dabei - aus der Ferne.

  • Es geht aber auch um ihre Lebensziele, die du so gut wie möglich erkunden solltest, und bei denen du gegebenenfalls auch darauf Einfluss nehmen solltest, wie sie sie formuliert. So entgehst du der Gefahr, dass sie sagt: "Er ist ja ganz nett, aber ich versäume etwas, weil ich mit ihm zusammen bin."
  • Sorge dafür, dass ihr gute, starke Erfahrungen zusammen macht, und komm immer wieder auf diese Erinnerungen zurück - genier dich nicht vor einem "weißt-du-noch"-Reflex!
  • Installiere Rituale und Routinen in eurer Beziehung; sie wird dich dabei führen, indem sie sagt, was sie mag und zu genießen bereit ist. (Das heißt nicht nur, es einfach immer wieder so zu machen: sonst könnte es ja selbstverständlich scheinen und langweilig werden - sondern so, dass du es als besondere Erlebensqualität auch markierst und immer mal wieder anregst. Typische Beispiele wären Kulturkonsum, Kurzreisen, Essen gehen, wenn es über die Fütterung hinausgeht, usw. - nicht aber euer Sex - so niedlich das Versprechen / die Drohung "das werde ich jetzt immer mit dir machen" auch klingt.)
  • Zeit füreinander haben bzw. sich nehmen - "Quality Time", Zeit, in der man gut drauf ist und seine Aufmerksamkeit bei Frau und Kindern hat - eine recht zweifelhafte amerikanische Redensart - man kann sich aber wenigstens darum bemühen. Das kann auf Kosten deiner Freunde gehen, aber du weißt ja, was dir wichtiger ist.

    “During the 1970s, in the midst of increasing female participation in the labor force, psychologists came up with the concept of “quality time”. The philosophy behind this notion, allaying the guilt often experienced by working mothers, was that it is not the quantity but quality of time parents spend with their children that counts. It came to be thought that if enough special attention was given in a designated, structured amount of time - much like structured business time [siehe oben!], where goals are set and then individuals strive to meet them - the amount of time between parents and children would have no bearing on the quality of bonding between them. ... This type of time is difficult to schedule for it arises from spontaneity. ...children's time is on a schedule of its own and frequently doesn't mesh with that of their parents'. Thus, quality time occasionally is not achieved simply because children aren't conscious of the need for "quality time" - they don't realize that they are supposed to experience it.” Michael C. Kearl, The Times of Our Lives - Aber im Nachhinein lässt sich natürlich gut über so etwas reden, als ein weiteres Stück vergoldender Erinnerung.

  • Kleb sie fest! Integriere sie, so gut es geht, in dein soziales Netzwerk, und eigne dir so weit möglich, auch ihres an. Wer weiß, wie viele Beziehungen in einem kritischen Augenblick gerettet worden sind durch die Überlegung "Alle Leute wissen, dass wir ein Paar sind, ich kann mich doch nicht vor ihnen blamieren!"
  • Fluchtwege verbauen! - Die Alternativen zu eurer Beziehung entwerten: aber was das heißt, wirst du nach den besonderen Bedingungen eurer Beziehung herausfinden müssen. Was es sicher nicht heißen sollte, ist sich Hals über Kopf in ein Immobilienabenteuer zu stürzen, wie es tatsächlich ja viele Paare tun. Gemeinsame Schulden sind zwar auch etwas Gemeinsames, aber ein bisschen zu ernst für den Zweck.
  • Versuche, sie immer wieder positiv zu überraschen! Natürlich gibt es dabei das Problem, dass du ja schon im Prozess des Kennenlernens das Letzte aus dir herausgeholt hast, und nun fühlst du dich eigentlich mehr wie Ruhe und Pantoffeln. Demgegenüber kannst du nur versuchen, nicht nachzulassen, und versuchen, ihr klar zu machen, dass das schon viel bedeutet.

Und natürlich meine ich im Übrigen, dass du sie umgehend schwängern solltest... es ist wirklich der beste Grund, bei einem Mann zu bleiben, den man sich nur vorstellen kann - und er ist ja wirklich nicht schwer zu machen.

Streitverläufe - nun ja, du kannst versuchen, ihnen etwas Zärtliches zu geben, sie "vorwärts weisend" gestalten, und das heißt in jedem Fall, die Auseinandersetzung nach kurzfristigem (emotionalem) und langfristigem (sachlichem) Inhalt zu strukturieren versuchen, dadurch, dass geteilte Ziele hineingebracht werden, die auch in irgendeiner Weise objektivierbar sind. - Sonst meint man ja mit "sei vernünftig" immer nur "schrei nicht", es mag andererseits durchaus sinnvoll sein, sich anzuschreien, es deckt die Notwendigkeit ab, dass beide sich in ihrem Affekt ernst genommen fühlen wollen, und wenn das abgehakt ist, lässt es sich meist zum Komischen hin wenden - wenn sie dir eine Chance dazu gibt...

Es ist ja so, dass es in Beziehungen zwischen Männern und Frauen scheinbar Streit geben muss - über Zeit, über Sauberkeit, über die Hausarbeit, was auch immer... - und wenn man ein Problem gelöst hat, dann tut sich ein neues auf, Lösungen (zumal wenn sie technisch sind statt verhaltensmäßig) sind nicht dauerhaft. Man könnte an einen regelrechten refresh cycle denken ("Männer müssen in regelmäßigen Abständen geputzt werden"), und wenn man sich an die Zeiten von Zahltag und Lohntüte erinnert, so gewinnt dies auch eine vererbungsfähige Konkretion. - Ich habe es oben auf unterschiedliche Kommunikationsgewohnheiten zurückgeführt; vom Inhalt her kann einem vielleicht eine Metapher helfen: Wie eine komplexe Zahl zerfällt auch ein Beziehungsknatsch in einen

  1. Realteil (die Küche ist wirklich versifft, die Teller vergammeln...) und einen
  2. Imaginärteil (der oft gar nicht ausgesprochen werden kann, in dem jedenfalls die Bezüge zum gesamten - und meist doch recht unterschiedlichen - Beziehungsprojekt hergestellt werden).

Wenn du putzst, tust du Buße und bedienst beide Teile - für einige Zeit. Kaufst du einen Geschirrspüler, wirst du keinem wirklich gerecht...

Das Konfliktverhalten ist eingebettet in allgemeine Vorstellungen über Macht und Herrschaft in Beziehungen, viele Frauen gehen mit einem optimistischen "den erziehe ich mir schon" und einem regelrechten Themenkatalog an Änderungswünschen in eine Beziehung hinein - manchmal bringt Nachgeben eine Lösung, aber ansonsten darfst du dich nicht wundern, wenn die gleichen Themen und Beschwerden mit einer individuell unterschiedlichen refresh rate immer wieder auf den Tisch kommen. Mal sehen, ob er jetzt soweit weich geworden ist. - Nun ja, ist eben so: An Kindern hat sie dann für den Erziehungsehrgeiz dankbarere Objekte, vor allem solche, die ihr hilflos ausgeliefert und völlig ergeben sind. Du kannst darauf hoffen, dass sie dann etwas von dir ablässt.

Was genauso entscheidend notwendig wie nervig ist, ist Konflikte grundsätzlich zu begrenzen, penetrant bei der jeweiligen Sache zu bleiben (gegen ein Überschäumen: du bist ja immer so, es ist ja wieder einmal typisch, dass du jetzt / hier wieder eine Diskussion anfängst, usw.) Es gibt einem Kraft dafür, an seine Ziele und Absichten und nicht an irgendeinen Fetisch von Gerechtigkeit zu denken. Einzeln genommen sind Konflikte eben in aller Regel gar nicht so wichtig, entsprechend ja auch für Frauen nicht wichtig genug, dass sie sie vermeiden würden.

Wie sieht es denn generell damit aus? Du kannst in Konflikten

  • kuschen (oder auch nicht: dich stur stellen, es zu einem offenen Kampf kommen lassen; eine moralische Rhetorik entfalten, auf Rechte pochen, usw.)
  • kämpfen und stärker sein
  • kämpfen und unterliegen (und was dann; was später, wenn du denn schon einmal unterlegen bist? was passiert beim nächsten Mal?)
  • fliehen (aber ist es nicht zu teuer, und wohin, was wäre Zuflucht?)
  • manövrieren
    • dich loskaufen (oder dies zumindest versuchen)
    • schneller sein (bzw. andersherum: verzögern und bremsen - für welche Partei arbeitet die Zeit?)
    • ausweichen (das Unerwartete / Unerwartbare tun; freilich wird man immer mal wieder feststellen, dass der andere gerade da schon auf einen wartet. - Dito Distanzierung: es kommt darauf an, wie essentiell das umkämpfte Ziel ist.)
    • täuschen
    • verbergen / verheimlichen

Bei Konflikten muss man immer konkret davon reden, wer die Konfliktparteien sind und worum es geht - ihren Kontext (d.h. ihr vorkonfliktlicher Zusammenhang, ihre partielle Einheit, ihre jeweiligen Projekte bzw. ihre Version von Familienprojekt) muss man betrachten ebenso wie die Sache und ihr jeweiliges Interesse an ihr, um die es geht. Es gibt keinen Konflikt und keine Konfliktlösung abstrakt für sich (auch nicht in der heuristisch wertvollen Unterscheidung "Friede vs. Waffenstillstand").

Friede / Waffenstillstand:

  • Frage der Beilegbarkeit (oder muss der Konflikt unweigerlich wieder hochkommen?)
  • Frage der Dauerhaftigkeit bzw. Nachhaltigkeit (kann die Einigung Bestand haben?)
  • analog die Unterscheidung aufgelöst vs. tot gestellt; in letzterem Falle wird es immer Grenzgefechte und Übergriffe geben, die Themen "schwelen fort"
  • Überprüfe: Kann es überhaupt (in dieser konkreten Sache) einen Sieg geben?
  • Frage der Kosten: Ein schneller Sieg ist immer am billigsten; es kann (unter richtigen sonstigen Voraussetzungen) jedoch ein Waffenstillstand deutlich günstiger sein als ein auch nur über mehrere Tage sich hinziehender Knatsch. Da ist einerseits
    • die Ersparnis, nicht mehr kämpfen zu müssen, und andererseits
    • der mögliche Nutzen einer Kooperation; sie sind zu bewerten nicht nur im Hinblick auf die Parteien, sondern auf das System, dessen Teile sie sind (incl. Kinder bzw. der Aussicht auf sie; incl. Netzwerkeffekte, usw.).
  • Von daher ist auch erst eine Einschätzung / Beurteilung möglich ("ein echter Kompromiss muss beiden wehtun" vs. win-win, wenn man sowas bloß immer genau unterscheiden könnte...)

"Der Kompromiss verwandelt den Feind zum Gegner, nicht aber zum Freund." (Voigts 1994, 209) - und in manchen Dingen ist das genau das Angemessene, in anderen wiederum nicht...


Zäh zusammenhalten - dazu heißt es, notfalls auch Beratung nicht zu scheuen, d.h. professionelle Beratung, du solltest bei Beziehungskonflikten nicht wahllos schmutzige Wäsche beim Nächstbesten waschen, Freunde sind häufig sowieso überfordert, eventuell sogar Partei - die Amerikaner sind hier vernünftiger, wenn sie gleich zum Shrink gehen. (Auch er oder sie ist heutzutage Partei für die Frau, aber etwas Besseres als ein paar Watschen wirst du trotzdem dabei bekommen.)

Natürlich klappt es nicht immer, natürlich ist die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns bei spätbegonnen Verbindungen, bei Verbindungen, die für einen oder beide Partner nicht die Ersten sind, usw. erheblich höher als bei "naiven" Beziehungen - und da ist sie schon hoch genug. Tja, ist eben so - "beim ersten Mal da tut es noch weh..." - Wie sagte ein Bekannter neulich? "Wenn Geli (seine Frau) wirklich Stunk macht, dann ist bloß noch das Sorgerecht Thema." - Man muss nicht so abgeklärt sein, aber man darf auch nicht so tun, als bräche die Welt zusammen - dazu hat man irgendwann kein Recht mehr.

Wenn man genau genug beobachten würde, könnte man wahrscheinlich eine Typologie oder Systematik von Beziehungsverläufen aufstellen. Wenn die Partner einmal eine gewisse Reife - oder eben Starrheit - erreicht haben (oder ihnen sowohl Fähigkeiten wie Gründe für Flexibilität abhanden gekommen sind - ganz, wie man möchte), dann könnte man über sie nachdenken wie über Geschosse: eine bestimmte Flugbahn (trajectory), und so fallen sie dann - zeitweilig sich überlappend, und dann müssen sie sich auch wieder trennen. Ein derartiges Wissen gibt es allerdings nur in Ansätzen (und mehr kann man in der Vielfalt der heutigen Lebensstile auch nicht erwarten).

Du könntest ja nur ein Besser-als-Nichts für sie sein, sozusagen ein Stellvertreter oder Zeitvertreib, bis sich etwas Besseres findet. Du merkst das,

  • wenn sie Schritte wie die oben angedeuteten unterlässt (normalerweise arbeiten ja gerade Frauen auch ihrerseits auf eine Verfestigung der Beziehung hin)
  • wenn sie sehr stark Phantasien nachhängt (ein bisschen von dem Blues "I wish I were a single girl again" gibt es immer), vielleicht auch penetrant davon redet "Ich würde so gerne einmal wieder xx tun (aber mit dir kann man das ja nicht)".
  • wenn sie zu viel in der Gegend herumschläft (und zu viel heißt so etwas wie mehr als einmal im Monat, drunter muss mans wohl dulden, "mach dich doch nicht lächerlich").
  • wenn sie anfängt, Bereiche in ihrem Leben allein für sich auszugrenzen, die dich gar nicht interessieren sollen.

Normalerweise ist es einfach verschwendete Zeit, um eine Frau zu kämpfen, die sich schon weit gehend anders entschieden hat oder die zumindest die bestehende Beziehung schon als explizit vorläufig, als Zeitvertreib definiert hat. Kommt dann die echte Gelegenheit, dann geht es oft ruck-zuck bei ihr:

"I broke up with Ben. But there was a reason to break up with Ben. Once I knew that this guy (Ed) was really interested in me, that was it. Bang. This guy (Ed) was much better. He was more educated than Ben was." (Romberger 1986, 361)

Also Ben besser als gar keiner, aber gewissermaßen von Anfang an nur zum Verbrauch bestimmt wie ein Tempotaschentuch oder ein Windelhöschen. Wenn sich so etwas abzeichnet, dann brauchst du ja nicht auf den Spaß zu verzichten, den du eventuell noch aus eurer Beziehung herausholst - es gibt keinen Grund, warum du dann die Trennung vorantreiben solltest - aber sieh dich doch schon einmal nach einer Alternative um. Es wird dir jetzt noch leichter fallen als nach der offiziell deklarierten Trennung, die einen ja doch immer ein bisschen (und oft gehörig, trotz aller guten Vorsätze) mitnimmt - nicht zuletzt, weil man mitkriegt, wie nützlich und angenehm einem die Partnerin war, auch wenn man das in ihrer selbstverständlichen Anwesenheit schon gar nicht mehr schätzen konnte.

Nachher gibt es ja auch

  • Polarisierungen und Parteibildungen im Netzwerk, die zusätzlich Stress bringen
  • die Wohnungsfrage (urgh!)
  • Teilungs- und Vermögensfragen

Hauptmieter sein, weil Frauen leichter eine Wohnung kriegen - glauben wir dem deutschen Schlager, erinnern wir uns, wie da eine vor Freude triefend den Refrain sang HEUT ZIEHST DU A-AUS! - und zwischendurch eine Liste herunterspulte, was er denn alles mitnehmen muss - den Gummiunterrock (ts, ts!) und auch den Motorblock... - erinnern wir uns und treffen wir Vorkehrungen... - in meinem Gedächtnis ist fest verankert der Wohnungsmakler, der mich mit einem knappen "Ich vermittle nicht an allein stehende Männer" abfertigte, dito die Bekannte, die mir sehr nachdrücklich versprach, ich werde noch in der Gosse landen - wir müssen so etwas sehr ernst nehmen, da landen ja genug Männer, und immer mehr.

Festzuhalten, wenn Trennung denn sein muss: du brauchst ja niemand, du hast dich ja - sei dir darüber im Klaren, was Freunde dann tun können und was nicht

  • nämlich sich die Sache einmal (1x !) anhören und dich trösten
  • dich nicht dran erinnern
  • mit dir Skat spielen
  • dich auf Feste einladen
  • dich Frauen vorstellen ...

- viel mehr eigentlich nicht: aber das sollten sie gefälligst auch! Auch wenn Beteiligte (und dazu eben die ganze Masse der Leute, die sich - wirklich oder hypothetisch, direkt oder analog in der gleichen Position - involviert fühlen: quasi jeder) es aufschlappen mögen wie eine Katze Milch (und erinnere dich, dass Katzen davon Durchfall kriegen!), so ist doch das ganze Beziehungsgerede - sobald man es einmal fertig bringt, es nüchtern zu betrachten, einfach nur ganz schön langweilig.

Was du hingegen tun musst - nämlich: erstens schlucken, zweitens sichern, was hinsichtlich Finanzen, Besitz, Sorgerecht (Söhne gehören zum Vater) zu sichern ist, drittens Überreaktionen vermeiden, dich Rachephantasien verweigern bzw. entziehen, sie dir aus dem Kopf schlagen - viel arbeiten, viertens nach angemessener Abkühlungszeit dich neu umtun.


Einstweilen jedoch sollt ihr euch aneinander freuen, beim sehen und hören und riechen und schmecken und fühlen - es kommt ja vor, dass Leute lange glücklich miteinander leben, man lernt so welche sogar manchmal kennen, auch wenn sie sonst gar nicht auffällig sind, sie wirken ein bisschen bescheuert, warm weich gluckig, von innen sieht das wohl anders aus, sie lassen es sich gefallen, und das muss es wohl sein...

  
  
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