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Zeitgefühl und Zeitperspektive
Zeit: Was, bitte, ist das? - »Wenn du mich nicht fragst, weiß ich es«, klagte seinerzeit Augustinus, »aber wenn du mich fragst, dann weiß ich es nicht.« Wir sind zwischenzeitlich nicht unbedingt schlauer geworden, aber was ist es denn, was wir so wissen, wenn man uns nicht fragt? Anhand welcher Bilder erfahren wir Zeit? Wie denken wir uns in unseren alltäglichen Geschäften, wie denken wir unser Leben als ein Ganzes? Überlassen wir den Philosophen die Frage, »wie es denn nun wirklich ist«, und kümmern wir uns darum, was man mit unterschiedlichen Varianten des Umgangs mit Zeit anfangen kann - und das ist ziemlich viel. (Für eine der besten allgemeinen Übersichten zum Thema vgl. McGrath und Kelly 1986.)
Dein persönliches Profil des Umgangs mit Zeit
Grundlagen unserer Zeitwahrnehmung sind allgemeiner Teil unserer Kultur, und doch gibt es immer wieder individuelle Unterschiede - Menschen entwickeln einen sehr persönlichen Umgang mit Zeit, in dem es durchaus auch Widersprüche geben kann. Es gibt einen kleinen Fragebogen, den du zur Klärung deines eigentümlichen Profils verwenden kannst (nach Usunier und Valette-Florence, 1994):
Faktor 1: Bevorzugung organisierter / ökonomisch verwendeter Zeit
- »Ich plane meine Tätigkeiten so, dass sie in ein bestimmtes Muster während des Tages fallen.«
- »Ich habe gern einen klaren Zeitplan, und an den halte ich mich dann auch.«
- »Ich plane gern meine alltäglichen Aktivitäten, so dass ich immer weiß, wann ich was tun muss.«
- »Ich folge gern einem Zeitplan.«
Faktor 2: Time submissiveness / »der Zeit gehorchen«
- »Ganz gleich, wie ich es anstelle, ich komme fast immer ein bisschen zu spät.«
- »Ich komme fast nie zu spät zur Arbeit oder zu Verabredungen.«
- »Wenn ich mich hetzen müsste, um pünktlich zu sein, dann komme ich lieber zu spät.«
- »Ich komme lieber zu früh und warte ein bisschen, als dass ich zu einer Verabredung zu spät kommen würde.«
Faktor 3: Vergangenheitsorientierung
- »Ich sehne mich nach der Vergangenheit.«
- »Wenn ich allein bin, wandern meine Gedanken oft in die Vergangenheit.«
- »Ich denke oft darüber nach, wie mein Leben war.«
- »Ich finde mich manchmal in die Vergangenheit versunken.«
Faktor 4: Zukunftsorientierung
- »Ich wende Zeit daran, über meine Zukunft nachzudenken.«
- »Ich denke viel darüber nach, wie mein Leben zukünftig aussehen wird.«
- »Viele Leute haben Tagträume über die Zukunft. Das geht mir auch so.«
- »Ich denke oft darüber nach, was ich in Zukunft tun werde.«
Faktor 5: Zeitdruck, Zeitangst
- »Wenn ich einen typischen Tag in meinem Leben nehme, dann haben die meisten Dinge, die ich tue, Ziel und Zweck.«
- »Ich habe manchmal das Gefühl, dass mein Leben wenig Nutzen oder Wert hat.«
- »Meine alltäglichen Tätigkeiten langweilen mich.«
- »Ich habe oft das Gefühl, dass mein Leben ziellos ist, keinen Zweck hat.«
Faktor 6: Bevorzugung nichtlinearer / unorganisierter Zeit
- »Ich hasse es, einen Zeitplan einzuhalten.«
- »Es macht mehr Spaß, zu tun was gerade kommt, als den Tag im Voraus zu planen.«
- »Ich hasse es, auf Wochen oder Monate im Voraus zu planen.«
Hat das etwas zu bedeuten? Für deine Planung und Lebensgestaltung sicher eine ganze Menge! Es gibt aber keine »richtige« oder auch nur »vorteilhafte« Weise, die man empfehlen könnte oder müsste - das hieße das Pferd vom Schwanz her aufzäumen. Menschen, die klare Ziele haben, und die ihre Welt als zusammenhängend und sinnvoll empfinden, haben eine höhere Selbstachtung, sind gesundheitlich besser dran, sind optimistisch, haben weniger Angst... - und natürlich schlägt sich das auch in ihrer Zeiterfahrung nieder (Bond und Feather, 1988). Sie erleben Zeit anders und gehen anders damit um.
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