Warum ist Esoterik dusslig?

Nun ja, erstens und grundsätzlich, weil es eine Restkategorie ist. Also gar nicht erst anfangen mit begriffsgeschichtlichen Klimmzügen von wegen heimlichem Wissen für einen kleinen Kreis usw. Esoterik ist das, was der Buchhändler unter oder über dieses Schild stellt. Und was die Suchmaschine anschleppt (sollte man je auf die Idee kommen, unter diesem allgemeinen Stichwort zu suchen). Und das, was nicht gilt, was den Leuten, die über hinreichende Definitionsmacht verfügen, nicht in den Kram passt. Was daher so und so viele andere Leute als Maßstab ihrer Rechtschaffenheit verwenden können.

Also das, worüber wir als Esoterik reden, ist zunächst und vor allem eine von den Medien gestiftete Serialität, vergleichbar mit der wundervollen Aktion, die sich vor geraumer Zeit ein Bekannter von mir ausgedacht hatte: Man hält irgendwo in einem Kaufhaus den Aufzug zwischen den Etagen an und wendet sich dann an die übrigen Fahrgäste: »Sie fragen sich jetzt sicherlich, warum ich sie heute gerade an dieser Stelle zusammengerufen habe«. Nie verwirklicht, denn was hätte man als Nächstes tun oder sagen sollen? - das Bedenken plagt hier manche Leute gar nicht.

Hinsichtlich der Esoterik ist die warum-Frage wenigstens ansatzweise zu beantworten. Der eine, offensichtliche, Grund ist Druck von außen. Der kommt aus den verschiedensten Richtungen und von den verschiedensten Instanzen und Agenturen, die dabei manchmal auch allerlei peinliche Bündnisse abschließen. Über die handfesten Interessen, die dabei im Spiel sind, wäre in einem anderen Zusammenhang zu sprechen; muss man ansonsten noch darauf hinweisen, dass die Welt mit jedem Tag enger wird? Und dass es ganz proportional ein wachsendes Interesse an Disziplinierung und Gleichschaltung gibt, dass auch entsprechend immer mehr als nutzlos und potentiell subversiv weggekarrt wird? Unsere ganze Lebenserfahrung ist doch nur das, was manche Leute »Parawissenschaft« nennen; dennoch laufen alle Trends darauf hinaus, »mehr« aus ihr zu machen, uns immer umfangreicher und paßgenauer um- und neuzuerfinden. Es ist also paradox: Quantitativ und in der Breite der Themen und Wissensbestände betrachtet braucht man sich wahrhaft keine Sorgen um die Zukunft der Esoterik zu machen. Es wird nur immer mehr, was an den ideologischen Sperrmüll überwiesen wird - und keine Sorge, es wird viel recycelt. Sehr viel - aber man sollte da nicht allzu froh sein drüber.

Eine zweite Wirkungskraft, die Esoterik und Esoteriker versammelt, ist ein durch Misstrauen und Ekel motivierter Rückzug aus der Offizialität. Nicht ohne Ursache - denken wir nur an die ganzen abgedokterten Patienten, die stattdessen viel lieber gesund oder wenigstens beschwerdefrei wären. Denken wir ebenso an religiös motivierte Menschen, denen klar geworden ist, dass sie doch nie zu den ›feinen Menschen‹ in ihrer Gemeinde gehören werden. Und wenn auch für politisch böse Menschen unter dem Titel Radikalismus eine besondere Hölle eingerichtet ist, so reicht es doch zwischen politischen und religiösen Minderheiten manchmal zu freundlichen Grüßen und dem gelegentlichen Handschlag. Anderes mehr wäre hier anzuführen, die Liste würde schier endlos.

Doch der Rückzug, der Auszug aus den Konsensen ist nur die eine Seite der Sache. Die andere Seite jedoch ist ein Gestaltungswille, dem in großem Umfang seine Gegenstände entwendet worden sind. Es bleiben die Refugien, die ein Privatmensch einfach so hat: der eigene Körper, Teile der eigenen Lebenszeit, und natürlich: die Gedanken sind frei. Solange sie keine praktischen Folgen haben auf jeden Fall; einige sollte man hier zu Lande auch besser gar nicht erst äußern.

Es ist klar, dass die Frage »was kann diesen Gestaltungswillen stärken?« am Problem vorbeizugehen scheint - und doch kann man sich nur durch ihn eine heilsame Wendung erhoffen. Nur Praxis nämlich kann die dringend notwendigen Klärungen schaffen.

Denn wer sich aus den einverständlichen Konstruktionen von Wirklichkeit zurückzieht, gerät in eine innere Grenzenlosigkeit - »traue niemand« schließt unvermeidlich auch die Möglichkeit ein, unterschiedslos alles zu glauben. Die Ernährungsdiskurse liefern hier mit wenigen Klicks Realsatire genug: iss kein Rind (na klar, BSE), iss kein Schwein (denn es steckt - tatsächlich - voller Drogen und ist ja auch sonst kein sympathisches Tier, siehe und rieche Schweinescheiße), iss vielleicht auch keine Pflanzen (die wollen ja auch leben), iss am besten gar nichts mehr. Da macht man sich doch gleich eine Dose warm und verschiebt die Lebensreform auf bessere Zeiten.

Der Abschied aus der offiziell geltenden Verlogenheit belastet jeden Einzelnen mit der Notwendigkeit zu unterscheiden und selbst zu entscheiden - und nicht nur ist das ein Aufgabe, die einem mühelos den ganzen Tag ausfüllen könnte, man hat auch sehr häufig keinerlei zuverlässige Gründe, auf die man Entscheidungen stützen könnte. Hinzu kommt, dass man sich, subaltern, wie die eigene Lebenssituation doch in der Regel beschaffen ist, viel zu sehr ein Gewissen aus einer richtigen Entscheidung macht. Es will einem (und davon profitieren dann wiederum Varianten von Verschwörungstheorien) als normal verantwortlichem Menschen einfach nicht in den Kopf, wie wenig Information man braucht, um rücksichtslos seine Interessen zu verfolgen, wie viel Risiko mancherorts und immer häufiger bedenkenlos eingegangen wird. (Sie - aber auch dazu anderswo mehr - blicken auch nicht durch.)

Also nimmt man das überbordende Informationsangebot mehr oder weniger unbefangen wie eine Speisekarte - und wählt sich nach schwer objektivierbaren Geschmackskriterien einige Themenkomplexe aus. Spätestens hier muss man dann auch nachtragen, dass die meisten in diesem Feld aktiven Menschen sich ja durchaus nicht in einem Rückzug begriffen sehen - nein, sie sind normal, stinknormal sogar, stehen mit beiden Beinen fest auf der Erde, bloß die Welt wird eben von Reptilien beherrscht, man muss aufpassen, dass einen die Ufos nicht mitnehmen, und 2012 ist sowieso alles vorbei - jedenfalls für die Leute, die man noch nie hat leiden können.

Zugegeben, wenn man umfassende philosophische, politische und soziale Theorien, luxuriöse Begriffsgebäude und säuberliche Ableitungen gewöhnt ist, dann nervt so eine Vorgehensweise. Aber da man ja nun einmal nichts Besseres hat (und, Hand aufs Herz, auch selber nicht wirklich bieten könnte), da könnte man sich wenigstens ihrer Vorteile bewusst sein. Und mit dem Vorfindlichen leben und wirtschaften, anstatt besseren Zeiten nachzutrauern und obsolete Öffentlichkeitsmodelle im Leerlauf zu halten.

Ein für allemal sei gesagt, dass ein erheblicher Teil der Aspekte, die man an Esoterik und an esoterischen Szenen weniger schätzt, in der Arroganz und schlichten Dummheit der politischen Linken - als der »alten« systemisch notwendigen Widerstandskraft - begründet liegen. Wer sich da nicht klar machen kann, wie viel vom eigenen ideologischen Erbe, aber auch vom alltäglichen kognitiven Handwerkszeug bereits in Restkategorien verschoben worden ist, wer sich noch ermächtigt fühlt, bloß weil er allerlei abnicken darf, der braucht sich auch nicht zu wundern, an was er dann im Rückblick irgendwann alles mitschuldig gewesen sein wird.

Der lange Marsch durch die Institutionen ist unter der kompetenten Führung von Gerhard Schröder und Josef Fischer erfolgreich abgeschlossen worden; die Institutionen haben ganze Arbeit geleistet. Wenn man nun doch noch gerne eine andere Gesellschaft hätte, weil man die Geschichte von der besten aller möglichen Welten einfach immer noch nicht glauben kann, dann wird es höchste Zeit, bestimmte sozialdemokratisch ererbte Allianzen aufzukündigen, allen zuvor das Bündnis mit der als Weltanschauung auftretenden Wissenschaft. Diese gedankenlose Allianz mit der Form von Wissenschaft (ohne weiteres inhaltliches Bedenken) ist einfach Teil des revisionistischen Pilzbefalls, der die deutsche (und internationale) Sozialdemokratie erledigt hat, und Freunden dieser Tradition kann man nur empfehlen nachzulesen, wie Friedrich Engels zwar durchaus kein Freund der Religion oder des Spiritismus war, aber seine beste Galle für den selbstgefälligen Rationalismus der Büchner, Haeckel und Dühring aufgespart hat - aus Relevanzgründen.

Doch kehren wir zunächst zur endogenen Problematik der Esoterik und ihrer Szenen zurück. Ich hatte von der schier unlösbaren Aufgabe einer vernünftigen, praktisch lebbaren und vorwärtsweisenden Auswahl aus der Grenzenlosigkeit der Meinungen und Wissensfragmente gesprochen und von den daraus resultierenden Problemen einer Zersetzung des Wissens in vereinzelte, scheinbar beliebig kombinierbare Menüpunkte (Meinungsmoleküle, wie die Psychologin Sandra Bem das genannt hat).

Was diese Zersplitterung und ihre Folgen überwinden könnte, wäre einfach ein kollektives Gedächtnis - so, wie es sich Wissenschaft institutionell geschaffen hat. Hier und da eine ordentliche Bibliothek, ab und zu mal ein Forschungsauftrag oder auch bloß ein Literaturbericht, der nicht sogleich und sofort verwertet werden muss. und der - dazu wäre unten mehr zu sagen - auch ein bisschen Streit aushält. Damit wäre die Grundlage eines kollektiven Erarbeitungsprozesses gegeben, der einen längerfristigen Zugewinn an Wissen mit sich bringen könnte.

Diese materiellen und institutionellen Voraussetzungen sind Dinge, die für die offiziös anerkannte Wissenschaft - und übrigens auch für die etablierten religiösen Gemeinschaften - so selbstverständlich sind, dass ihre Sprachrohre und Verlautbarungsagenten sie einfach »vergessen« können. Man kann gut über den »Markt der Religionen« zetern, wenn man auf einer ordentlichen Professorenstelle zuverlässig besoldet wird, von der profitablen Unzucht der Kirchen mit dem Staat und ihren sonstigen Einkommensquellen einmal ganz zu schweigen. Dito kann sich so mancher junge Künstler mit weit gehend unbewiesenen Fähigkeiten einer staatlichen Kulturförderung erfreuen - das ist nicht viel, und ich mag gar keinen Neid schüren - aber eine aufstrebende kleine Hexe muss ihre Leistungen von Anfang an verkaufen, ganz als wäre das keine Kunst.

Das hat unmittelbare inhaltliche Auswirkungen - wer sich in privater Vorleistung einigermaßen schlau gemacht hat und vielleicht noch die eine oder andere kleine Einsicht gehabt hat - die berühmte Erleuchtung wie von einer 30-Watt-Glühbirne - der muss eben damit auf den Markt: erstens weil sich fortgeschrittene Lernprozesse nicht mehr im Nebenberuf inszenieren lassen, zweitens aber, weil Wissen auf Kommunikation angewiesen ist und man anders kaum ein paar ähnlich Gesinnte finden wird. Dass diese Verhältnisse Hype produzieren und viel halb gares Zeug als neu über die Theke geht, wird niemand bestreiten - allerdings hätte ja so mancher wissenschaftlichen Verlautbarung ebenso eine erhöhte Sorgfalt und gegebenenfalls eine Lagerung bis zur Reife gut getan.

Niemand braucht wirklich eine Gesamterklärung seiner Lebewelt und ihrer Einbettung in größere Zusammenhänge, die aus dem Verstand und nach seinen Prinzipien und Methoden entwickelt ist. (Ob man oder jeder Einzelne eine anders geartete, anders begründete Orientierung braucht oder gar nötig hat, sollte man vielleicht am besten offen lassen; ich bin kein Freund eines »Gefühls schlechthinniger Abhängigkeit« oder seiner Nachfolgebegriffe. Dass so etwas gern ergriffen wird und warum, bedarf wohl andererseits keiner Erklärung.) Trotz des vielseitigen Angebots wird man schmerzfrei darauf verzichten können - das bedeutet ja unter anderem, für Hoffnung Raum zu lassen. Es bedeutet ebenso, sich von der Rechthaberei zu distanzieren, die dem Verstand nun einmal anhaftet. »Recht haben wollen«, das ist einerseits eine Rang- und Statusfrage (ein Wettbewerb um Vertrauen, der im weitesten Sinne in den Zusammenhang des Marketing gehört); es hat auch die schätzenswerte Seite, Sicherheit, Gewissheit zu wollen - nur muss man dagegen eben einsetzen ein »soviel als nötig«. das Leben ist nun einmal riskant und endet mit Sicherheit tödlich.

Mit der Sehnsucht nach einer verstandesgerechten Weltübersicht in Zusammenhang steht auch ein problematisches Verhältnis zur medial bestimmten Aktualität - es gibt einfach die Versuchung, zu allen angesagten Themen seinen Senf dazu zu geben - wenn man schon kein Gedächtnis hat, dann will man ja wenigstens nicht von gestern sein, und es gibt auch genug Publikum, das unter einer Antwort auf alle Fragen einfach nicht zufrieden zu stellen ist. Man kann sich den Mund fusslig reden, dass so eine Forderung nur die Mythen der Wissenschaft und ihrer von Wichtigkeit und Eigenwerbung aufgeblähten Expertenkaste transponiert (denen fällt ja schließlich zu allem etwas ein, und immer das gleiche), man kann bis zum Überdruss darauf verweisen, dass eine solche Forderung zu Missbrauch und zur Verbreitung von haltlosen Gerüchten geradezu einlädt. Vergebens: wenn man die Grenzen seiner Kompetenz kennt und von Fall zu Fall Zurückhaltung übt, dann zahlt sich das einfach nicht aus.

Übrigens ist dies kein neues Problem - once upon a time, den Linken zumindest noch gut erinnerlich, gab es eine so genannte Marxistische Gruppe, die abweichende Ansichten über alles Mögliche per Zeitung in die Welt laufen ließ - einige sehr fundiert, andere einfach schematisch hingeschmiert - und wenn sie nicht gestorben sind, dann sind ihre Argumente immer noch nicht besser als damals. Die Wirksamkeit war eher gering, und einer der Gründe dafür war sicher die Naivität, mit der man sich Themen des Medienkarussells vorgeben ließ. Nun haben sie halt einmal ihren Gegenstandpunkt, sagt man sich, sollen sie doch selig werden damit.

Absurd und unangenehm wird die Sache, wenn Esoterik die Kuckuckseier der Medienkultur aufzieht und wie die eigenen liebt und hätschelt. Die Offizialität kennt keinen Dank, und wer hat schon etwas davon, ihre Freakshow am laufen zu halten? Kein Esoteriker hat die Ufos erfunden, kein Esoteriker hat dafür gesorgt, dass sie ihren Zug durch die Sauregurkenzeiten gemacht haben und dass sie inzwischen selbst in den Schulbüchern gelandet sind. Wenn sich Menschen mit Fleiß und allen Merkmalen der Wissenschaftlichkeit dieser Objekte angenommen haben, dann hätten sie vielleicht schon etwas Besseres verdient, als die Medien ihnen zu Teil werden lassen, und wenn die Ufos inzwischen den Medien gegenüber die Reichskriegsflagge aufziehen, so kann man dieser Hybridisierung der Diskurse nur vergnügt zusehen. Doch als Esoteriker gibt es gute Gründe, die Unterhaltsleistung für diesen Spross rundheraus abzulehnen - er ist groß und stark geworden, sein metaphorisches Potential ist weitgehend ausgereizt, er soll dahin fliegen, wo er hergekommen ist.

Mitunter ist es auch die Not der Subjekte, die sich in den unterschiedlichsten Formen äußert - man wünschte, sie wäre auf andere Art zu lindern. Natürlich fühlt sich ein bisschen Paranoia besser an als unsere normale Bedeutungslosigkeit; auch in vielen Durchsagen spricht sich eine kontrafaktische Selbstbehauptung aus. Die channelnden Subjekte wollen Geltung - gar nicht einmal für sich, sondern für ihre Glaubenssätze und Überzeugungen, denen so ein vor- oder überrationales Gepräge gegeben wird, eine Hyper-Legitimation. Wenn es nur nicht gar so oft die Botschaft von der Nichtigkeit und dem Zusammenfallen aller Unterschiede wäre ... ein Geschmack von Vanille macht sich breit, ich spüre den lauen Wind der Sommernacht auf der Haut und die Liebe in meinem Herzen, alle Kühe sind schwarz und spätestens morgen wird alles gut. - Nein, wird es nicht, aber warum stören, so lange man keine Alternativen hat.

Der Druck, den man als Esoteriker von außen erfährt - und sei es nur als Unverständnis und misstrauische Distanzierung im Bekanntenkreis - wäre gegenwärtig (wie lange noch?) halb so schlimm, wenn er nicht einerseits auch freiwillige Abschließungen provozieren würde - natürlich reden wir lieber mit Menschen, die »die gleiche Sprache sprechen«, aber den Rest der Welt gibt es auch noch, und er lebt und stirbt auch irgendwie, man darf die Neugier dafür nicht verloren gehen lassen. Andererseits unterliegt man dann im vertrauten Kreise Friedenspflichten oder vielmehr Friedenszumutungen, die man nur als lähmend bezeichnen kann. Also wenn man noch so weit in der Entwicklung zurück ist, dass man noch Unterschiede macht, dann soll man bittschön wenigstens nicht darüber reden.

Im Außenverhältnis hat das seine taktischen Gründe, und da werde ich mich jederzeit auch mit Leuten solidarisieren, die ich sonst überhaupt nicht vermissen würde. Im Binnenverhältnis jedoch bedeutet Friedenspflicht schlicht den Verzicht auf Erkenntnis, denn die fängt mit dem Unterscheiden an, und das Vergleichen und Bewerten folgt ihm auf dem Fuße. Streit ist produktiv - allerdings: worüber könnte hier der Streit gehen? In den Kernbereichen - der alten Esoterik als religiöser Dissidenz - sicher nicht vordringlich über Inhalte. »Ich habe meine eigenen Engel« - jawohl, jede/r. Da kann man dann nur vorsichtig um Beistimmung werben. Wohl aber gibt es eine ganze Menge sehr diesseitig-sachlicher Streitfragen außerhalb dieser Kernbereiche, und es wird immer Unterschiede in der Beurteilung von Prioritäten und Methoden geben.

Wie könnte man sich streiten? Durchaus in einem Geist freundschaftlicher Verbundenheit. Wie kommt die zu Stande? Durch geteilte Ziele, durch gemeinsame praktische Arbeit. Allein auf dieser Basis lassen sich auch Entscheidungen treffen, produzieren Diskussionen mehr als nur volle Aschenbecher. Das ist der Grund, warum dem Gestaltungswillen eine solche Bedeutung zukommt, weil er nämlich Erfahrung möglich macht - seien wir doch realistisch: Die Welt braucht unsere Arbeit nicht, wir brauchen die Arbeit, und zwar eine gemeinschaftliche, um zu wachsen, zu lernen und um mehr als nur nett zueinander zu sein.


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