Erwin W. Lutzer: One Minute After You Die

A Preview of your Final Destination. Chicago: Moody Press, 1997

Also, was passiert "eine Minute, nachdem du stirbst"? Lutzer weiß es genau - es tritt eine finale Vereindeutigung ein: entweder geht es einem ganz großartig, oder so schlecht wie nie zu vor. Und alles wird dann noch extremer, und hört nie mehr auf. Daher sollte man sich vorbereiten, sich "klug investieren", denn dieses Leben ist ja nur die Qualifikationsrunde für später / immer.

Woher Lutzer das so genau weiß? Aus der Bibel natürlich, denn "Versuche, hinter den Vorhang zu schauen" - Channeling, Reinkarnationserfahrungen, Nahtodeserfahrungen - das liefert ja alles keine zuverlässige Information, im Gegenteil: Bei den ersten beiden Quellen hat man es mit dämonischer Desinformation zu tun, und bei Nahtoderfahrungen kann man sich nicht sicher sein.

Das bedeutet freilich eine beträchtliche Interpretationsaufgabe für den Bibelleser - einerseits die Auffassungen zu harmonisieren, andererseits alle verständigen Anforderungen zu befriedigen. Lutzer stellt sich dem mit Bravour. Himmel oder Hölle (bzw. ein Durchgangslager dazu) entscheiden sich sofort, ein Fegefeuer gibt es nicht, Fürbitten sind nutzlos. (This is the protestant version, im Fall man hätte Zweifel.) Wir dürfen jedoch trauern, auch wenn wir wissen, dass der Tod ein Segen ist und wir darauf vertrauen, dass es ein Wiedersehen in der ewigen Heimat gibt. Die Persönlichkeit, die Interessen und Aktivitäten bleiben erhalten, und irgendwie läuft das auch mit der Körperlichkeit (denn die Wiederauferstehung unseres eigentlichen Fleisches geschieht ja erst am Ende der Zeit).

Und wenn es abwärts geht, zur Hölle? Lutzer geht ausführlich auf die diversen Einwände gegen diese Einrichtung ein, aber so steht es nun einmal geschrieben, man wird dort in unzerstörbaren Körpern auf ewig gequält, keine Wiederbringung und kein endgültiger zweiter Tod, nach dem es dann wirklich aus wäre. Doch man kann sich darauf verlassen: Gott ist gerecht, und jede/r kriegt was er und sie verdient hat. "Wir sind uns einig, dass der Himmel ein Trost ist. Was häufig übersehen wird, ist dass auch die Hölle tröstlich ist." Denn was liest man nicht jeden Tag wieder in der Zeitung, und dort kommen sie alle dran. (107) Und was haben wir denn auch eine Ahnung davon, wie schwer wiegend unsere Sünden wirklich sind. Wo es schon auf Erden so viel Elend gibt, das Gott zweifellos lindern oder abstellen könnte, wenn er es für richtig hielte, sollte es uns da wundern, dass es Elend und Leiden auch in Ewigkeit gibt?

Also Bekehrung jetzt - denn unverhofft kommt oft - und nachher ist alles zu spät.


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