Gurus verdienen schweinemäßig. Es ist ein Skandal, vor allem, wo sie doch nix bringen. Und wir erzählen es euch gern bei jeder Gelegenheit, weil wir ja wissen, dass ihr alle neidisch seid, ihr kleinen Schweinderl.
Sagen wir jetzt gar nicht erst, dass die Gewinnerzielungsabsicht in unserer Gesellschaft weit und breit anerkannt ist, gemein und nützlich zu sein ist ziemlich die Ausnahme. Sagen wir auch gar nicht, dass "Gurus" (also spirituelle Lehrer) öfters mal genau das bringen, was sie angekündigt haben also z.B. versprechen sie ein Wochenende Meditation, und natürlich kann man dann auch aus dem Fenster gucken und über seine Steuererklärung nachdenken. Die Gedanken sind frei, aber jedenfalls könnte man ja auch meditieren. Und was heute schon eine Kinokarte kostet oder ein Konzert, und ob nicht selbst die schrägsten Vögel dazu im Vergleich noch billig sind.
Nein, das wird hier niemanden weiter beeindrucken. Also plaudere ich doch einfach mal, langsam und zum Nachrechnen, aus der Schule. Ich veranstalte ja gelegentlich esoterische Wochenendseminare, wozu gehört
Also, tabellarisch und circa:
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Lehrer |
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Raummiete |
200,- |
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Werbung |
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Zusammen |
1100,- |
Nun kündigen wir an, dass das Seminar 100 kosten soll, Ermäßigung wenn jemand knapp dran ist (jeder fünfte reklamiert das erfahrungsgemäß für sich und zahlt - weil es mir peinlich ist, dabei zu handeln - nach Selbsteinschätzung, d.h. im Schnitt die Hälfte). Wir haben also bei zwölf Teilnehmern noch Verlust, bei 13 Gewinn - wenn das nicht esoterisch ist!
Wenn sich eine Woche vorher weniger als 7 angemeldet haben, sage ich ab (die Raummiete oder den Löwenanteil davon muss ich trotzdem zahlen, aber besser als ...). Wenn 10 kommen, kaue ich auf meinem Bart herum und rede mir ein, dass ich zufrieden bin. Wenn 20 kommen, werden die Räume sehr eng, mehr geht nicht, dann muss ich weitere Interessenten aufs nächste Jahr oder auf eine andere Stadt vertrösten.
Wenn jetzt 13 kommen, (11 x 100 plus 2 x 50), dann brauche ich mir nicht mehr einzureden, dass ich zufrieden bin, wir gehen am Sonntagabend gut vegetarisch essen und reden über das nächste Mal.
Aber gesetzt, es kommen 20, dann heißt das 16 x 100 plus 4 x 50, macht 1800,-. Bleiben 700,-; die kriegt zur Hälfte unser Lehrer (jawoll, Gurus verdienen schweinemäßig) und der Rest bleibt bei mir, zwecks Risikovorsorge. Da wir z.B. sehr ausgearbeitete Pläne (mit unterschriebenen Verträgen, aufgegebenen Anzeigen usw.) für den Oktober 2001 hatten, hat mich das WTC-Massaker trotzdem richtig Geld gekostet. Denn auf einmal wollte jede/r bloß noch zu Hause bleiben und sich irgendwo festhalten. C'est la vie ...
Und das ist - nachprüfbar und nachrechenbar - die Situation der großen Mehrheit der kleinen Anbieter, derjenigen, die keine Alleinstellung auf ihrem Gebiet haben und keine Modethemen verwursten. Man schlängelt sich durch. Richtig, es gibt ein paar Stars (muss ich jetzt erläutern, dass es auch erhebliche Kosten mit sich bringt, sich als Markenprodukt darzustellen und diese Darstellung kontinuierlich aufrecht zu erhalten?). Nun ja, Stars gibts beim Film und beim Fußball auch, und auch da ist der Star-Status keine Garantie für Können oder auch nur gute Tagesform. Interessiert mich nicht allzu sehr ... aber auch wir in der vorletzten Liga müssen ein bisschen Eintritt nehmen, weil sonst geht es auf die Dauer einfach nicht. Was natürlich die neidischen Herren Pfarrer und Professoren ganz in Ordnung fänden. Ich weiß, in deren Kreisen sagt man "Wir bitten nun um eine stille Kollekte". So vornehm muss man erstmal sein. Können.
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