Spätlinge und Frühlinge

von ROBERT MÜLLER

Der Ästhetizismus ist als eine Kraftform da, als Sport, als kultivierte Idiosynkrasie, das kann man nicht leugnen, er riecht nicht gut, aber die fragwürdigsten Gerüche werden oft Parfüm. Mit seinem povern selbstsüchtigen Glanze kann man Beleuchtungszentren errichten, die genügen würden, ägyptische Finsternisse oder andere Strafen für Kultursünden heimlich zu gestalten. Genau so wie ein Niagarafall von Stimmungen ohne gottverdammte Sentimentalität nach einer Turbine schreit. Es ist nichts bekannt davon, daß eine Elementarerscheinung so sentimental wäre, sich dessen zu weigern, im Gegenteile, was an Widerstand da ist, nützt als Triebkraft. Schließlich ist das Ästhetische an den Dingen das Emotionelle, und das kommt bei guter Anlage stets auf seine Rechnung. [14] Die experimentelle Psychologie hat sich bisher noch nicht für die Größenverhältnisse der Energieumsätze in den Ganglienzellen eines ästhetisch Genießenden interessiert, aber vermutlich sind sie geringer als die eines aufmerksamen Engeneers, der sein Material studiert und genügend schlagfertige Phantasie besitzt, um in der gegebenen Landschaft die dynamischen Lücken zu entdecken, die sein geräumigeres Naturgefühl, sein ästhetisches Wohlbefinden, das in der Harmonie von zur Arbeit erlösten Kräften gipfelt, verletzen. Eine tüchtig und nett gehende Maschine hat es mit allen feinen Künsten der Welt und allen delikateren Sensationen zu tun. Da ist Musik Rhythmus Proportion Figur und Erfindung, Farbe, soviel man will, Humanität und intuitives Talent, Stil und eine virtuose Beherrschung aller Menschenmöglichkeiten. Darum ist es absolut unerfindlich, warum eine verbummelte Mühle in einer Waldschlucht, die doch auch nicht als autochthoner Pilz ihr Verhältnis zur Umgebung hat, unbedingt lebenswerter sein soll als ein geschmackvoll erdachtes Elektrizitätswerk, das zu seinen szenischen und kraft- und zeitökonomischen Voraussetzungen stimmt. Überdies läßt sich gerade darüber allerlei Männliches sagen. Ein Mühlenleichnam ist im besten Falle gruselig und mysteriös, sonst aber der sicherste Port der Welt, vorausgesetzt, daß der Hunger keinen allzu großen Weg zur nächsten Zivilisation hat. Aber ein Transmissionsriemen, eine hochgespannte Batterie und wahnwitzig getürmte Eisenblöcke sind stets eine ungewisse Nachbarschaft von reißenden Bestien und wirken mit erdrückender Mystik. Nur die aufreibendste, nervös kontrahierte Sprungfertigkeit mit den mobilsten Jägerinstinkten vermag zwischen einem solchen Urwalde von Eisen und Raubtierdrohungen die Kaltblütigkeit zu wahren. – So weit wären wir also richtig wieder beim Alten. Wir sind bis über die Ohren in einen Ursprungstypus verliebt, ziehen unsere Jägervergangenheit aus dem alten Eisen und lüften, wenn wir einander höflich grüßen wollen, die Nomadenglorie. Nun, es hat schon seine Richtigkeit damit. Der idyllische Rousseau war ja ersichtlich ein Erschöpfungszustand, eine im Ganzen genommen friedliche Sehnsucht nach dem Wiegenliede, also ein hoffnungslos beschränkter Rückfall, der durch keine verzehrende Sehnsucht nach Kraftentfaltung hervorgerufen worden war und von allen Urzuständen nur eine paradiesische Faulheit entlehnte. Hingegen steht es heute anders. Le dernier [15] cri brüllt anders, er klappert mit seinen Fohlenhufen, wirbelt ganz unfeierlich mit seiner jugendlichen Propellerlunge, versetzt die Luft rings auf dem ganzen Erdball in Schwingung. Zugegeben, wir sind ein hochadelig verdorbenes Geschlecht, eine perverse Gesellschaft, so und so oft hat sie sich um ihre Möglichkeiten herumgedreht und – erstes und stärkstes Kennzeichen der Erschlaffung! – schreit endlich prompt nach dem allen Adam – – – Erlauben Sie mal, nein, und obwohl wir zugestandener Maßen eine solche Gesellschaft sind, mißverstehen Sie nicht, wir haben den alten Adam nicht gebeten, im Gegenteile: Alles Kranke, falsch Orientierte, lasterhaft Exzessive in uns ist unsere Hoffnung, ein grandioses Reservoir von Kräften, denen nur Kultur mangelt, eine angemessene kongeniale Kultur. Diese Kultur muß wohl eine technische, also in dem Falle eine psychologisch produktive sein. Es handelt sich um eine unermüdliche Arbeit an einer höchst subtilen Maschine. Ja, es handelt sich um eine edle schöne Maschine mit tausend Verbesserungsmöglichkeiten, die von der Natur selbst inspiriert sind. Denn es geschieht nichts wider die Natur, im Gegenfeile, alles Kulturelle ist ein forzierter Natureffekt, eine beseligend tüchtige Kraftentfaltung der reinsten Lebenstriebe. – Die Natur selbst hat uns den Weg schon gewiesen. Produktive Psychologie und Technik, wie sie zwei Namen für die gleiche Erscheinung sind, für eine taktische Selbstverwendung, einmal im psychologischen das andere Mal im physiologischen Sinne, entwickeln den Lebenstypus. Die technische Phantasie ist ein Überschuß sexueller Energien, ein Zeugungsproblem, ein Brutkasten ungarer Rassesamen, wie es sein Korrelat in den schöpferischen Künsten hat, sie verleiht uns etwa die atavistische Fruchtbarkeit, wie wir sie zu den Zeiten besessen hätten, da wir noch Walfische und Fledermäuse gewesen wären. Ein Unterseeboot ist zumindest eine so geistreiche Erfindung wie ein Delphin, und die Konkurrenz zwischen einem Luftschiff mit seinem eleganten Leichtmetall-Gestänge und Gürtelwerk und einer feisten Fledermaus stimmt nachdenklich. – Die entsprechenden Instinkte aus dem Jugendzeitalter des Menschen, wo er noch alles, vor allem aber die Feindseligkeif gegen alles mit dem Tiere gemeinsam hatte, kommen heute wieder oben auf, die elementaren Urkräfte werden aufgefrischt, die atavistischen Typen verjüngen sich, der Patriarch, der Krieger, die Mutter, der Symbolist [16] und Hellseher in einer Person – dieser wieder anstatt der dekadenten verarmten Form: der Künstler oder: die Kirche – sie treten wieder auf, ihre Popularität ist größer denn jemals. Es ist eine ganze Anzahl von markanten Gestalten mit solchem Ausdrucke, die am Anfange dieser neuen Zeit stehen. Inmitten der Gefahren der Kultur braucht es einen ganzen Menschen, alle Sinne müssen blank sein, überall strotzt es von Gefährlichkeit, es werden wilde Ansprüche an Sinne, Nieren und Nerven gestellt, wie ehemals, als man noch hinter jedem Busche den Feind vermuten konnte, und man kampfbereit auf den Zehen ging, mit sprungfertigen Waden. Diese harte Schule, die ihn sehnig und helläugig machte und seine Nerven bis zu jenem Wahnsinn spannte, für den damals der Begriff: denken aufkam, hat den Menschen zum überlegenen Geschöpf gemacht, seine Rasse verbessert und verzähigt, seinen Willen entwickelt, seine Aktionsmöglichkeit erweitert. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die nervöse Elastizität unseres heutigen Durchschnittsorganismus gleich hohe Steigerungsmotive in sich birgt. Von der Natur im engeren Sinne kam es bis zur Kultur, das heißt nämlich, zu einer Natur zweiten Grades, und das wurde durchgeführt durch die gleichsam als Kraftwage sich ringsum aufbäumenden Eindrücke, also mehr durch einen Zustand der Depression, der die menschliche Widerstandsfähigkeit trainierte, von Erfolg zu Erfolg. Wenn es nun zu einem zweiten Sprunge vorwärts kommen soll, zu einem dritten Grade in dem Schachtelsystem der Natur, so kann man berechnen, daß die Methode nicht viel anders fällt als damals, und das stimmt auch. Das Deprimierende einer Kultursituation, ihr Gefährlichkeitsgehalt, ihre scheinbar abträgliche Auslösung zweifelhafter Krampfbewegungen, ist just das, was unseren besten Kerlen am gelegensten kam, ihre Divination in den Weltraum hinausschleuderte, sie zusammenpreßte wie einen Kautschukball, der selbst für Eisen undurchdringlich hart wird und losgelassen mit Vehemenz durchgeht. Just das ist's, was das letzte Nervenendchen an die Haltung verwendet. Es ist ein Feuersteinzeitalter, die Atmosphäre ist ein wenig schwefelig vom Funkenschlagen, und die Dinge sind hart, wirklichkeitshart, und die Linien brüchig, aber sie geben eine feine Klinge ab. Das alles hat ja seine eigene spröde Schönheit. Man braucht nicht verzweifeln und die Hände in den Schoß legen. Wenn das Sonnensystem wackelig wird, wird man [16|19] längs der Ekliptik Schienen legen, das ist die Groteske unseres verdammt ehrlichen Lebenswillens. Die Hauptsache ist, daß man in ein Verhältnis zur ganzen großen Welt kommt, daß man für eine Weltanschauung fähig wird, die mit der Technik Schritt hält und nicht hinter Fernrohren, Tiefseeforschungen hinter Dynamit, Dampf und Edison, Tesla und den Kilometerschlachten des russisch-japanischen Kontinentalkrieges zurückbleibt. Das Empfinden geht aus den vier Mauern hinaus in die weite Welt, geht mit offenen Armen und singt, singt. Es umarmt alle die wundergräßlichen Dinge, die da sind, es umspannt mit seinen ungeheuren eisernen Muskeln und seinen Nervenkabeln den Erdkreis, füttert die starren Lieblinge mit seinem Geist und Herzblut, darum huldigt all dieses Blühen seinem Glücksgefühle. Wenn aber die Ex-Seele trotzdem Beschwerden macht, wenn das große seelische Schwungrad seinen Taumel aufführt in den Lagern, seinen Kullerrausch, dann ist der Zustand bedenklich. Weigert sich der Geist, die Speise der Wirklichkeit anzunehmen, kann er die unausgeschoteten Dinge nicht verdauen, dann ist offenbar irgend etwas nicht in Ordnung. Aber der Fluch gilt nicht der Küche sondern den Eingeweiden. Kein Alkohol ist stärker als der von Wasser und Brot, kein Kissen ist weicher als die Poesie der Sachlichkeit, kein ästhetisches Tempo prickelnder als das der Maschinerie, kein Ballet musikalischer als das der Fabrikshalle. Aber jene Organe sind krank und die Fruchtbarkeit ist gelähmt. Es ist eine irreligiöse Verdauung. Auch unsere Zeit hat ihre Religion. Sie sagt viele schöne Dinge vom Weibe und vom Manne. Sie verästelt die Kultur ins Tagewerk, bringt Weihe und Tempo in die Banalität. Es ist die Religion von der Maschine, einem edlen intelligenten Arbeitsindividuum, und es ist eine Ethik des genialen Selbstbetriebes. Das alles ist es, und es mag schon recht sein, daß alles so ist.
Nun läßt sich etwa noch Folgendes bemerken. Unsere Kultur ist die des Mannes, aber wohl nur darum, weil sie auch die des Weibes ist, um nicht zu sagen, daß sie gerade deshalb auch die des Weibes sei. Es hat Kulturen gegeben, wie zum Beispiel das Rokoko und die spezielle Romantik, die ganz auf das Weib gestellt waren, aber damals gab es keine Männer, bloß Mannsbilder, nämlich Bilder von Männern, wie das die Idiome sexuellsozial ungeschiedener Stände so fein und sinnlich schildern. Das Weib ist eigentlich dann am [20] meisten Weib, wenn die Zeit sich nicht um das Weib dreht, während zu anderen Zeiten das Weib es ist, das einer Kultur das Flüssige, Atlasglänzende der scheinbaren Bewegung verleiht, je stärker die männliche Kontur eines kulturellen Lebens hervortritt, desto impulsiver verflüchtigt sich der soziale Gedanke in die individuelle Auffassung eines Einzelnen. Das Universelle einer weiblichen Kultur hat Charme. Dagegen hat alle männliche Erscheinung geistig wie körperlich das gerne Hypertrophische, das materiell schwer, sichtbar schwer Skulpierte und besitzt nicht das manuell Fertige, das Approbierte, das reizend Assoziative des weiblichen Lebenswillens. Rokoko, die Albino-Kultur, die extreme weibliche Blondheit, das war die Gotik der Weiber. Die großen galanten Damen erinnern verblüffend an die rauflustige Erote Brünnhilde, und als sie dann später und dann noch später noch einmal wieder in der älteren und in der modernen Romantik auftreten, ist gar kein Zweifel mehr darüber übrig, daß man es mit Krimhilden oder Isolt zu tun hat. Soviel phänomenal tragende Kraft liegt eben in dieser Rasse, daß selbst die Damen noch während des Erschöpfungsstadiums der Männlichkeit imstande sind, das errichtete Kulturgebäude zu stützen, kariatydenhafte Seelen, wie sie noch in keinem Volke, und darum noch in keiner Poesie so hervorspringend und bedeutend gesehen wurden. In dieser kultur-konstitutionellen Kraft des gotischen oder von der gotischen Rassenidee hoch genährten Weibes liegt eine fromme Gewähr für die zweifelhaftesten Zeiten, sie prädestiniert die Rasse geradezu zur Weltherrschaft. Wenn dann der Mann, nach seiner Pause, die fallengelassenen Fäden wieder aufnimmt, ist das Weib die Spindel, daran er sein Gewebe knüpfen wird. Der Querkopf beschwört stets Tod und Teufel, wenn er den Himmel einrichten will, aber er weiß, daß er es nicht für sich schöner und besser haben will. Seine Rebellion leugnet scheinbar jedesmal die Gesellschaft, die steife und zeremoniöse Kultur, aber das ist nur ein stark bewußter Spürsinn für die Interessen der Rasse, der ihn regelmäßig auf die neue Fährte bringt. Um Weibes Wonne und Wert dreht sich die ganze weltbekannte Prügelei, die die Welt bedeutet. Der Dichtersmann, der immerhin auch weniger ein Dichter war als eine resolute Mannsnatur, und aus der heraus schuf er, hat das auf seine eigene literarische Weise formuliert, in einem damals üblichen überirdischen Wortgemälde, [21] das natürlich nur die Hautfarbe ungemein sorgfältig porträtieren kann, ohne den Blutkreislauf und den Stoffwechsel zu erwähnen, denn so weit ist man derweile noch nicht. Er kam ja selbst gerade von dem nämlichen Chock her, und dafür wuchsen damals die Kräutchen im herrgottseligen Indien. Das wäre etwa so zu berichten. Die Bedeutung ist nicht mehr und nicht weniger die, er war ein Opfer der Rasse; er war ein fiebriges Rassewürmchen im Schöpfernachtdunkeln der Johannisweihwelt. Das machte ihn bekannt mit dem guten Gedanken von Wonne und Wert. Stets nächtigt der Weltentag und die sonnvermummten Himmel gehen geschwängert von einem ungeheuerlichen Glitzern und Gleiten des Blutes, das Irritable liegt in der Luft, und die Liebe wandelt ihre absonderlichen Schleichwege, wenn eine mächtige Zeit das Geschlecht wieder trumpfend und frei herausführen will in den gelichteten Tag. In dieser Beziehung braucht uns also nicht bange sein, wie gesagt, je heißer die Geschmäcker, die sich am Kalten labten, je Kierkegaardscher die Brunst, desto Jakobsväterlicher der Samen. Auch die Intellektualisierung der Geschlechtsvorgänge hat ihre Psychologie, sie wird sozusagen eine produktive Produktion, es ist nicht nur ein Fort-, es ist auch ein Hinaufpflanzen, wie es uns ehemals Zarathustra vorgeschlagen hat. Die Hauptsache ist, daß es wieder Männer und Weiber gibt, zwei ungleiche Pole zu einem Spannungsaustausche. Einen ausgesprochenen fixen Punkt, von dem aus der Mann die Welt in die Angeln heben kann. Sodann ist alle Hoffnung vorhanden, daß sie sich gebührlich weiterbewege.
Antonius heißt der Mann. Die Zeit und ihre Eisen warten auf ihn. Tasso war eine pfahlbürgerliche Genialität, die sich überlebt hat. Dergleichen soll nicht mehr vorkommen, denn in diesem intergenialen Jahrhundert, wo es Nationen von Genialitäten gibt, und wo anderseits das Genie nur nach seiner gut proportionierten Kraft gemessen wird, wäre es ein schlechtes Geschäft, das wir machten. Famose Einfälle und windelweiches Lyrilirium tremens kann ein jeder haben, wenn er sich mit Langeweile gegen das harte Leben narkotisiert, aber ein harter Kopf zu sein und eine diplomatische Stahlfeder, dem ganzen unerträglich mächtigen Leben mit elastischen Nerven gegenüber zu treten, das ist nicht jedermanns Sache. Versteht heutzutage ein Mensch kein anderes Handwerk als die Affekt-Genialität, so ist um die geringste Schonung schade, [22] die ihm zuteil wird. Herzblättchen war auch in der letzten Zeit gar zu anspruchsvoll – übrigens scheint es, als ob der Geschmack der Damen sich gewandt hätte. Wenns schon ein Dichter sein muß, dann wird der mit den muskulösen Händen bevorzugt und dem Pech an den Fingern, der die Schoten an seinem Lebensschifflein dichtet. – Denn das ist es: Die wahren Bücher hat stets ein Antonius gemacht. Kein Tasso wurde je noch Ökonom, wie Faust-Göthe, und begehrte den Anblick eines freien Volkes, geeint im Kräftespiel der Arbeit, in der Götterdämmerung eines Lebensabendes zu sehen. Und die schlechtesten Köpfe waren es nicht, die ihren Argwohn über den Dichter-Tasso nicht verhielten. Platon und Nietzsche kennen eine bessere Art des Wortes, als die des Dichters. Es ist nicht wahr, was man den Dichtern Wirksames nachgesagt hat.
Eine neue Jugend ist da. Merkwürdig ist, wie sie ohne Hurrah! und wenig vertrauenerweckend heraufkommt, und wie ihr die Reklame erst später, nach so und soviel Selbstüberwindung, Pflicht erscheint. Das ging so zu. In Zarathustra's Höhle fanden sich die letzten allerzuletztesten Möglichen zusammen. Selbst allerlei Viehzeug war darunter, aber nur eines war vergessen worden, ein ganz neues Lebewesen, das damals noch unreif war, oder was dasselbe ist, zu dem alles dazumal Bestehende noch unreif war, nämlich die Maschine. Darum bestand des Meisters Testament nicht ganz zu Rechten, und nur der Züchtungsgedanke erwies sich als gerechtes und praktisches Erbteil für das ganze Pandämonium, weil er eigentlich dem tiefernsten Instinkt der Idee von der Maschine am nächsten kam. Was nun die Jugend anbelangt, so trug sie deutlich das Gepräge des Greisentums und des Höhtenklimas, aus dem sie kam. Aber gerade darin lag ein beweiskräftiges Versprechen ihrer Originalität, das psychologische Troglodytenleben charakterisierte einen Anfang von Entwicklung, es wiederholte nach einem riesigen Zwischenraume das historische Frühmerkmal des einzuleitenden Prozesses. Darum auch trug die Jugend die fältigen Züge eines missing link, einer puberten Zwischenstufe. Was aus der Greisenhöhle kam, – und alles mußte dort irgendwie hindurch, denn dort stand unverrückbar sein Typus, durch den es hindurch mußte – was also von dort her kam, das war eine fällige Frucht und ein trächtiger Keim zugleich. Die tiefen Falten der Achtzehnjährigen waren die Babyfalten eines neuen Geschöpfes. Mit [23] achtzehn Jahren alt und mit einundzwanzig Jahren jung, das war der Ritterschlag des Lebens. Das Mannsbaby folgte auf den Jünglingsgreis. Es wog tüchtig und es hatte Propeller anstatt Lungenflügel, denn es sah überhaupt verdächtig einem intelligenten Mechanismus ähnlich, der sich seines Betriebes raffiniert bewußt war.
Es ist das Jahrhundert des Mannes. Die Dinge müssen mütterlich werden unter unserem Blicke, wie das Weib unter der Berührung des Mannes. Das ist die ganze blutjunge Weisheit im Auzug. Dann kommt womöglich dieses neue ungewisse Etwas, so eine Art viertes Reich, von dem allerdings noch kein Dichter bis jetzt geträumt hat. Doch auch dieses soll eine Synthese aller vorhergegangenen rechten Dinge sein. Des moralischen Reiches, präsentabel gemacht durch den modernen Literaten, des Reiches der Schönheit, der modifizierten Kulturkraftpose, und alles diesbezüglichen Witzes. Das wäre, was sich das dritte Reich im Prinzip gewünscht hat. Zum vierten Reiche aber fehlt das Neue, das allereigenste Kulturlachen, das Mündigkeitssympton der germanischen Rasse, der letzte Wurf ihrer Fruchtbarkeit: Und das ist ein Typus des Weisen, der erste Ritter eines neuen Ordens, der Erste der eisernen Männer mit dem exponierten Schutz- und Trutzmittel der höchsten Geistigkeit: Der Männer von der Maschine.