Vorrede

Ein Wörterbuch über die heilige Schrift machen, ist ein Geschäft, wie Petri Netz flicken. Es ist mühsam für Lehrer und Zuhörer. Jesus setzte das Gebet des Vaterunsers aus lauter gewohnten und im Talmud gängbaren Worten zusammen. Das Gebet JEsu war das kürzeste Wörterbuch; jetzo aber wird es ein langes Werk wegen den Spitzfindigkeiten der Partheyen. Doch weil man heut zu Tag in heiliger Schrift so eigenwillig herumwühlt, so ists nöthig.
Derjenige wühlt in der Schrift herum, der seinen Einfällen, so galant und schön sie sind, traut; Der ein Erfinder seyn will von neuen Gedanken, da er doch das, was ihm gegenüber steht, nicht mag zu Rath ziehen. Man muß sich gleichwohl behelfen mit einer so gezwungenen Art zu erklären, biß GOtt die eigentliche reine Sprach nach Zeph. 3,9. wieder herstellt unter allen Nationen. Man muß weder mehr noch weniger denken, als die Schrift, nicht nur wörtlich, sondern nach den verborgenen Aussichten, besagt.
Ein Gartenhauß, nach Alleen gebaut, hat viele Aussichten; diese gehören zum ganzen Sinn. Nun meynen viele, was nicht wörtlich in der Schrift stehe, solle man nicht hinein tragen; aber man suche zuvor das, was wörtlich da steht; man entziehe sich nicht, wie die, die oben aus wollen, ehe sie das bedacht, was wörtlich zu lesen. Wenn man alles, was wörtlich zu lesen, wohl zusammen faßt: so merkt man erst die Aehnlichkeit der Consequenzen im Ganzen. JEsum ehrt man, wenn man glaubt: er habe am vernehmlichsten geredet, und zwar in orientalischen kurzen Worten, die den Sinn nicht zerstreuen.
Das kürzeste Wörterbuch ist im Gebet des HErrn, als: Vater; Himmel; Nahmen GOttes heiligen; kommen des Königreichs; Wille Gottes, so weit er in den Himmeln geht, so weit, und nahe soll er auf Erden werden, nemlich auf der neuen Erden, wann alle Nationen um die Stadt GOttes wohnen werden; Tägliche Nahrung, tägliches Brod; Vergebung der Schulden von GOtt bitten nach dem Muster, wie wir aus Einsicht unseres Elends sollen anderen nachsehen; Versuchung, Unglück, Verhängniß in der grossen Welt, um diese sollen wir bitten; daß wir nicht hinein gerathen, ohne daß wir zurück kommen; als z. E. Wer nur den Heiland liebt, und seine Kinder versäumt, sie nicht lesen und lernen läßt, der stürzt sich in eine Versuchung, daraus er nicht heraus kan, biß GOtt von allem Bösen, das Satan angerichtet, da die Welt im Argen ligt, völlige Erlösung schenkt.
JEsus hat durch sein erhöhetes Fleisch und Blut alles bestandhaltend gemacht. In ihm wohnt die Fülle der Gottheit leiblich; und wir werden GOttes Erben und Miterben Christi, indem wir die körperliche Offenbarung GOttes aus der Tiefe der Ewigkeit durch Christi Fleisch und Blut zu erben fähig gemacht werden, und dardurch göttlicher Natur theilhaftig sind. Aber diß heissen die Idealisten, die die wesentliche körperliche Offenbarung verläugnen, Schwärmerey; sie lästern nur diß, sonst nichts. Aber diese Lästerungen fallen auf sie zuruck mit Heulen und Zähnknirschen.
Man muß die Werke GOttes verstehen, und nicht sagen: Wir wissen nichts, als daß die Körper undurchdringlich sind. Die Körper haben unsichtbare Kraise um sich, magnetische Ausflüsse, die man messen kan per quadrata Distantiarum. Die Werke GOttes geben grossen Verstand den Worten GOttes. Die Seelige im Himmel sehen in dem Tempel GOttes, und in der Hütte des Zeugnisses, Offenb. 15. die Worte und Werke GOttes nebeneinander; darum verstehen sie dort; erst die Schrift, und lernen, daß die Israelitische Ausdrücke der Schrift der vollkommenste Entwurf sind von dem Geheimniß GOttes und Christi; wiewol auch da nicht alle gleich grosse Erkenntnis haben. Die Offenbarung Johannis wir alsdann erst nach den Grund-Ideen verstanden werden. Semler, Teller, Basedow, und andere, werden vor der Einfalt der Schrift erschrecken, weil sie den nachdruck der Worte, nur als Jüdische Wortspiele angesehen. Wir handeln sehr klug, wenn wir mit Respect die trächtige Worte so lang, wie Maria, im Herzen bewahren: so werden wir dorten die Aufschlüsse desto mehr geniessen, je weniger wir sie hier eingesehen.
Durch die Erwegung und Vergleichung der heiligen Worte kommt man auf gesunde Gedanken. Wer aber aus sich selber klug seyn will, und es für affectirt hält, keusch zu seyn, ist in grosser Gefahr, Zerrüttung anzurichten. Die Rechnung des Schrift-Erklärers Bengels, wird grossen Lohn haben, und die, welche nur in der Schrift herum gewühlt, werden sich selbst verurtheilen. Wir suchen inzwischen so viel Nachdruck, als wir können; und diß Wörterbuch ist nur ein respectueser Versuch, nicht mehr und nicht weniger zu denken, als wir im Wort sehen, biß die Zeit Rosen bringt. Die Auslegungs-Regeln sind jedermann aus jedem Brief bekannt, nemlich: 1. der Endzweck; 2. die gleichlautende Worte; 3. die Extension und Comprehension, oder das, worinnen alles und jedes miteinander zusammen trift; 4. die Aehnlichkeit des Glaubens; und 5. die Werke Gottes. Aber nur der, welcher den Geist, und den Literal-Verstand merkt, und der sich selbst verläugnet, kommt zur Gewißheit, so viel sein jetziger Status mit sich bringt. Wer die Kraft GOttes nicht erfährt, der irrt mit allen Auslegungs-Regeln, und so viel er Neben-Absichten bey der Haupt-Absicht hat, so viel er in allem: tetufwtai mhden episamenoj [tetyphotai meden episamenos], er läßt sich denken zu wissen, und weißt nicht, wie man wissen soll.
Ich fahe vom End der Schrift an, Off. am letzten, und gehe alle massive Worte in ruckgängiger Ordnung durch. So und nicht anderst, wird man von Zweifeln frei. Man wird adiacritos, und anypocritos. So viel wir nun in diesem Wörter-Buch dieser einzigen Regel folgen: so viel sehen wir, daß ein HErr, ein Glaube, eine Taufe, eine Hofnung, ein GOtt und Vatter über alles, durch alles, in allem ist. So erreichen wir erst das Gefühl der heiligen Worte und da wird Empfindung und Verstand ein einig Wesen nach dem Ziel Jesu, daß sie alle Eines seyen.
Die Original-Ideen der Alten muß man nicht, wie Semmler, von sich weisen. Der Idealismus und Sadduceismus dieser Zeit will sie verbannen; aber sie dappen im Finstern. Diesen entgegen hab ich diß Wörter-Buch geschrieben. Homerus, und die Alten, hatten noch gesundere Ideen. Man lese Fontenelle von der Beredsamkeit.
Teller meynt es gut: Er will, wie Krügott oder der Christ in der Einsamkeit das Evangelium leicht und practikabel machen; er will die Geheimnisse, die man nicht erklären kan, weglassen, er will nach seinem Wörterbuch die Prediger dahin bringen, von dem Glück eines aufrichtigen Christenthums zu reden; und diß will er zu Stand bringen, indem er die falsche Vergnügungen der Einbildungskraft in blos sinnlichen Vorstellungen der Religion wegräumen will; Aber dadurch geräth er in eine falsche Uebersinnlichkeit. Die ganze Schrift ist voll sinnlicher Vorstellungen; und diese machen das meiste im neuen Testament aus.
Diß ist die Hauptabsicht GOttes, weil GOtt geoffenbaret ist im Fleisch, durch die Auferstehung JEsu alles körperlich und sinnlich vor aller Kreatur darzustellen, wie die Stadt GOttes Off. 21. 22. ganz sinnlich ist. Deswegen schreibe ich ein anderes Wörterbuch als Hr. Teller, und zeige, daß die Sinnlichkeit der Schrift die Hauptabsicht GOttes ist. Die Philosophie des Leibnizen bringt ihn dahin.
Diese will in der Ewigkeit uns die Harmonie aller Dingen offenbaren. Da sind die sinnliche Vorstellungen lauter jüdische Wortspiele; und diß ist der Hauptirrthum unserer Zeit. man muß ganz anderst denken, und den wörtlichen Ausdruck Christi in den Prophetn nicht von der Sinnlichkeit ausleeren. Denn was will Hr. Teller anderst, als alle Sinnlichkeit der Schrift ausleeren. Das ist sein ganzes Herz, dahin zielt er. Es ist doch Wunder, daß er dem 1000.järigen Reich noch seitwärts etwas einraumet, welches der offentliche Lehrer in seinem Schreiben an Hrn. Ober-Consistorialrath Teller ihm übel nimmt. P. 36 sagt derselbe offentliche Lehrer: durch die Offenbarung seye er an dem Irrthum des 1000.järigen Reichs verhindert worden. Dieser Lehrer muß also dieser Sinnlichkeit auch nicht gut seyn. Seine Anmerkungen zwingen ihn wider die Ausleerungen von der Sinnlichkeit des a. T. zu protestiren.
Er taxirt an Hrn. Teller, daß er die, die auf Erden, unter der Erden, und im Himmel seyen, nur für blose Menschen hält. Er taxirt, daß Teller sagt: Man müsse die unterste Oerter der Erden nicht so genau nehmen. Er taxirt, daß Teller muthmaßt: der Spruch 1 Petr. 3,4. komme von einer Tradition her. Ja, Jesus hat sie ihm in den 40 Tagen gegeben.
Er leert das Wort Geist, Gemeinschaft des Geistes, das Wort von Anfang, Joh. 1. die ganze Fülle der Gottheit, das Hohepriesterthum JEsu, die Versönung, ganz von allem Nachdruck aus. Da ich nun alle diese Verkehrungen und Auslerungen bestreite: so bilde ich mir ein, er werde mich für einen Schwärmer erklären. Der Tag wirds klar machen, ob er oder ich ein Schwärmer gewesen?
Schließlich ist noch zu bemerken, daß weil äusseres und inneres neben einander lauft, und Werke und Worte GOttes müssen zusammen genommen werden zur Erklärung der heiligen Schrift: so müssen viele äusserliche Dinge, die die Schrift voraus sezt, in diesem Wörterbuch mit eingeschoben werden. Denn man muß alles zusammen nehmen, was zur ganzen Analogie der Werke und Worte GOttes gehöret.

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