Christus

Ist der längst versprochene Gesalbte GOttes, der alle Namen hat, als: Eingebohrner, Erstgebohrner, Anfang der Kreatur, Wort, Leben, Licht, Weg, Warheit, Auferstehung, Immanuel. Der göttlichen Namen hat er sich auf Erden vor der Auferstehung, als er da hat das Leben in sich selber, von der Geburt Mariä an, nicht oft bedient, sondern hat in seiner Erniedrigung alles dem Vater zugeschrieben, der hat ihn nach und nach mit aller Fülle GOttes gesalbet, biß daß das Maas ohne Maas ware, welchen Punct wir nicht zu bestimmen wissen, es kommt uns auch nicht zu. Inzwischen ist nöthig zu wissen, daß JEsu alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben worden; und daß er mit dem heiligen Geist gesalbet worden ohne Maas, und daß alle verborgene Schäze der Weißheit und Erkänntniß in ihm liegen, daß er es aber gleich von der Geburt aus Maria besessen, das ist nicht. Dann
Erstlich: wann er Wunder that, so that er es nicht aus eigener macht, sondern er rufte seinen Vater darum an.
Zweitens: hatte er nicht alle Tugend auf einmal, sondern er hat an dem, was er litte, gehorsam gelernet.
Drittens: mußte die Feindschaft oder die Plumpheit in seinem Fleisch vorher abgethan werden durch den Tod des Kreuzes Eph. 2.
Viertens: mußte durch die Auferstehung es ganz ein anderes mit ihm werden.
Dieses hat einige verleitet von JEsu Christo in seiner Erniedrigung allzu ringfügig zu denken. Wahr ist: er hat im Glauben gewandelt, wie wir, als ein Pilgrim. Da möchte man wehnen, er hätte alles, wie wir, aus der Schrift erlernt; aber das verstehen wir nicht. Denn daß er nicht alles aus dem Wort erlernt, ist klar, denn er sahe den Satan als einen Bliz herab fallen; das hat er nicht aus dem Wort erst erlernt, sondern er wußte es daran, weil er nichts that, als was er sahe den Vater thun, und aus diesem Grund that er vieles, davon wir keinen Begrif haben. Es ist eine Verwegenheit der Neulinge, welche nicht alles mit jedem in gehöriger Zeit durch den heiligen Geist in Vergleichung bringen, und sich doch grosse Erkänntniß anmassen, dabei aber die Grenzen aus GOttes Rede an den Hiob nicht verstehen, was man wissen und nicht wissen solle. Man sagt: JEsus habe das Cananäische Weib erst aus ihrem Betragen nach und nach erkannt; so müßte er auch Judam nicht von Anbeginn gekannt haben, und viele dergleichen Dinge, da man etwas unbedachtsam redt wider des Menschen-Sohn, welches muß zuruck genommen, erkannt und vergeben werden.
Man folge JEsum nach in Verläugnung seiner scheinbaren Einfällen. Man sterbe seinen Lieblings-Meynungen ab, daran man Freude hat, wie Kinder an Bohnen. Alsdann wird der Geist JEsu den, der sein Wort bewahret auch unverstanden, wie Maria, sich ihm nach und nach offenbaren Joh. 14,21. er wird an ihm erfüllen, was JEsus an einen Ort gesagt Luc. 11,36. Er wird dich erleuchten wie ein heller Bliz. Das kan wohl geschehen, wann vorher die Reinigung vorgegangen, daß die Absicht auf JEsum von aller Finsterniß in dem Leib gereiniget ist, also daß er kein Stück von Finsterniß hat, so geht es fast wir Arnd am End seines Lebens. Nun kan man wohl vorher mit dem heiligen Geist versiegelt werden, aber jeziger Zeit geht es langsam her. Sonsten werden uns die Schäze, die in JEsu liegen, erst nach und nach durch viel Gedult eröfnet. Wer es nach Auslegungs-Regeln meynt zu erschöpfen, irrt sich weit, er weiß nicht, was Demuth und Liebe ist, die niemalen ihrem Müthlein im Urtheilen folgt perpereuetai [perpereuetai]. Es ist nicht nöthig, daß alle und jede dieses inne werden. Die Lehrer sollen wenigstens der Sache nachdenken.
Die nächste Ursachen, warum JEsus Immanuel genennt wird, seyn, nemlich die Kraft GOttes in der Creatur, da sich das Wort von Anfang allen Menschen einergeben zum Lebens-Licht, hernach durch GOttes-Bewegen in der maria erst recht wesentlich offenbar worden, ist mit der Kraft GOttes ausser der Creatur eine einige alles durchdringende umschliessende Kraft. Sie ist ungeschaffen, dabei aber gebohren, eines theils aus GOtt von Ewigkeit Mich. 5,2. andern theils aus der Menschheit. da ist GOtt und Mensch eine Person in Christo worden. Darum heisst er Immanuel, das ist, GOtt mit und in uns. Und obwol Jesus sowol auf Erden als auch noch im Himmel von GOtt unterschieden bleibt, und er sich nicht wohl GOtt hat nennen lassen Joh. 10,36. so ist er doch wegen der Einheit der Person und Zweiheit der Naturen dennoch GOtt. Er ist der HErr vom Himmel 1 Kor. 15. Er hat im vierten Monat in Maria eine menschliche Seele theils von unten, theils von oben bekommen, und in diesen beiden Naturen, ist das Wort Joh. 1. die Weißheit Sprüchw. 8. und die ganze Fülle der Gottheit vereinigt, also ist er GOtt und Mensch in einer unzertrennlichen Person, und darum heißt er Immanuel.
In der Person Christi ist die Creatur nicht aufgehaben. Die rechtschaffene Theologen, als Gerhard, Chemniz, bestärken die Communication der Eigenschaften der Gottheit und Menschheit; davon wollen aber die Hrn. Berliner nichts mehr wissen. Wäre die Kreatur aufgehaben, so könnte ich ihn als Hohepriester, als Lamm nicht mehr sehen in meiner der menschlichen Gestalt. Wir werden ihn aber sehen wieder kommen, wie er aufgefahren, und daran hat sich Schwedenborg zu seiner Schande vergriffen. Die Kraft GOttes in und ausser ihm ist eine Kraft unkreatürlich, und doch in der Seele kreatürlich, wie in vielen Spiegeln die Sonne sich faßt kreatürlich. In jedem Glaubigen ist er eine eigene Sonne in einem Punct gefaßt, und doch kan man keinen Ort oder Stätte anzeigen. Diese Sonne ist auch nicht in allen offenbar, weil unser Leben mit Christo verborgen. Wer begierig ist Christum nach allen Schäzen zu kennen, dem werden nach und nach, nach Beschaffenheit seines geistlichen Alters auch die Fragen schon hier beantwortet werden. Die wahre Antwort wird er erst in jenem Leben anschauend erlangen. Die Fragen seyn viele, nur wenige zu berühren.
Warum er der Weibes-Saame heisse, da er doch Manns-Gestalt angenommen? Was daran liege, daß er von Mariä Geblüt, und vom heiligen Geist überschattet und gebohren worden? Weil er der HErr vom Himmel als der erste Adam heisst, ob er eine unsichtbare Menschheit vom Himmel bracht? Ob nicht deßwegen, daß er mit seiner himmlischen Menschheit das Abtrünnige, Plumpe, Irrdische Wesen erhöhe? Ob er, weil er zweierlei Naturen gehabt, einen wahrhaftigen Leib, wie wir, angenommen, und uns in allem gleich worden, daß er gleichwol die Fülle der Gottheit, welche ein in sich wohnendes geistliches Wesen ist, leibhaft in sich tragen wolte? Was sein geistlicher Leib sey, ob er eingeschrenkt, oder in alle unermeßlichkeit aller Himmel Himmel ausgebreitet sey, und doch wie der heilige Geist alle Gestalten habe an sich nehmen kennen? Warum er Kraft des ersten Evangelii der Schlange den Kopf zertretten, und durch Tod den Teufel, der des Todes Gewalt hatte, zu Schanden machen mußte? Warum er in die unterste Oerter der Erden gefahren? Ob sein Leib nach der Auferstehung gewesen, wie er vor war? Warum das Blut so viel zu bedeuten des Teufels Werk zu zerstören? Ob er die Wohnung des gefallenen Engels eingenommen? Ob das nicht zu wenig seye, da er über alle Fürstenthum erhoben worden? Warum alles körperlich solle heraus gekehrt werden durch ihn, was in GOttes Tiefen verborgen liegt! Ob ihm deßwegen das Gericht übergeben worden, weil er des Menschen Sohn ist? Ob wir durch eine Vergleichung mit anderen Dingen zu verstehen vermögen, daß wir sein Fleisch essen und sein Blut trinken müssen? Ob diß der Grund der Auferstehung der Glaubigen seye? Ob er endlich mit seiner Menschheit in Ewigkeit unter uns wohnen werde, oder ob die Menschheit erhöhet und transformirt werde? Diese fragen darf nicht jeder beantworten, es gibt noch unzäliche Besonderheiten seines Leidens. Allein der heilige Geist lehret jeden so viel als ihm nöthig ist.

[Seitenanfang]

[Zurück / Stichwortliste]