Begierde, Orexis, und hernach epithymia.

Der Mensch hat so viel Neigungen, und Begierden, als ihm Dinge fehlen zu seinem Unterhalt. Siehe im A das Wort Affecten. Da ihn etwas von aussen anwandelt, daraus entsteht Begierde sein leeres auszufüllen. Paulus sezt im Menschen viel Willens-Bewegungen aus dem Fleisch und aus der Einbildung oder Vernunft. Thelemata Sarkos und dianian.
Aus dem Fleisch steigen von unten viel Begierden auf. Aus der Einbildung und Vernunft entstehen auch viel Verfänglichkeiten, woraus Gelüste und Anmuthigkeiten entstehen, die die Geister ausser uns besser einsehen, als der Mensch selbst; daher schießt Satanas seine Pfeile in die Begierden. Wenn die Begierden zur Gewohnheit werden, so sind es Leidenschaften.
Da können wir leicht begierlich werden des Bösen, 1 Kor. 10,6. Das Böse kan sich umwenden und wird eine Ursach zum Guten, und das Gute wendet sich, und wird eine Ursach des Bösen. Salomo sagt Sprüchw. Kap. 13,12. Wenn kommt, was man begehret, das ist ein Baum des Lebens, nemlich man freuet sich über etwas geringes, als hätte man das wiedergebohrne Salz der Natur oder die Tinctur der Wesen. Da muß man sich sezen und stillen. David sagt: Wenn ich meine Seele nicht sezte und stillte, so wäre ich wie ein von der Mutter entwöhntes schreiendes Kind. Aber alle Begierden werden durch Erkenntniß Christi gestillt. Ein Christ freut sich dessen, was er in Christo hat, so sehr, daß er seine Lüsten und Begierden einmal für allemal haßt nach Gal. 5,24. Leidenschaften kommen von den Wollüsten, die da streiten in den Gliedern Jac. 4,2. Die Begierden von aussen fallen von dem Anblik der Welt auf das Theil der Seele, wo das Licht zur Finsterniß worden. Matth. 6,23. Die Begierde, alles verdrießliche von dir wegzuschaffen, wird nicht erfüllt; darum erwähle bei Zeiten das Kreuz Christi, und aus diesem Grund thue oft, was dir am säuersten ankommt.

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