Wir werden diß hohe Wort niemal ganz erschöpfen. JEsus sagte zu Martha Joh. 11,23: dein Bruder soll auferstehen: ja sagt sie: in der Auferstehung der Todten. Nein, sagte JEsus: schon jezo; weil ich selbst die Auferstehung und das Leben bin, und sagt dabei: wer an mich glaubet, wird leben, ob er gleich stirbet, und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben, d.i. er wird des Todes Bitterkeit nicht zu Herzen ziehen, er wird sie durch mich und meine Erkänntniß besiegen. Jesus fragte die Martha als eine noch nicht sehr geübte: ob sie diß glaube? Sie antwortete richtig, so viel sie glauben konnte, nemlich: du bist der Sohn GOttes. Darinn liegt alles, was zu glauben ist. Martha glaubte demnach, daß JEsus die Auferstehungskraft und das Leben selber seye noch ehe er gestorben und auferstanden; weil er nicht nur des Menschen sondern der Sohn GOttes seye; sie glaubte, er habe als der Sohn GOttes alles in sich, was zur auferstehung jezt und künftig gehöre, nemlich alle leibliche und geistliche Werkzeuge, welche er werde durch seine göttliche Kraft heraus führen. Wer so viel von der Auferstehung glaubt, glaubt zum Anfang genug, und bezeugt seine Ehrfurcht vor dem Sohn, wie JEsus vor dem Vater, ob er schon nicht alles davon voraus versteht.
Martha wußte noch nicht, daß Jesus durch Leiden des Todes die Auferstehung sollte bewerkstelligen, und so müssen wir die weitaussehende Worte JEsu und der Apostel anfangs verstehen, ehe wir, wie Paulus 1 Cor. 15. die tiefe Einsicht in alle Ordnung der künftigen Auferstehung haben.
Martha erfuhr in der That, daß es so seye, als die laute Stimme des Sohnes GOttes in Lazarum hinein gedrungen: Lazare komm heraus. Die welche meinen, sie können durch ihre Auslegungs-Regeln so viel deutlich machen, als die Welt zu ihrer Gewißheit fordert, seyn eben diese, vor welchen GOtt das Geheimste in JEsu verbirgt. Sie suchen Ehre bei Menschen. Joh. 12,34. Man muß zuerst glauben: du hast Worte des ewigen Lebens, daraus kommt erst der wahre Geistes-Verstand, dabei die Auslegungs-Regeln erst in das wahre Geschick kommen.
So müssen die Worte, wiedergebohren, anagenao, genommen werden, welches die LXX. niemal gebraucht haben, weil Christus allein das Innerste der Geburten durch seinen Tod eröfnet. Dahin gehört anazoo Luc. 15,24. Offenb. 20,5. denn die Auferstehung JEsu ist eine wahre Geburt, da das himmlische sich empor geschwungen, und das Fleisch Christi doch Fleisch geblieben: denn das ist eine Geburt, wenn ein Wesen durch Umgestaltung der Theile, nicht nur durch Ausrollung, etwas wird, das es vorher nicht gewesen. Darum heißt die Auferstehung: Apgsch. 13,33. heute hab ich dich gezeuget. Durch die Auferstehung ist der Grund zur Wiedergeburt aller Seelen empor kommen. Daher sagt Petrus, daß uns GOtt durch die Auferstehung wiedergebohren habe. Nun dörfen wir nur empfänglich werden der Wiedergeburt durch Umwendung des Sinnes im Glauben. Zu Davids Zeiten, an dem Tag, als der zweite Psalm verfertiget worden, mag wohl, wie es einer von unsern noch lebenden gelehrten und gottseeligen Hrn. Superintendenten H. v. G. davor hält, in der Familie david eine würckliche Zeugung vorgegangen seyn zum Vorspiel auf Apgsch. 13.
Von der Auferstehung selbst nach Pauli Worten 1 Kor. 15,35-38. ist in dem Büchlein in Sorau gedruckt von der Auferstehung viel nuzliches zu finden.
Ich will aber meine eigene Gesinnungen über 1 Kor. 15 hier eröfnen. Wir sind viel zu kurzsichtig, wenn wir auch eine innerliche Erleuchtung hätten, dieses Meer von Einsichten Pauli zu übersehen. Erstlich ist es gewiß, daß die Auferstehung von der gebährenden Kraft GOttes kommt, daher gesagt wird, daß GOtt Christum von den Todten erweckt habe Ephes. 3. Obgleich JEsus Christus gesagt: Niemand nimmt mein Leben von mir, ich lasse es von mir selbst, Macht habe ich es zu lassen, und Macht habe ich es zu nehmen, und zwar aus des Vaters Gebott. Joh. 10,18. Dessen ungeachtet stehet die Vaters-Kraft überal oben an. Er ist der Vater Jesu Christi, weil nicht nur alle Vaterschaft, Patria, aus ihm kommt, sondern auch, weil er bey der Geburt JEsu, wie von Anfang in Mutterleib, so auch biß an sein Ende stets wirksam gewesen, Psalm 139. Ob wir es schon wegen der ruhigen Wirksamkeit nicht wahrnehmen. GOtt hat JEsu, der das Leben empfangen, zu haben in sich selbst, die Auferstehungs-Kraft nach seinem Leiden und Tod besonders eigen gemacht, daher hangt nach 1 Kor. 15. an der Auferstehung Christi alle Auferstehung der Todten, dann wie durch einen Menschen der Tod, so durch einen Menschen das Leben oder die Auferstehung kommt, und diese erstreckt sich in alle aeonen, biß Gott alles in allem ist, biß der lezte Feind, der Tod, aufgehaben ist.
Nun sagt Paulus vers 35. Wie werden die Todten auferstehen, und mit welcherley Leibern werden sie kommen? Da antwortet er, welcher so frage, der solte vorher die Saamen betrachten, dann wer darauf nicht achte, seye unachtsam (aphron nicht eben Narr); Was du säest wird nicht lebendig, es sterbe dann. Nun was stirbt, lebt vorher. Das Sterben ist nur eine Abscheidung der Dingen, die das Leben verdecken, Ablegung der groben Hülse, das treibende Lebende Wesen bleibt allezeit. Diß ist, was die Stäublein in die Form, und die Blum in die Figur bringt. Das kan ich aus einem Chemischen Experiment erweisen von Melissen-Oel, wie ich es in der Solution von der Seele nach Berlin aufgesezt. Die irrdische Hülse belibt in der Retorte, das bildende Oehl geht als ein Geist über mit völliger Form ohne Materie.
Ob nun wohl diß Experiment nicht jedermann beigeht, so ist doch in allem nach paulo vers 37.38. Rom. 8,22. ein gewisses vorlaufendes Gefühl und Gemerk davon, das seinen Ursprung herhohlt von dem verborgenen Sehnen und Verlangen nach der Herstellung ins erste Wesen, und nach der Loßmachung von der Eitelkeit oder vergeblichen bemühung. paulus fordert also von einem jeden Layen diß Gemerk, oder er ist faul, unachtsam und aphron, er hat kein Gemüth, kein gesundes in sich gehen.
Der Leib ist zweierlei: die grobe Hülse, und der Stoff zum geistlichen Leib. Dieser ist schon in dem bildenden Lebens-Geist, und derselbe nimmt die bleibende Stäublein wieder an sich, wann er in die Erde gesäet wird. So weit können wir nachsinnen, und Hiob confirmirt es: siehe in meiner Erklärung des Büchleins Hiob Kap. 17,16. Der eigene Leib heißt bei Hiob Minlah. Darum sagt Paulus 1 Kor. 15 das du säest ist nicht der Leib, der werden soll, sondern nur die äussere Schaale, die nicht zum Grund-Stoff gehört. Aus diesem Grund-Stoff gibt GOtt jedem seinen Leib, wie er will, jedem Saamen seinen eigenen Leib. Der geistliche subtile Leib ist im natürlichen verborgen, aber er kommt nicht ohne GOttes Auferstehungs-Kraft hervor. Und davon wissen wir sehr wenig. Wir bleiben stehen bei der Wirkung, damit sich Christus kan alle Dinge unterthänig machen. Nun wird im Ezechiel Kap. 37,9.10. gezeigt, daß die Stäublein aus den vier Winden zusammen kommen durch das Wort des HErrn. Und im Jes. 26. ist zu bemerken, daß der Thau, wodurch diese Auferstehung geschiehet, ein Thau der Lichter seye. Davon in dem Büchlein D. Oetingers von den Geburten pag. 29, 30. etwas zu schliessen angegeben wird. Die Palingenesie, da man aus der Asche die Blume erweckt, gibt den Weisen viel zu verstehen, und Hiob muß wohl auch gewußt haben Kap. 29, 3.4. was Cortolassäus und andere Weißen von Darstellung der 6 Tag-Werken schreiben. Wir sehen aber doch damit nicht in die Auferstehungs-Kraft GOttes hinein, sondern müssen diese mit stiller Ehrfurcht verehren, bis GOtt in fernern Zeiten das Verborgene der Geschöpfe herauskehrt Hiob 39, 15-17.