Amt des Buchstabens und Geistes. Diaconia grammatos & pnevmatos.

Davon redet Paulus 2 Kor. 3,6.7.9. Es scheinet zwar durch den Buchstaben verstehe Paulus das Gesez Mosis, und das Amt des Todes vers 7. Wenn man aber alles mit jedem vergleicht, so denke ich also: Buchstabe ist alles, was auch bei dem Amt des neuen Testaments theils einseitig, oder ohne alles zusammen zu nehmen, theils verkehrt nach den Elementen der Welt ausgeleget wird. Ich beweise es also: Paulus schreibet eine Vertheidigungs-Schrift wider die, welche seine neutestamentliche Reden theils allzu einseitig, theils verkehrt verstanden. Es ist diß klar aus Kap. 11,3. Da klagt er, daß durch einen gewissen Mann vers 4. der das Judenthum mit dem neuen Testament vermischet hat, er herab gesezt worden, daß seine Worte keinen Eingang hatten, oder daß er weniger geachtet worden, als die hohen Apostel, und daß derselbe Mann sie durch scheinbare Gründe von der Einfältigkeit auf Christum abgeführet vers 3. Alle diese scheinbare Gründe waren aus dem Buchstaben, und nicht aus dem Geist. Diesen Mann hatte der Buchstab getödtet, daß er das Amt des neuen Bundes, nicht führen konnte, sondern daß er die Korinthier irre gemacht, indem er sie auf nebensachen geführet, durch Buchsäbliche und äussere Erklärung gewieser Streitsachen in der Gemeine. Auf diß zielet nun Paulus schon im 3 Kapitel, und defendirt sich, GOtt habe ihn tüchtig gemacht, das Amt des neuen Testaments zu führen, nicht nur im Buchstaben, wie dieser falsche Apostel, sondern im Geist. Dieser falsche Apostel hatte Petrum, als der Juden Apostel, höher gehalten als Paulum, und Petri Reden und Thun der Lehre Pauli scheinbar entgegen zu sezen gewußt, auch hat er seine Absichten auf die Gunst, den die Kayser den Juden vor den Christen gegeben, mit hinein geführt. Siehe Beausobre preface über die Episteln an die Korinthier und Galather. Dieser hat demnach das Amt des neuen Testaments im Buchstaben nicht im Geist geführet, und das Judenthum mit dem Christenthum verbunden. Darum redet Paulus in dieser Connexion vers 7, als ob der Buchstabe zu nehmen wäre vor das Gesez der Juden. Man siehet aber wol, daß er durch particulam adversativam aber eine Diversion machet, die Klarheit des neuen Bundes gegen dem Alten hoch zu preisen: so folgt also daraus nicht, daß Pauli Spruch, darinn er ausdruckentlich sagt: GOtt habe ihm das Amt des neuen Testaments gegeben, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes, also zu deuten seye, als sagt er: Er GOtt hat uns nicht das Amt des Gesezes, sondern des Evagelii gegeben, sondern GOtt hat uns das Amt des Evangelii gegeben, daß wir es nicht im Buchstaben, sondern im Geist führen sollen. Und damit stimmet überein und zusammen was nach der Diversion des 7 bis 11ten Vers stehet, weil wir solche Hofnung haben, brauchen wir grosse Freudigkeit, wir verdecken uns nicht unter jüdischer Art, sondern wir offenbaren die Klarheit des Evangelii im Geist. Wir meiden die Scheu, die sich verborgen hält unter künstlichem Geweb der Schlüsse aus dem Buchstaben, wir haben sie nicht nöthig, wir verachten die 32 Auslegungs-Regeln der Juden nicht, wir schliessen sie aber im Geist ein, und beweisen uns gegen aller Gewissen der Menschen vor GOtt.
Auf solche Weise ist klar, daß Paulus durch Buchstaben nicht das blose Gesez Mosis versteht, sondern alle scheinbare, theils einseitige Gründe aus nicht genugsamen Datis novi Testamenti, theils verkehrte Gründe aus Einmischung femder entweder Welt- oder Juden Meinungen, wodurch die Menschen um die Grade nohmata gebracht, und aus dem einfältigen einförmigen Zusammenschluß des Geistes und Sinnes auf JEsum abgeführet werden. Man kan also absonderlich zu unserer Zeit das Evangelium gebrauchen, daß man vom Geist abkommt, und in ein vielfach Buchstabenwerk verwickelt wird, dabei man Schaden leidet.
Und diß geschiehet, wenn man aus einzelen Sprüchen agirt, da man viele solte zusammen nehmen, und aus der ganzen Analogie handeln.
Oder, wenn man eine der heiligen Schrift fremde Philosophie mit untermischt, und die Geheimnisse JEsu nach den Idealistischen Säzen erklärt.
Aller Buchstab heiliger Schrift hat einen gewisen Sinn, der Sinn kann ohne Geist oder mit Geist seyn: darum sezet Paulus Geist und Sinn neben einander. 1. Kor. 14. Geist ist etwas eingewickeltes, Sinn ist eine Auswicklung, Auseinanderlegung dessen, was aus dem innersten Punct sich ausbreitet. Es kan also ein Sinn seyn ohne Geist, es kan aber auch zuweilen Geist seyn ohne ausgewickelten Sinn.
Damit dich der Buchstab nicht tödte, oder mit Nebensachen ausser dem Zweck des Geistes einnehme, oder dich gar in lügenhafte Meynungen der Warheit ganz entgegen einführe, so mache dich loß von den Absichten auf die Welt, suche die Ehre von GOtt, wehle das Beste, vergleiche den Schaden mit dem Nuzen. Komme in allen deinen Sachen ans Licht, dasselbe wird dich gerad, aufrichtig, unverdrossen und beständig machen, siehe, daß du keine Sache, die aus gutem Sinn geredet oder geschrieben ist, argdenklich nehmest, oder um Worte streitest.

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