Dessen wird in der Epistel an die Römer mehr nach seinem Fall und Uebertrettung, als nach seinem ersten Stand und Bild GOttes gedacht. Wann man aber alles zusammen sucht, worauf im N. Testament dahin gezielet wird, so lauft es dahin aus: Paulus führt den wichtigen Punct aus, daß die Liebe GOttes ausgegossen seye in unser Herz durch den H. Geist, welcher uns gegeben ist, nemlich durch die Lehre: Daß Christus für uns gestorben, da wir noch nichts von ihm angenommen. Da wir nun durch den Tod Christi versöhnet seynd als Feinde GOttes, so seynd wir vielmehr seelig durch sein leben, da wir wirklich versönt worden.
Durch diese Lehre ist der heil. Geist, der am Pfingst-Tag der ganzen Gemeinde geschenkt worden, in uns ausgegossen, nemlich wann wir sie verstehen. Diß Ausgiessen des heil. Geistes müssen wir aus der Lehre verstehen nicht aus dem Gefühl des Ausgiessens. Daher macht er einen langen Beweiß davon Rom. 5,12-21. warum der erste und zweyte Adam miteinander verglichen werden. Der erste nach der Uebertrettung, die sich durch den Tod auf alle ergossen, da sie noch nicht gebohren waren. Der zweyte nach der Gabe und Gnade des Lebens, die sich über die viele oder alle zumal mit Ueberfluß ausgebreitet durch des zweyten Adams Gerechtigkeit. Nun herrsche die Gnade GOttes durch die Gerechtigkeit zum ewigen Leben durch JEsum Christ. Auf diese Art müsse man seine Gedanken ordnen, wann man der Ausgiessung der Liebe GOttes durch den heil. Geist wolle gewiß seyn. Nun fragt sich, ob in dieser Vergleichung des ersten und andern Adams mitbegriffen seye, daß Adam nach der festgestellten Ordnung GOttes als Haupt anzusehen seye, dessen Uebertrettung allen, die noch nicht gebohren und seyn, den Tod zugezogen! so wird geantwortet: Ja! Denn wenn Adam nicht als Person, die das ganze menschliche Geschlecht vorstellt, anzusehen wäre, so könnte nicht aus Pauli Schlüssen Gal. 3. ersehen werden, daß das Wort: Thue das, so wirst du leben v. 12. und das verfluchet sey, wer nicht hält alle Worte des Gesetzes, eine Verbindlichkeit Adams auf alle und einen Fluch der Sünde auf alle nach sich gezogen habe; so könnte auch nicht schulmäsig aus Paulo erwiesen werden, daß der ewige Bund GOttes Ebr. 13. Christo eine Verbindung auferlegt, das Gesetz zu erfüllen, und durch Erfüllung des Gesetzes alle Gerechtigkeit für uns zu vollbringen. Kürzer zu sagen, daß die sinaitische Verordnung für JEsum Christum ein Werkbund, und für uns ein Gnaden-Bund gewesen.
Wenn nun das nicht wäre, solte nicht Toussaint in seinem Buch des moeurs einwenden, daß GOtt so eine fürchterliche Abschilderung seines Zorns auf Sinai umsonst vorgestellt, und daß er als ein Tyrann, nicht als ein Vater sich da abgebildet hätte, vid. les moeurs p. 111 Tit. amour filial. Aber Toussaint sahe nicht, daß das Geheimnis darunter verborgen gelegen; daß der Sinaitische Bund vor Christum da gewesen, die Forderung der Heiligkeit GOttes offentlich aufzustellen, und daß Christus durch Erfüllung des Gesetzes habe genug thun müssen, um die Gnade nach Recht und Gerechtigkeit oder wie die Schrift sagt, den Seegen Abrahams auf uns zu bringen, daß Satan der Verkläger der Worte GOttes nichts an dem Erlösungs-Werk Christi aussetzen oder tadeln könne. Dann weil alle Ordnung GOttes dahin auslaufe, daß Satan, der seine Wohnung freventlich verdorben und gesehen, daß der Mensch an seiner Stell die Erde besizen soll, offentlich vor Engeln und Menschen solle zu Schanden gemacht werden, und weil Satanas seine Verläumdung und seine Calumnien biß dahin fortsezen werde, biß er zum Schemel der Füsse Christi, und der ganzen Menschheit gelegt werden wird: So muß nothwendig diese Darstellung auf Sinai der ganzen Kreatur dazu dienen, daß sie sehen, Christus habe alle Gerechtigkeit rechtlich und Processmäsig erfüllt, damit Satanas und seine ausgestossene Lästerungen vor den Heiligen rechtlich und Protocollmäsig gerichtet werden im ewigen Gericht. Nun ist wahr, daß Paulus, der damal lehrte, daß ohne Zuthun des Sinaitischen Gesezes die Gerechtigkeit GOttes komme durch den Glauben in alle, und über alle Glaubige, die Vergleichung des Falls Adams und des Lebens JEsu nöthig gehabt hat, die Sache vom Glauben auseinander zu sezen. Ob aber in unsern Tagen, da der status Controversiae nicht ist vom Gesez, es noch so nöthig seye, ist eine andere Frage? Wir eilen dem ewigen Evangelio zu. Die Zeit wird kommen, daß Adam und Christus viel genauer gegeneinander gestellt werden, als Paulus es gethan. Paulus an die Korinther mahlt den ersten Adam also ab 1 Kor. 15,47. Der erste Mensch war von der Erden und irrdisch, der andere war der HErr vom Himmel. Nun stellt uns Jac. Böhm, ein Prophet unserer Zeit, und vielleicht der Engel des ewigen Evangelii, den ersten Adam mit höheren Charactern vor als Paulus. Paulus sagt: der erste Mensch ist gemacht ins natürliche Leben, der lezte Adam ins geistliche Leben. Der geistliche Leib ist nicht der erste, sondern der natürliche, darnach der geistliche. Jac Böhm sagt nicht, daß das natürliche Leben vor dem Geistlichen gewesen, aber J. B. moquirt sich nicht wider Mosen, wie Toussaint in angezogener Stelle, da er die Gottheit auf Sinai als der Römer Gott des Fiebers vorbildet, aber er dehnt doch seine Schlüsse aus seinen geistlichen prophetischen Beschauungen zu weit aus, daß es scheint, er rede nicht, wie Paulus. Was er sagt, scheint vor unsere Zeit nicht erweißlich, daß Adam in Engels-Gestalt erschaffen worden. Wahr ist, daß er einzel und allein, nicht sogleich separirt von Eva, geschaffen worden. Das Weib war anfangs die Herrlichkeit des Manns, in Adam aber nicht separirt, sondern in ihm als ein Lichts-Glanz 1 Kor. 11. Doch da die heilige Schrift so sparsamlich redet von diesen Dingen, so scheint mir nicht rathsam, vor der Aufklärung dieser Dingen in der lezten Zeit zu sagen; Adam sey in seiner ersten Schöpfung gewesen, wie wir in der Auferstehung. Diese Dingen gehören aber in Disciplinam arcani, und sollen nicht vor der Zeit so weit verfochten werden, biß genugsame Einschrenkungen des Lichts in dem tausend jährigen Reich gegeben werden, da wird auch das, was in J. B. zu viel ist, corrigirt und in seine rechte Ordnung gebracht werden.