Abgrund. Abyssus. Siehe Tiefe.

Die Welt, d. i. alles, ausgenommen GOtt Ebr. 2,89. (Lection vera.) wird eingetheilt in das, was im Himmel, auf Erden, und unter der Erden ist. Demnach ist alles der Abgrund, was nicht im Himmel und oben auf Erden ist. Es ist ein Reich der Finsterniß und des Todes, welches ein Leben hat nach seiner Art, welches Leben von dem Feuer, und Rauch des Abgrundes unterhalten wird, welcher Rauch eine Figur ist der verdüsterten Lehre der Perser. Offenb. 9,2. Die Perser heissen Heuschrecken, die aus dem Rauch von dem Abgrund hervor gebracht werden. Sonst ist Abgrund ein tiefes Wasser, wohin die Dämonen sich gefürchtet gewiesen zu werden Luc. 8, 31. aber in heiliger Offenbarung ist das Meer der Erde, und der Abgrund dem Himmel entgegengesezt. Es bedeutet allda niemal das Meer selbst, sondern die Finsterniß der Tiefe, welche ein unsichtbares Principium agendi in sich hat, so daß nicht nur die Perser davon angetrieben, animirt, und begeistert worden, sondern auch das Thier aus dem Abgrund, d.i. aus den zusammen concentrirten Kräften aller Finsterniß seinen Trieb, Geist und Bewegung haben wird. Die Welt ist eine Kette, welche ausgebreitet ist a non gradu ad non gradum, d.i. von dem, was dem Menschen unbegreiflich ist wegen seiner Tiefe, zu dem, was über allen Verstand ist wegen seiner Höhe. Das Tiefste ist eine schöckliche Kälte und Frost wirkende Finsterniß des Abgrunds.Das was über allen Verstand ist, ist Deitas nuda sive indumento. Das Mittlere zwischen beiden ist im Himmel und Erden, das mit reiner Erden vermischte Wasser, daher heißt Himmel vom Wasser schamajim, und die Erde besteht aus Wasser, und durch Wasser 2. Petr. 3. Nun kanst du dir besser als vorher, einbilden, was Abgrund ist nach heil. Schrift. Hiob wußte mehr davon als wir. Siehe mein kurz und verständlich erklärtes Buch Hiob pag. 666. 667. Er sagt, daß die Nacht seiner Empfängniß durch dazu bestellte Leute hätte sollen verwünschet werden; weil sie so greßliche Leviatans-Gestalten erweckt habe. GOtt aber antwortet dem Hiob, er wolle ihm sagen, was er nicht wisse, nemlich was die Sache Leviathans seye Kap. 41.
Hiob unterscheidet mancherlei Grade der Finsterniß. Das äusserste dunkel oder wie JEsus sagt skotwj exwteron [skotos exoteron], heißt er Ophe, nächst an den Schatten des Todes. Hernach Choschech.
Die Worte sind gar besonder, weil er Grade der Finsterniß mit Graden des Lichts vergleicht. Kap. 10, 10-22. sagt er: Laß ab von mir, ehe dann ich hingehe in das Land der erschröcklichsten Finsterniß und Todes-Schatten vers 22. ins Land der schwindelhaften Dunkelheit, dergleichen das dickste Dunkel der Toden-Gegenden ist, wo die Finsterniß viel grösseren Schwindel, als aller Glanz des Lichts bringt, als dessen hellstes Theil der gröste Grad der Nacht ist. GOtt fragt den Hiob Kap. 38, 17. Haben sich dir die Todes-Thore aufgethan, und kanst du sehen die Thoren des Todes-Schatten? Endlich mein Leser, halte noch dagegen, daß Zacharias den Tag des HErrn beschreibt, daß er sich anfangen werde mit Kälte und Frost, welche von diesen tenebris activis entstehen wird, und daß erst am Abend dieses Tages Licht seyn werde. So wird also der Tag des HErrn ein umgekehrtes Hexaemerom seyn, welches von dem Abgrund und Pforten des Todes anfahen wird sich zu bewegen, biß der Tod in den Sieg verschlungen ist zum erstenmal.

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