Carl Christian Bry: Verkappte Religionen

Für eine Neuauflage vorgesehene ergänzende Kapitel
nach der Ausgabe von Klaus E. Zippert, Lochham: Gans 1964 

Inhalt

XXI Frömmelei und Religion

XXII Unfeierlichkeit

XXIII Kirche und verkappte Religionen

XXIV Die Weiterentwicklung

XXV Was bleibt?


 

XXI FRÖMMELEI UND RELIGION

Das vorstehende Buch hat seinen Autor froh überrascht, weniger dadurch, daß ein paar tausend Menschen in Deutschland bereit waren, Geld dafür auszugeben, als durch die Art, wie das Buch auf nicht wenige Leser gewirkt zu haben scheint. Da ich selbst Buchhändler war und ein Kritiker bin, so weiß ich, was sich durch verständige Bemühung zugunsten eines guten Buches (und häufig auch eines nicht guten) erreichen läßt. Nur eines läßt sich dadurch nicht erreichen: daß sich der Leser persönlich getroffen fühlt. Gerade das aber scheint bei diesem Buch nicht selten der Fall zu sein.
Offen gestanden habe ich vor Erscheinen meines Buches nicht geglaubt, in einem Mischmasch von hundert pro Tag - das ist gegenwärtig ungefähr der Stand der deutschen Büchererzeugung - irgend einen Menschen in Deutschland noch so treffen zu können, daß er auf Brief- oder Zeitungspapier eine Auseinandersetzung beginnt. Vor allem überrascht mich der Leserkreis. Er scheint zum guten Teil aus Leuten des praktischen Lebens, aus Nichtliteraten zu bestehen. Gedruckte Kritiken berühren mich seltener: Ich schreibe selber viele. Wenn aber ein mir unbekannter Mann, der von morgens um acht bis abends um sechs Büroarbeit tut, nach dem Abendessen noch die Kraft aufbringt, mir mitzuteilen, da mir Backfische wohl kaum schreiben dürften, wolle wenigstens er mir schreiben und dann einen langen Brief voll wertvoller Einzelwinke hinzufügt, so erscheint das dem skeptischen Autor beinahe als ein Wunder; vor allem, wenn es kein Einzelfall bleibt. Denen, die ohne berufliche Beziehung mit dem geistigen Leben sich von diesem Buch getroffen fühlen, danke ich besonders. Ihre Stimmen sind [308] die einzige wirkliche Gewähr und Bestätigung, die ein Bücherschreiber heutzutage von der Außenwelt empfangen kann. Gelingt es uns nicht, so zu schreiben, daß sich gerade diejenigen getroffen fühlen, die nicht schreiben, so würden Verleger und Autor in jeder anderen Tätigkeit nützlicher und besser aufgehoben sein.

Fibeln
Die vorstehenden Blätter sind eine Fibel; oder sie sollten es wenigstens sein. Es lohnt sich, nach der Masse der verschiedenen Alphabete, die uns im letzten halben Jahrhundert von mehr oder weniger geschickten Lehrern beigebracht worden sind, einmal zur Grundschrift zurückzukehren. Vielleicht klingt das anmaßend; es ist aber natürlich. Mag Dichten immerhin nur ein harmloser Übermut sein; Kritik hat in jedem Fall ein Element von Unverschämtheit, das sich nicht ausmerzen läßt.
Ich bin in dieser Verdammnis gerade augenblicklich nicht allein. Einige ganz verschiedene Bücher der Jahre zwischen 1910 und 1925, Hans W. Fischers »Schädelstätte«, Chestertons »Was unrecht ist in der Welt« und Bruno Tauts »Die neue Wohnung« verfolgen auf anderen Wegen genau das gleiche Ziel: zunächst einmal aufzuräumen, den Grund freizulegen. Lehrten uns die alten Lehrmeister in einer verwirrenden Fülle von Bewegungen, Schriften, Artikeln und Büchern, was wir alles zu tun und an was alles wir zu glauben hätten, um wirklich zeitgemäße Menschen zu sein, so versuchen wir neuen Fibelverfasser erst einmal, unsern Lesern zu sagen, woran die Menschen wirklich nicht mehr zu glauben und zu hängen brauchen. Wenn der Leser z. B. dieses Buches ein Gefühl der unmittelbaren Erleichterung aus den Seiten nimmt, so ist ihr Hauptzweck erreicht. Meine Leser zunächst zu veranlassen, Ballast über Bord zu werfen, ist mein Hauptziel. [309]

Frömmelei der Vernunft
Allerdings ist mir gesagt worden, meine Fibel sei nicht ganz leicht zu lesen mit deshalb, weil sie zu leicht zu lesen sei. Die Kritik geht bereits beim Titel an. »Verkappte Religionen« seien nach der Logik echte Religionen, die nur ihr Gesicht nicht offen zu zeigen wagten. Es müsse heißen »Ersatzreligionen«, »Religionssurrogate« oder ähnlich. Während die Kritik richtig ist, ist der Vorschlag falsch. Wenn ich von Religionssurrogaten, Religionsersatz oder dergleichen gesprochen hätte, wäre mir zweifellos mit derselben Schärfe und demselben Recht, mit dem jetzt die Wortbildung »Verkappte Religionen« kritisiert wird, vorgehalten worden, daß doch die wissenschaftlichen und politischen Bewegungen unserer Zeit mit Religion gar nichts zu tun haben wollten, daß sie ganz weltlich seien. Gerade das ist das Merkzeichen der behandelten Bewegungen, daß sie sich zu ihrem pseudoreligiösen Charakter nicht zu bekennen wagen, sich verkappen. Der »richtige« Titel hätte also auszudrücken, daß es sich um Gebilde handelt, die noch ihre Pseudoreligion verkappen. Da er eine doppelte Verneinung ausdrücken muß, ist er einigermaßen schwierig zu finden. Vielleicht ist einer der Leser glücklicher als der Autor, der nach Friedrich Theodor Vischer ja immer dümmer ist als er selbst.
Denn das einzige einigermaßen deckende Wort, das der Autor in der Arbeit von sechs Monaten seit dem Erscheinen der Erstauflage zu finden vermocht hat, ist: Frömmelei der Vernunft. Es umfaßt in der Tat sämtliche Erscheinungen, die im Vorstehenden als verkappte Religionen bezeichnet sind. Aber es umfaßt zugleich mehr, und bei weitem ernstere und gefährlichere Erscheinungen; Erscheinungen, die ein eigenes Buch wert wären. Es umschließt die ganze religiöse Voreiligkeit unserer Tage, aus der die »Verkappten Religionen« nur ein winziges Teilgebiet bilden. Es umschließt alle die bedenklichen Versuche, aus Reaktion gegen ein Leben, aus dem Gott [310] verbannt zu sein schien, nun schleunig durch eine Anstrengung des klugen Kopfes, der formalen künstlerischen Behendigkeit, der tiefen theologischen Spekulation zur Religion zurückzukommen, was doch nur durch geduldiges Offenstehen und durch Gottes Gnade möglich ist. Die Worte »Frömmelei der Vernunft« würden ferner umschließen alle jene geistig wenig würdevollen Versuche, Religion zu importieren, nicht durch Jüngerschaft, sondern durch Bücher und Artikel über indische Konvertiten oder chinesische Philosophen. Man darf dahingestellt sein lassen, wieviel indische Bekehrte oder chinesische Weltweise zu unserer Wiedererweckung zu Gott beitragen können.
Aber man darf nicht übersehen, daß durch eine vorschnelle Ausnutzung und Einspannung dieser Erscheinungen in die großenteils leerlaufende Mühle des Geistes und Ungeistes diese allenfalls mögliche Wirkung ganz sicher zerstört wird; daß die religiöse Inkraft eines Menschen, die uns vielleicht Vorbild und Ermutigung sein könnte, vorschnell herabgewürdigt wird zu einem Modeartikel. Noch weniger dürften die, die in unserer heutigen Welt wieder den Atem Gottes spüren oder zu spüren meinen, die andere Tatsache übersehen, daß auch ein ehrliches und unbedingtes Erwachen Gottes in der eigenen Brust nur Vorstufe ist; daß Religion mehr bedeutet: Verbundenheit des Fühlens und Handelns, ja, der ganzen Welteinrichtung, soweit sie von Menschen abhängt, in dem, was als Geist und Befehl Gottes in ihnen lebendig geworden ist.
Vorläufig sind unsere religiös Voreiligen, unsere vernünftig Frömmelnden noch nicht einmal bis zur ersten Stufe gelangt. Sie reden viel, ach allzuviel von Gott und Religion. Sie sind voll »religiöser Stimmung«, was das sichere Mittel ist, der religiösen Gebundenheit und Verbundenheit nicht näherzukommen. Diese mit äußeren Mitteln und innerer Hilflosigkeit erzeugte Stimmung unserer Tage bildet das Haupthindernis, weshalb wir zu wirklicher Frömmigkeit nicht kommen. Denn [311] Frömmigkeit ist in ihrem Beginn Entscheidung und Gnade; religiöse Stimmung aber, die ihre innere Hilflosigkeit mit den Mitteln der Kunst und Spekulation zu verdecken versucht und sich befriedigt fühlt, weil sie sich der Erlösungsgewalt Gottes wenigstens von außen her, durch Reaktion genähert zu haben glaubt - solche religiöse Stimmung ist vorschnelle Befriedigung und daher ewige Unentschiedenheit, die uns zur Frömmigkeit nicht kommen läßt.
Für das »Religiöseln« unserer Tage ist es ja nur allzu bezeichnend, daß in Dichtung und Weltweisheit und in feuilletonistischer Theologie (die z. B. keck genug ist, »Jesus, wie ich ihn sehe« zu schildern, während der kälteste und intellektuellste Literat das »Wie ich ihn sehe« mittlerweile doch einigermaßen verwunden hat) - daß überall die großen Worte »Gott« und »Religion« mit solcher Wollust hervorgezerrt werden; während das viel engere und bestimmtere Wort »Frömmigkeit« weder in der Poesie noch in der Philosophie Auferstehung feiert. Im Gegenteil, immer noch sind tiefsinnige Betrachtungen etwa darüber möglich, daß wir für »Religion« kein deutsches Wort hätten. Nun ist klar, daß Frömmigkeit keine Übersetzung für Religion ist; wenn man aber scheu an der Erkenntnis vorbeigeht, daß das deutsche Wort das Lebendigwerden der Religion enthält, nach dem wir so sehr schreiben und schreien, so deutet schon dieser Umstand auf die Fragwürdigkeit der Inbetriebsetzung unserer religiösen Sehnsüchte. In dem engeren und einfacheren Wort Frömmigkeit spürt eben noch der Intellektuellste eine feste innere Verbindung und Verpflichtung, welcher er sich bei den großen Worten Gott und Religion leicht durch die Flucht in eine im Grunde unverbindliche religiöse Stimmung entziehen kann. »Den Vortrab meiner religiösen Zweifel, der sich zu weit vorwagt«, sagt Bismarck, »den rufe ich zurück«. Für uns wäre das Umgekehrte ratsam: manchmal den Vortrab unserer religiösen Sehnsucht zurückzurufen. [312]

Der religiöse Mittelpunkt
Mancher, der mir innerlich nahesteht, obwohl ich ihn nicht kenne, hat am Buche und Autor das religiöse Zentrum vermißt und die Lösbarkeit der Aufgabe, die verkappten Religionen ohne Exponierung des religiösen Mittelpunktes zu behandeln, verneint; andere haben wenigstens für eine feste Werttheorie, sei sie von Driesch, von Stern oder von Scheler, plädiert. Es lohnt sich, auf diesen Vorwurf einzugehen; denn er enthält mehr, als diejenigen ahnen mögen, die ihn erhoben haben.
Dem ganzen Buche eine feste Werttheorie zu unterlegen, von wem sie auch sei, habe ich mit voller Absicht vermieden und werde es auch in Zukunft nicht tun. Denn es handelt sich in meiner durchweg ablehnenden und kritischen Darstellung ja gerade darum, erst einmal den Wert, den einen Wert zu gewinnen, von dem aus dann alles andere sich mit einer hohen Selbstverständlichkeit ordnet und regelt. Ich darf ruhig sagen, daß in dieser Absicht das vorstehende Buch mit allen seinen Mängeln doch tiefer und gründlicher ist, als Werttheorie und Ordnungslehre, welche fromme Wünsche bleiben, solange wir nicht den lebendigen Menschen, der die Werte schafft und dem die Wertstufen dienen, etwas gründlicher gesehen und ihm zu seinem Recht verhelfen haben. Wobei man auf die viel tiefere und fürchterliche Frage, ob Ordnungslehre und Werttheorie jemals von außen Ordnung und Rang geschaffen oder nur die bestehende innere Ordnung der Welt bestätigt und zu schützen geholfen haben, gar nicht einmal einzugehen braucht.
Damit berühren wir die zweite Frage, die des religiösen Zentrums. Es ist hier kein Ort für persönliches Bekenntnis. Ich darf ein paar Tatsachen ins Gedächtnis rufen, die gleichfalls über der religiösen Sehnsucht vergessen zu werden scheinen.
Mir will es nicht ganz ungefährlich erscheinen, das religiöse Bekenntnis, den alles bewegenden, alles klärenden Mittelpunkt gerade in einer so scharf scheidenden Arbeit herauszustellen, [313] wie die vorstehenden Seiten zu sein die Absicht haben. Man kommt dann in Gefahr, zu schnell mit den Dingen fertig zu sein aus keinem anderen Grund, als weil man selbst, eben durch den religiösen Mittelpunkt, mit ihnen fertig geworden ist.
Gerade an einigen der größeren, religiös bewegten Schriftsteller im gegenwärtigen Europa fällt mir dieser Zug bisweilen auf; die bedingungslose Einsetzung ihres religiösen Zentrums in ihr Schrifttum erleichtert es ihnen bisweilen allzusehr, mit dieser Welt fertig zu werden. Wenn ich darauf bewußt verzichte, so glaube ich gerade deshalb daran mitzuarbeiten, daß echte Religion wieder Seelen und Gesamtleben gewinnt. Nicht nur, daß ein wenig Ehrlichkeit als Vorbereitung besser ist als eine vorschnelle Sehnsucht, die morgen zergeht. Die Frage steht ja weit klarer. Das einzige, was überlegte geistige Arbeit zugunsten der Religion leisten kann und tatsächlich in einer ganzen Generation von Schriftstellern und Künstlern geleistet hat und leistet, ist ja, daß wir dem Aberglauben ein Ende machen - dem Aberglauben, der noch vor zwanzig Jahren jeden wahrhaft »modernen« Menschen umklammert hielt, und den heute als wesentlich erschüttert zu betrachten eine lächerliche und rein literarische Selbsttäuschung wäre - als seien Religion und Frömmigkeit gleich Dummheit und Rückschritt.
Wenn ich nicht allzu befangen bin, leisten die vorstehenden Seiten diese Arbeit sogar in positiverer Weise, als es für gewöhnlich geschieht: indem sie nicht zur Religion »aufrufen«, was, wenn nicht ein Genius und ein Heiliger der Rufer ist, vollkommen unwirksam bleibt; sondern indem sie von dem vermißten, in Wahrheit nur nicht exponierten religiösen Zentrum aus zum Angriff auf die Mächte übergehen, die heute zum guten Teil durch das Stigma des »Fortschritts« oder der wissenschaftlichen Autorität gedeckt, am hartnäckigsten dazu beitragen, den alten Aberglauben, Religion gleich Dummheit, Verlogenheit, Rückschritt in den Köpfen der Menschen aufrecht zu erhalten; nein, schlimmer: religiöse und kirchliche [314] Dinge als Angelegenheiten erscheinen zu lassen, die im Leben nicht mehr mitzählen, die gleichgültige Rudimente einer Vergangenheit sind, welche überwunden werden muß, denen man aber nicht einmal mehr die Güte des Bekämpfens oder selbst des Verachtens zu erweisen braucht. Denn das ist die wirkliche Lage: Der normale Mensch im heutigen Mitteleuropa und in großen Teilen der übrigen Welt ist mit völliger innerer Sicherheit gleichgültig gegen religiöse und kirchliche Dinge; sie zählen einfach nicht mehr mit. Es dürfte nicht unwichtig sein, dieser selbstverständlichen Gleichgültigkeit gegenüber (die unsere Theologen und Prediger durch die falsche Behauptung »religionsfeindlicher Mächte« vor sich selbst in ihrer Peinlichkeit zu verschleiern suchen) einmal im einzelnen vorgeführt zu haben, wie lächerlich unzureichend eigentlich die Glaubensbekenntnisse sind, zu denen der moderne, der gleichgültige Mensch sich bekennt.
Wer trotzdem auf der Forderung der Exposition des religiösen Zentrums, auf einer noch deutlicheren religiösen Legitimation für diese Arbeit bestehen bleibt, den kann ich, fürchte ich, nur ermutigen, die Arbeit für eigene Rechnung neu und besser zu machen. Ich selbst bekenne ganz bescheiden, daß ich, wäre ich ein Heiliger, bis in den letzten Nerv und Gedanken von Glauben und Frömmigkeit erfüllt: daß ich dann vielleicht überhaupt keine Bücher mehr schreiben würde, jedenfalls nicht versucht wäre, Aufgaben zu lösen wie die des vorstehenden Buches. Da ich jedoch traurigerweise bisher nicht die Überzeugung habe gewinnen können, daß meine Mitmenschen in Frömmigkeit und Glauben wesentlich weiter oder stärker sind, so mag ihnen zunächst gerade meine kritische, das religiöse Zentrum absichtlich nicht exponierende Arbeit noch mehr nützen als der flammendste Aufruf zur Frömmigkeit und Heiligkeit, der sie und mich in die Gefahr der Voreiligkeit und Unehrlichkeit brächte. Kritik ist ja Heidenmission. Beide arbeiten an ihrer eigenen Selbstvernichtung. [315] [Anfang]

XXII UNFEIERLICHKEIT

Andere und schwerere Vorwürfe haben den Stil des Buches getroffen. Ich bedaure aufrichtig, daß mir der Neudruck keine Zeit gelassen hat, auch nur ein Wort oder einen Druckfehler zu ändern. Aber vielleicht darf ich ein paar Worte zur Erklärung sagen. Während ich das zehn Jahre ausgetragene Manuskript niederschrieb, stand ich unter zwei Eindrücken. Einmal erschien mir die Aufgabe gerade in den letzten Jahren nicht unwichtig. Zum anderen aber war ich mir bewußt, daß das Buch, selbst im besten Falle, im Zusammenhang der geistigen Arbeit unserer Tage nichts anderes sein könne, als etwa in einer landwirtschaftlichen oder gärtnerischen Bücherei ein Lehrbuch der Unkräuterbekämpfung sein mag. In der Tat hat mein Freund Dr. Alemann in Buenos Aires, dem ich für das Zustandekommen des Buches mehr als allen anderen Menschen verpflichtet bin, es ungewollt aber richtig charakterisiert, als er im Argentinischen Tageblatt eine Zeitungsanzeige der »Verkappten Religionen« unmittelbar neben eine andere über die Bekämpfung von Ungeziefer rückte. Daß darüber hinaus der Autor vielleicht noch ganz persönlich, außerhalb der Stoffbehandlung etwas geben könne: damit zu rechnen stand mir nicht zu. Ich kann nur von Herzen allen denen danken, die auch in der unvollkommenen Gestalt der Sätze und Seiten schon einen Antrieb für sich gefühlt und erkannt haben.
Übrigens bin ich für die Sorglosigkeit der Form hart genug bestraft worden dadurch, daß ich durchgängig lesen mußte, wie »geistreich« das Buch sei. Diese ständig wiederkehrende Wendung hat mich anfangs manche Stunde Arbeitszeit gekostet. Denn während mich sonst eben veröffentlichte Arbeiten [316] nicht mehr interessieren, weil ich mittlerweile ganz anders beschäftigt bin, beunruhigte mich das Urteil »geistreich« anfangs so sehr, daß ich zu meiner Arbeit selbst Zuflucht nahm, um beängstigt nachzusehen, wo sie denn in aller Welt geistreich sei. Bis heute habe ich zwar beschämend oberflächliche und saloppe Stellen gefunden; aber keine einzige geistreiche; keine, die auch die wirklich geistreichen Schriftsteller in Europa - etwa Claude Tillier oder der geistreichste lebende Bücherschreiber, Frank Heller, die ich beide, bei aller Erkenntnis ihres Wertunterschiedes, hochschätze und liebe - geschrieben haben könnten. Ich bitte also ernstlich darum, mich mit dem Worte »geistreich« nicht weiter zu plagen. »Meine Art zu spaßen besteht darin, die Wahrheit zu sagen.« Dieses Wort Bernard Shaws deckt nicht einen Mangel des Autors, es deckt einen Mangel des Lesers auf, dem die Wahrheit so ungewöhnlich geworden ist, daß er sie für Witz und »glänzende Satire« hält, um sich damit allen ernsthaften Konsequenzen auf billige Weise zu entziehen.
Fast ebenso unangenehm und unzutreffend ist es, wenn dem vorstehenden Buch besonders tiefe und ausgebreitete Gelehrsamkeit nachgerühmt wird. Denn mit voller Absicht habe ich Stoffauswahl und Stoffbehandlung so gehalten, daß ich nur die ganz unmittelbar lebendigen und in jeder Zeitungsnummer belegten verkappt-religiösen Gebilde hineinnahm. Tatsächlich ist der ganze hier behandelte Stoffkreis jedem Leser innerlich vertraut, der sich nicht künstlich vom Heute ausschließt, und mit vollem Bewußtsein ist auf bloße Schreibtischgelehrsamkeit, die aus dem Stoff leicht zwei Lexikonbände hätte machen können, verzichtet worden. Ich warne deshalb die Leser, meiner »Gelehrsamkeit« zu trauen; sie können jede einzelne Behauptung des Buches selbst kontrollieren; und es schadet gar nichts, wenn ich dabei schlecht wegkomme; wird doch der Leser umso besser wegkommen.
Vielleicht hat eine Ungeschicklichkeit, das Hexenalphabet, dazu beigetragen, zunächst einen Anschein von Fülle und be- [317] sonderem Wissen zu erwecken, die tatsächlich nicht Zweck und Eigenschaft des Buches sind. Ich habe auf Seite 14 einige der Themen aufgeführt, zunächst ganz wild durcheinander, um den Leser erst einmal gefühlsmäßig in den Stoffkreis hineinkommen zu lassen. Späterhin sind aber alle diese Bewegungen, die zunächst nur einen gefühlsmäßig zusammenhängenden und sehr ausgedehnten Wirrwarr zu bilden scheinen, so scharf geschieden, daß das Buch beinahe monoton wird. Es ist vielleicht über den Einzelheiten, die den Leser abgestoßen oder gefesselt haben, der große und ganz klare Aufriß - des Buches beste Leistung - nicht genügend beachtet worden, obwohl mein Verleger für diese Scheidungen einige Seiten aufgewendet hat.
In den drei großen Abschnitten des Buches »Heroische Hinterweltler«, »Die Flucht in die Zukunft«, »Zeichendeuter und Freibeuter« sind die verkappt religiösen Bewegungen unserer Tage ganz scharf geschieden. Der erste Teil umfaßt die Zurückschau in die Vergangenheit, der zweite die Vorschau in die Zukunft; der dritte die Schau in ein drittes Reich; die alle drei doch ganz rationalistisch und von dieser Welt sind und sein wollen. Politisch gesprochen werden zuerst die rechts gewachsenen verkappten Religionen behandelt; dann die links gewachsenen; am Schluß die, die durch Vermischung beider Ziele ein neues Reich verwirklichen möchten. Wenn sich der Leser diesen Aufbau des Buches vor Augen halten will, wird ihn vielleicht die Fülle des Stoffes nicht mehr erschrecken, und er wird dafür dem Buche selbst näherkommen. Es wird ihm leichter fallen, die Seiten als die ganz einheitliche Arbeit zu begreifen, die sie tatsächlich sind.
Was den durchschnittlichen deutschen Leser in meinem Vortrage am meisten stört (und was er irrtümlich als »geistreich« oder als »glänzende Satire« ansieht), ist die ganz bewußte Unfeierlichkeit der Schreibweise. Keine tatsächliche Entgleisung soll damit entschuldigt sein; aber wirklich ist diese Unfeierlichkeit einer der Vorzüge der Arbeit. Der deutsche Leser neigt zu dem Glauben, der Autor nehme seine Arbeit nicht ernst, fege [318] sie hin, wie es gerade komme, wenn er nicht in hoher Gemessenheit und überlegener Feierlichkeit zu ihm spreche. Er bedenkt dabei nicht, wie selten diese Feierlichkeit echt und daß sie in neunundneunzig von hundert Fällen eine unverschämte Lüge ist, um der gemeinen Plattheit, Seichtheit und verführenden Unwahrheit ein schwer zu durchschauendes, verehrungswürdig wirkendes Äußere zu geben. Gerade die Gebilde, die hier als verkappte Religionen bezeichnet werden, verführen durch nichts so sehr wie durch ihre pompöse Feierlichkeit - und ich hätte das Buch über sie feierlich und pathetisch schreiben sollen?
In der Tat haben nicht wenige wohlmeinende Leute eine feierliche Behandlung des Themas gerade wegen seiner öffentlichen Wichtigkeit verlangt. Ich kann ihnen voraussagen, was dabei herauskommen wird: nämlich eine neue verkappte Religion, eine neue Bewegung, die sich nun in Vereinen, Bünden, Schriften und Paragraphen organisiert, um der Frömmelei des Verstandes, etwa als »Bund der wahrhaft Frommen (Buwafro. e. V.)«, das Lebenslicht auszublasen, und die vielleicht genau so lebensfremd, lebensfeindlich und irreligiös sein wird wie Theosophie oder Kommunismus. Ich verstehe, daß manchem frommen und ernsten Mann der »Ton« dieses Buches genau so unmöglich und widerwärtig scheint, wie mir der Ton irgendeiner durchschnittlich frommen Konfirmationsbroschüre.
Aber während ich bei allem Respekt gegen den ernstlichen und ehrlichen Willen der Urheber von frommen Ermahnungen bezweifle, daß sich dergleichen nicht auch lebensvoller und innerlich wirksamer gestalten ließe, weiß ich, daß sich bei dem hier behandelten Thema der Ton mit Naturnotwendigkeit aus dem Stoff ergibt, und ich kann den wohlwollend ablehnenden Leuten, die mit »ernsten« Konkurrenzausgaben gedroht haben, nur dazu raten, diese Arbeit aufzugeben. Sie würden das Gegenteil von dem erreichen, was sie sich vorstellen, nämlich eine Reklame für das, was hier als »verkappte Religionen« bezeichnet ist. [319]
Ein Beispiel: Die meisten mir bekannt gewordenen Kampfschriften gegen die Anthroposophie begehen etwa die Ungeschicklichkeit, als erste Wurzel des Steinerschen Unfugs die Gnosis anzugeben. Rein wissenschaftlich erscheint mir zweifelhaft, ob Steiner aus erster Hand Kenntnis von den Gnostikern hat; mir scheint, daß sein ganzer Mischmasch in einem wüsten Kettenhandel und Schiebertum aus fünfter, zwölfter, zwanzigster Hand zusammengeramscht ist. Aber lassen wir das dahingestellt. In dem Augenblick, wo der Kritiker gegenüber dem offenbaren Unfug auf eine geistige Erscheinung wie die Gnosis hinweist, die immerhin, wie christentumsfeindlich sie auch gewesen ist, doch so bedeutsam war, daß sie die Patina der Historie angesetzt hat, macht er Reklame für Steiner. Er verhilft ihm zu einer »geistigen Grundlage« und zu einem historischen Ansehen, die ihm beide nicht gebühren. Der Durchschnittsleser, mit seinem feierlichen Ballast des Historismus auf dem Gewissen, denkt sich: Gnosis? - oh, dann muß doch etwas Tieferes daran sein. Er wird durch diese feierliche und historische Behandlung geradezu ermutigt, die Erscheinung in die Kategorie des Bedeutsamen anstatt in die des zwar Lästigen, aber Lächerlichen einzuordnen.
Oder ein anderes Beispiel: Von einem Ordensmann las ich neulich eine Arbeit über die Erscheinungen, die hier unter dem Begriff »heroische Hinterweltler« zusammengefaßt sind. Die Arbeit beschämte mich durch ihre viel ausgedehntere Sachkenntnis, ihren unvergleichlich viel größeren Fleiß und durch manches viel maßvollere, aber vielleicht noch klarere Urteil. Sie hat in meinen Augen nur einen Mangel: daß sie nämlich Erscheinungen, die doch lächerlich sind, viel ernster nahm, als ein guter, seinem Gott und seiner Kirche vertrauender Christ es eigentlich tun dürfte. Wenn ich lesen muß, daß das neu-germanische Heidentum, diese lächerliche Windbeutelei, eine Bedrohung für das Christentum darstelle, siedet mir das Blut. Denn das heißt doch - um das Mildeste zu sagen - gegenüber lästigen und verwirrenden Erscheinungen so klein beigeben, [320] daß man gegen einen störenden Ameisenhaufen einen Tank mobilisiert. Ich vermute auch, daß der Verfasser es nicht so gemeint hat; daß er nur aus Weltklugheit durch eine feierliche Darstellung dem notwendigen Buch über einen unwürdigen Gegenstand äußere Dignität zu geben versuchte.
Mir will demgegenüber die angemessene, unfeierliche Behandlung des Stoffes als ein Wert an sich erscheinen. Denn wenn uns in dieser verwirrten Zeit nicht einmal Bücher lehren können, den Menschen und Dingen, den Bestrebungen und Bewegungen ganz unbefangen ins Gesicht zu schauen, dann bleiben sie vielleicht besser ungeschrieben, weil sie nur die Verwirrung noch vermehren, den Büchermarkt noch stärker belasten. In der augenblicklichen Lage ist Feierlichkeit gegenüber Erscheinungen, die es nicht verdienen, geradezu ein Vergehen; bewußte Unfeierlichkeit, weil erleichternd und ermutigend, die wichtigste Hilfe, die geboten werden kann.
Gegen echte Feierlichkeit ist damit kein Wort gesagt. Ich hoffe, sie findet sich, wo sie hingehört - zum Beispiel in den größeren Zusammenfassungen und Durchblicken - auch in diesem Buch. Denjenigen aber, die auf permanenter Feierlichkeit bestehen, die immer von neuem aus der Mücke ein Rhinozeros gemacht sehen wollen, kann ich, fürchte ich, nicht helfen; obwohl gerade ihnen das Lesen des Buches angelegentlich zu empfehlen wäre.
Man sollte sich auch vor dem Irrglauben hüten, diese Unfeierlichkeit sei eine undeutsche Eigenschaft. Gewiß ist mit Recht und zu meiner Freude darauf hingewiesen worden, daß dieses Buch manches den beiden unfeierlichen Antipoden Shaw und Chesterton verdanke. Aber schon lange bevor Shaw oder Chesterton der Welt bekannt wurden, hatte ein deutscher Kritiker und Schriftsteller gelebt, bei dem sich die Gedanken dieses Buches gewissermaßen reihenweise, was aber mehr ist: bei dem sich das ganze unfeierliche Zugehen auf Menschen und Dinge findet, ohne daß er doch im mindesten auf Herzhaftigkeit verzichtet hätte. »Es gibt ein ganz stilles Heldentum, das [321] mir imponiert. Was aber meist für Heldentum gerechnet wird, ist fable convenue, Renommisterei, Grogresultat.« Diesen Satz und hundert andere ähnlichen Wertes und gleicher Ruhe hat ein berufsmäßiger Verherrlicher Friedrichs des Großen und seiner Generale hingeschrieben. Er hieß Theodor Fontane.
Aber auch in der lebenden deutschen Dichtung sind die Ketzer, die das Rechte tun, ohne sich durch falsche Feierlichkeit zu einer Vernunftfrömmelei verblüffen zu lassen, nicht ausgestorben. Da ist ein »nationaler Mann« wie Hermann Löns, dem doch der unmännliche Jammer den Zornruf entlockt, dreißig Jahre nach Friedrich Theodor Vischers gleichem Ausspruch, daß wir wahrscheinlich in einem Kriege geschlagen werden müßten, um wieder vernüftig und anständig zu werden. Da ist Hans Heinrich Ehrler, dem eine unberufene Kritik hartnäckig das Joch des gemütvollen Schwabendichters aufzuzwingen fortfährt, während er ein Katholik und ein Europäer ist. (Gewiß wurzelt Ehrler in schwäbischer Erde, wie ich in pommerscher; oder wie Shaw und Chesterton in irischem und schottischem Boden wurzeln. Aber die Öffentlichkeit, soweit sie nicht den Schriftsteller für ihre eigenen kleinen politischen Ziele ausnutzen will, geht es wenig an, wo wir wurzeln. Sie sollte sich mehr daran halten, wie viel Erdreich unsere Kronen allenfalls überschatten; und die Kritik sollte bestimmt nicht die Krone künstlich verkümmern, indem sie pedantisch, verkappt-religiös und feierlich die Wurzel bewundert.) Der Europäer Hans Heinrich Ehrler hat manchen Satz geschrieben, der aufs Zentrum auch meines Buches geht. »Wollen wir nicht«, sagt bei ihm ganz unfeierlich und menschenfromm der geistliche Fürsorger zum weltlichen, der Pfarrer zum Arzt, »wollen wir nicht die Menschen inzwischen ein bißchen leben lassen, damit sie auf jeden Fall zwischen unseren beiderseitigen Bemühungen etwas Greifbares haben?« Der innere und tiefe Grund meines Aufräumungsbuches ist in diesem einfachen Satz gestaltet, wärmer und leuchtender, als ein Kritiker es kann. [322] [Anfang]
 

XXIII KIRCHE UND VERKAPPTE RELIGIONEN

Auf der anderen Seite ist auch den Freunden meines Buches, die mir nicht Unfeierlichkeit vorwerfen, ein böser Irrtum unterlaufen, als sie es sozusagen als Zeitspiegel, als Quintessenz des ganzen modernen Lebens oder dergleichen nahmen. Dieser Irrtum ist für den Autor um so schmerzlicher, als er selbst einen ganzen Abschnitt des Buches, vielleicht den wertvollsten, vom Drucke ausgeschlossen hat, um einem so übertriebenen Anspruch zu entgehen. Es war dort grundsätzlicher als im jetzigen Text die Frage gestellt nach Bedeutung oder Unwert der verkappten Religionen:
»Sie sind heute die Erscheinungen, die am meisten Aufsehen machen. Sind sie deshalb wertlos? Ein Vorurteil meint es; was schnell emporkommt, wird auch plötzlich wieder fallen; was viel Geräusch macht, wird nicht lange Geräusch machen; was unter Getöse lebt, wird nicht dauernd leben. Rascher Erfolg sei eine Bürgschaft für raschen Mißerfolg.«
»Dieses Vorurteil wurzelt tief infolge einer eigentümlichen und unvollkommenen Methode in allen unseren Geisteswissenschaften. Die Vorstellung, daß die Vergangenheit eine »gute alte Zeit« gewesen sei, hat wohl immer bestanden; wir erst züchten sie systematisch. Der Vergangenheit gegenüber vertritt unsere Geisteswissenschaft die einigermaßen optimistische Auffassung, daß für sie bezeichnend sei das Bleibende und dauernd Wertvolle. Zur Gegenwart verhalten wir uns pessimistisch und sind ohne weiteres der Überzeugung, daß gerade das Sensationelle, schnell zu Erfolg Kommende für sie bezeichnend sei. Frobenius, Spengler und hundert andere sind ja Pessimisten nur, insoweit sie Zeitgenossen sind; denn vergangene [323] Kulturen sehen sie ja mit einem durchaus liebevollen Auge an. Die Wahrheit ist viel pessimistischer als unsere Kulturphilosophen, die sie durch Musik, durch »Orchesterwerke des Geistes« (wie Keyserling in schöner Selbsterkenntnis sagt) gewaltsam mildern. Wo immer uns vergangenes Menschentum ohne künstliche Zusammenfassung und künstlerische Absicht in seinem natürlichen Leben nahezukommen vermag, da sehen wir, daß wir uns seitdem nicht so sehr geändert haben, wie wir annahmen.«
»Unsere Geistesgeschichte ist heute die Geschichte des (zum guten Teil) erfundenen Zusammenhanges der großen Werke. Eine Geschichte der ewigen Wiederkehr der kleinen und erfolgreichen Werke würde sehr viel Illusionen abstellen. Wir wissen war, daß der Intendant Johann Wolfgang von Goethe im Hoftheater zu Weimar dreimal die Woche Kotzebue und Genossen aufführen ließ; wir wissen das, aber unser innerer Mensch bewahrt trotzdem hartnäckig die Vorstellung, daß dort Iphigenie, Wallenstein, Tasso, die Braut von Messina alterniert hätten. Die Ausschließlichkeit, mit der unsere Geistesgeschichte das Bedeutende, das Bleibende, Wertvolle der Vergangenheit zeigt, tut unserer Selbstschätzung Abbruch, verleitet uns zu einer resignierenden Haltung gegenüber der eigenen Zeit und den eigenen Kräften, und verleidet uns damit den unbefangenen Mut, der die Voraussetzung zu hohen Werken ist. Nein, diese Ausschließlichkeit ist auch gegenüber den klassischen Werken selbst kein Verdienst; denn sie scheinen vom Himmel gefallen, scheinen mit uns gewöhnlichen Menschen nichts zu tun zu haben, scheinen geheimnisreich und ganz unwirklich auf einem anderen, fruchtbareren, abgeschlossenen Boden erblüht. Ihr Boden scheint nicht mehr unser Boden und scheint es nie mehr werden zu können. Eine Geistesgeschichte des Erfolgreichen ist also nicht nur ein interessantes Nebengebiet und eine notwendige Folie der gewöhnlichen Geistesgeschichte. Sie ist doppelt notwendig: für die richtige Einschätzung der Vergangenheit - noch mehr aber für die richtige [324] Einschätzung und das wirkliche Vorwärtskommen der Gegenwart.«
Und im Anschluß daran war die entscheidende Frage gestellt, warum unsere Kirchen Heraufkommen und Ausbreitung der »verkappten Religionen« zulassen konnten: »Die verschiedenen Kirchen machen sich die Antwort möglicherweise allzu leicht: Natürlich können die verkappten Religionen ohne Schwierigkeit die äußeren Anziehungskräfte jeder Religion überbieten. Natürlich kann keine Religion ihren Gläubigen in diesem irdischen Leben Verkehr mit den Geistern oder Aufklärung der Welträtsel oder das Grundziel aller verkappten Religionen: eine glücklich und sündlos gewordene Welt, versprechen. Das Wesen der Religion liegt ja eben darin, daß sie die Rätsel, Leiden, Ungerechtigkeiten und Sünden der Welt nicht erklärt, sondern an die Stelle der Erklärung, nein über die Erklärung einen eigenen Wert, eben die religiöse Gewißheit setzt, die nie bewiesen werden kann und deren große und einzige Bürgschaft darin liegt, daß sie nicht Rätsellösung, sondern Rätselüberwindung ist. Der Welt Rätsel werden unwichtig: und gerade das ermöglicht dem Frommen, mit vollem Vertrauen auf dieser Welt zu leben und an ihr zu arbeiten, sie ist ja nur Herberge. Diese Rätselüberwindung und religiöse Gewißheit stammt nicht aus ›Fragen‹ und Einzelheiten, sondern aus dem Kern des Lebens, der unerklärlich ist.«
»Statt dieser ewigen Wahrheit nachzuleben, schicken sich die Kirchen heute zögernd oder bewußter dazu an, mit den verkappten Religionen zu paktieren, von ihnen äußerlich zu profitieren, wie es Philosophie und Kunst schon getan haben. Alte Unterlassungssünden der Kirchen rächen sich. Der letzte Grund für das Heraufkommen der verkappten Religionen ist das Schwachwerden zwar nicht der Religionen, aber der Kirchen. Diese haben lange - sie tun es zum Teil heute noch - nur noch in Abwehr gelegen; sie hatten in ihrer weltlichen und bürgerlichen Aufgabe vergessen, daß sie nicht für irgendein Teilgebiet, sondern für die Gesamtheit des Lebens einzustehen haben. [325]
Anstatt alles in sich hineinzuziehen, wie es in ihren großen Zeiten die Kirche immer verstanden hatte, begannen sie alles, was nicht ohne Schwierigkeit in ihren bisherigen Besitzstand sich einfügte, abzulehnen und zu befehden. Kurz, sie wehrten sich verzweifelt, anstatt neues Gebiet zu erobern. Sie, die über aller Konkurrenz stehen müssen, wenn sie Sinn haben wollen, begannen plötzlich die Konkurrenz etwa von Wissenschaft und Kunst ängstlich zu fürchten. Und was das Schlimmste war: Sie suchten nicht etwa die Konkurrenten zu schlagen (womit die Gefahr einer schiefen Bahn schon vorgelegen hätte), nein, sie gaben zum überwiegenden Teil überhaupt jede Erweiterung des Besitzstandes auf und verließen sich statt dessen auf ihre Dienste am Staate.«
»Am erfolgreichsten war vielleicht ihre erste ablehnende und noch heute unsichere Haltung gegenüber der Naturwissenschaft und dem, was auf sie folgte. Man ist noch heute - trotz mancher erfolgreicher Gegenbeispiele - gewohnt, Naturwissenschaft und Kirche ohne weiteres als Antipoden anzusehen. Mit welchem Recht, wenn nicht die Gewöhnung und die Gesetze einer sozusagen geistigen Blutrache dafür gelten sollen, bleibt unerfindlich. Ist doch Naturwissenschaft, soweit sie wirklich exakt und empirisch ist, mehr als jede andere die Wissenschaft des Wunders. Infolge der Gewöhnung, einfach weil er mit ihnen geboren ist, mit ihnen lebt und mit ihnen stirbt, fällt es dem Menschen schwer, seine Arme oder seine Beine, seine Lunge oder seinen Herzmuskel erstaunlich zu finden. Aber nun laßt einmal diesen Menschen die Funktion seiner Organe naturwissenschaftlich, das heißt getrennt von selbstverständlichem Funktionieren, wie eine fremde Welt betrachten, und er wird im selben Augenblick im Gewöhnlichsten das ungeheure Wunder entdecken.«
»Es ist schwer auszudenken, welches die Folgen gewesen wären, wenn die Kirche, anstatt die Erforschung der Natur mit Mißtrauen zu behandeln, die neue Wissenschaft frei und überzeugt in sich aufgenommen hätte. Es wird einer künftigen [326] Zeit schwer verständlich sein, wieso die Kirche je dazu kommen konnte, Begriff und Wesen der Religion so eng zu fassen, um eine Tätigkeit und empirische Ergebnisse abzulehnen, die in jedem natürlichen Menschen das Bedürfnis nach Religion stärkten. Unsere ganze geistige Welt wäre heute anders, wenn die Kirche den einfachen Schluß mit voller Deutlichkeit gezogen hätte, daß alles, was in der Natur wirklich festgestellt, entdeckt, beherrscht und geformt werden kann, die Ehrfurcht vor Gott nicht untergräbt, sondern sie in einer Weise herausfordert, die bis zur Beängstigung gehen kann.«
»Vielleicht erhebt sich hiergegen der Vorwurf auf bloße Paradoxie: nicht die Kirche habe doch die Naturwissenschaft abgelehnt, sondern es habe gerade umgekehrt die Naturwissenschaft durch Lösung der Welträtsel und erweislich falsche Thesen und Hypothesen - sintemal sie sich jeden Augenblick ändern - die Religion ausmerzen wollen.«
»Zur Entscheidung dieser Frage braucht man vielleicht keine lange historische Untersuchung. Es fragt sich einfach, wer damals, als der Aufschwung der Naturwissenschaft und damit die Feindschaft begann, die übergeordnete Macht gewesen ist. Zweifellos ist es die Kirche gewesen. Sie trägt deshalb die Verantwortung für die Weiterentwicklung des Zwiespaltes. Im Gange solcher Konflikte, seien sie kriegerischer, politischer oder religiöser Art, liegt die Verantwortung nie bei den »Rebellen«, nie bei den ursprünglich Schwächeren, nie bei denen, die erst heraufkommen. Die erste Qualität wirklichen Führertums, in der Kirche und auf allen anderen Gebieten, ist es, wirklich zu führen, die Dinge zum guten Ende zu bringen, die Welt zu erhalten. Der Rebell muß sich das Gesetz des Handelns vom stärkeren Gegner, auch wenn dieser erst durch seinen eigenen Angriff zum Gegner geworden ist, vorschreiben lassen. Nur Leute von schwachem Charakter, jedenfalls keine von innerer Führermacht, neigen dazu, die Verantwortung für Fehler auf den Untergebenen oder auf den »Rebellen« abzuschieben.« [327]
»Augenblicklich scheint eine Strömung in unseren Kirchen im Begriff, den früheren Fehler der ängstlichen Ablehnung durch den entgegengesetzten noch zu verschlimmern, indem sie ihn wieder gutmachen will. Diese Teile zeigen Neigung, mit allen Modeströmungen, auch mit den »verkappten Religionen« zu paktieren: was so viel heißt, als Art und Wesen der Religion aufzugeben.«
»Was unsere Kirchen von den verkappten Religionen tatsächlich lernen können, sind nicht die äußeren Methoden. Es ist eine einzige innere Tatsache, die zugleich, tiefer als die Ableitung aus Weltkrieg und Umsturz, den Erfolg des Hinterweltlertums erklärt.«
»Von allen Bewegungen unserer Tage sind die verkappten Religionen fast die einzigen, die den Mut haben, den Menschen wieder in die Mitte der Welt zu stellen, und, jede auf ihre Weise, ein Menschenideal anzugeben, das verworren sein mag, das aber dem Anhänger ganz fest und bestimmt und doch von unendlicher Weite erscheint. Während die Kirchen zum Teil langsam anfangen, an ihren eigenen Geboten zu zweifeln und während ihre Gebote immer weniger verbindlich werden, haben die verkappten Religionen die selbstverständliche Verwegenheit, Gebote ganz bestimmter, wenn auch noch so verworrener Art aufzustellen. Sie beinahe allein haben noch die Kühnheit, an einen Idealmenschen zu glauben und die Verwirklichung eines Idealmenschen zu versprechen.«
Ich hatte diese Sätze aus dem Manuskript gestrichen, weil sie mir der Gefahr, daß das Buch - als ein »Zeitspiegel« - zu ernst und zu wichtig genommen werde, Vorschub zu leisten schienen. Da der Zweck der Vorbeugung nicht erreicht worden ist, mag es gut sein, sie hier abzudrucken und an selbstverständliche Verpflichtungen zu mahnen. Aber ich versichere zugleich, daß die Gebilde, die hier verkappte Religionen heißen, für sich allein durchaus noch kein Panorama der Zeit ergeben. Im Gegenteil: Es hatte der witzige Kritikus ganz [328] recht, der das Thema als »Omelette soufflée« bezeichnete; nur daß er vielleicht übersah, wie viele Leute sich an diesen Windbeuteleien den Magen verdorben haben, und daß ein Abführmittel ganz nützlich sein könne. Daß zur Herstellung eines solchen im »literarischen« Deutschland, das leider feierliche Jambendramen, mögen sie auch langweilig und lebensfremd sein, höher schätzt als eine gute Posse, außergewöhnlicher Mut zur Unfeierlichkeit und zum Dienenwollen gehöre, habe ich nie verkannt. Es steht ja mit der Feierlichkeit in Deutschland meist so, daß der Autor viel weniger seinen Stoff als sich selbst feierlich nimmt, was beinahe einer Todsünde gleichkommt.
Denn gerade wer glaubt, daß ihm beschieden sein könne, etwas zu leisten, der muß wissen, wie gering noch das Beste ist, das ihm gelingen kann; wie verschwindend klein sein Wert und seine Wichtigkeit für andere Menschen sind; und er muß vor allem wissen, daß er gerade das Beste nicht sich selbst verdankt. Ein Autor, der diese Gefühle und Gedanken in sich lebendig hält, wird immer geneigt sein, seine Sache nicht allzu feierlich und sich selbst gar nicht feierlich zu nehmen; und er wird in ersterer Beziehung vielleicht sogar übertreiben (in der letzteren, in Bezug auf sich selbst, kann er nicht unfeierlich genug sein).
Ich bitte die Freunde dieses Buches herzlich, in Zukunft in ihm nur die notwendige Arbeit über einen unwürdigen Gegenstand sehen zu wollen; und ich versichere zugleich mit all der Feierlichkeit, die eine so ernste Sache verdient, daß in unserer Zeit und in unserer Kultur noch ein paar erfreulichere und förderlichere Erscheinungen vorhanden sind, für die ich, wenn mir das Leben bleibt, noch nach meinen Kräften Zeugnis abzulegen hoffe. [329] [Anfang]
 

XXIV DIE WEITERENTWICKLUNG

Die Weiterentwicklung, die die Gebilde der verkappten Religionen durchgemacht haben, seit ich das Manuskript schrieb, ist deutlich. Auf nicht wenigen Gebieten hat sich inzwischen aus ihnen wenigstens in den Anfängen das entwickelt, was der Text als wünschenswert angibt. Im allgemeinen wird eine Versachlichung erkennbar.
In Amerika und Frankreich sind größere Organisationen an der Arbeit, um die alte Frauenbewegung wirklich Frauenzielen dienstbar zu machen. Zwar umkleiden sie diese Bewegung heute noch mit dem falsch wissenschaftlichen Schimmer einer sogenannten »häuslichen Betriebswissenschaft«. (Nur die Hilfsmittel sind wissenschaftlich; die Betriebsführung ist eine Kunst.) Aber die Einzelheiten, die ganz bewußt auf Erleichterung und innere Höherschätzung der Riesenarbeit der Hausfrau gehen, bleiben doch wertvoll und ermutigend.
Einen neuen sachlichen Ausweg aus dem bedeutungslosen okkultistischen Labyrinth hat Wilhelm von Scholz, wenn auch ohne genügende letzte Klarheit, in seiner bedeutenden kleinen Schrift »Der Zufall« gezeigt, die ganz unbefangen auf unerklärliche Dinge zugeht, und doch die Ehrfurcht nicht vermissen läßt. Gelingt es dem Verfasser, auf der gleichen Verstandes- und Gefühlsgrundlage auch das verheißene größere Werk über das Schicksal zustande zu bringen, so wird er uns aus dem Zwiespalt: wissenschaftliche Neugier - ehrfurchtsvolle Ahnung wohl ein gutes Stück Weges heraushelfen.
Für die erfolgreichste verkappte Religion des Jahres 1924, die Gedankenwelt des Herrn Henry Ford, hat mir Wilhelm Vershoven in seiner kleinen Schrift »Amerika, drei Kapitel [330] der Rechtfertigung« die Arbeit der Kritik schon abgenommen, bevor überhaupt das Fordsche Buch geschrieben war, und ohne daß Vershoven selbst damals von Ford gewußt hätte. Es ist eine kleine nationale Schmach, daß Vershovens tiefe und lebendige Schrift, die für ein paar Groschen zu haben ist, noch immer in einer verhältnismäßig kleinen Auflage bei Eugen Diederichs liegt; während beinahe eine Goldmillion deutschen Volksvermögens für den Kauf der Fordschen Heuchelei frei war; eine Heuchelei, die Vershoven hingerichtet hatte, bevor sie überhaupt zum Leben kam.
Das Fordsche Buch deutet schon an, wohin der Weg geht: zu einer sachlichen Realisierung der verkappten Religionen. Sie haben im letzten Jahr in nicht ganz wenigen Fällen ihre alten phantastischen Unformen verlassen und sich sozusagen eine »realpolitische Grundlage« zu schaffen gesucht. In nicht ganz wenigen Fällen führt das dazu, daß sie schwerer zu durchschauen sind und damit tatsächlich gefährlicher werden. Es wäre heute zum Beispiel kaum noch nötig, gegen Heroentum, Judenhetze und ähnliches so schweres Geschütz aufzufahren, wie es der erste Teil tut. Hingegen würde ich, hätte es mir der Neudruck gestattet, der viel sachlicheren verkappten Religion, die in einem ganz bestimmten Sinn die schicksalsnotwendige Verflechtung von Politik und Wirtschaft ausnutzt, der scheinbar unentrinnbaren Präponderanz der Außenpolitik und Ähnlichem ausführliche Untersuchung gewidmet haben.
Berührt sind solche das Unwesen noch gefährlicher machenden Versachlichungen in den Seiten über amor fati und organische Entwicklung. Sie sind für das Buch besonders wichtig, weil es sich im Grunde in jedem Satz nur um einen einfachen Gedanken dreht: um die Zurückführung zur lebendigen Wirklichkeit, wenn man will zur Realpolitik. Nur daß eine falsche Realpolitik noch mehr Schaden anrichtet als eine voreilige und schwächliche ideale Politik.
Der einfache Grundsatz, den die Seiten einzuschärfen suchen, lautet: Je höher und je schwerer erreichbar ein Ideal ist, mit [331] um so mehr unbeirrbarem Wirklichkeitssinn, mit um so tieferer und unbefangenerer Sachkenntnis müssen auch die Mittel gewählt werden, um diese Politik zu verwirklichen.
Und der zweite Grundsatz ist, daß jede sinnvolle Politik nicht Selbstzweck sein kann, sondern immer nur den Menschen und dem Volke dient, von ihrem Ergehen und ihren Bedürfnissen ihr Gesetz empfängt. Der kleine Politikus ist heute meist unfähig geworden, diese Tatsache überhaupt zu sehen, geschweige denn sein politisches Handeln auf sie einzurichten. Aber auch den großen Staatsmann reißt die Dämonie seines Werkes häufig über den Dienst am Menschen und am Volke fort; seine Kunst wird ihm zum Selbstzweck, während doch ein ganzes Volk, nein unter den heutigen Verhältnissen die ganze Welt die Kriegskosten für seine Staatskunst aufbringen muß. [333] [Anfang]
 

XXV WAS BLEIBT?

Alle verkappten Religionen sind Lebensverneinung. Das Freiwerden von ihnen ist Lebensbejahung, aber nicht brüllend, nicht als Entdeckung und System, sondern einfach als Rückkehr zum Dasein, das Gott uns als Glück und Unglück, als Kampf und Leiden, als Aufgabe gegeben hat. Damit ist auch die besorgte Frage beantwortet, die dem Verfasser oft gestellt wird: Ja, wenn alle diese mächtigen Strömungen und Bewegungen unserer Tage schädliche verkappte Religionen sind - was bleibt dann überhaupt noch übrig?
Du selbst bleibst übrig - und das sollte recht viel sein. Erst nach der Beseitigung der verkappten Religionen kommt Etwas und Einer wieder zu wirklicher Freiheit: der lebendige Mensch, der in Fröhlichkeit und Mißmut, in Arbeit und Gehenlassen, in Glauben und in Anfechtung auf dieser Welt arbeitet; arbeitet mit allen Gaben, die ihm Gott gab, und doch zuletzt unbekümmert. Der Mensch, der nicht in der gerne großen »Idee« irgendeiner Hinterwelt bequeme und tröstliche Zuflucht sucht, sondern religiös erlebt hat, daß man, nach einem Worte Bismarcks, »so klug sein kann wie die Klugen dieser Welt und doch immer vorwärts tappt wie das Kind ins Dunkle« - und der aus diesem Gefühl, von letzter Verantwortung und Sorge entbunden, mit voller Einsicht in die vanitatum vanitas dieser Erde, die Welt zu gestalten sich müht, die ihm als Aufgabe gegeben ist; die Welt zu gestalten sich müht, nicht durch ein bequemes Programm, sondern durch lebenslange, den ganzen Menschen hinnehmende Arbeit. [Anfang]

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